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Drohungen sind der falsche Weg

Bei aller Wut und Hilflosigkeit, bei aller Verachtung für einen unfähigen und unsensiblen Duisburger Oberbürgermeister, finde ich es schlimm Morddrohungen zu äussern und die Familie des Politikers zu bedrohen. Das ist keine Rechtsstaatlichkeit. Bei aller Wut und Hilflosigkeit müssen die Versäumnisse auf dem Wege der Rechtsstaatlichkeit aufgeklärt werden. Und zwar nur (!) auf diesem Wege. Jede Drohung mit Gewalt ist falsch und schäbig. Auch der Duisburger Oberbürgermeister darf von nichts und niemandem bedroht werden. Es ist einzig Aufgabe der Staatsanwaltschaft zu ermitteln. Es ist einzig die Aufgabe der Justiz über Strafen bzw. Strafmassnahmen zu entscheiden. Alles andere ist falsch und gefährlich. Es dient nicht der Sache und es nützt nicht den Toten und Verletzten.

Das Bedürfnis zu trauern

Das Bedürfnis zu trauern ist noch immer riesig. Heute war ich am Ort der Katastrophe in Duisburg. Hunderte Menschen waren dort. Sie haben geschwiegen. Sie haben getrauert. Einige haben geweint. In die tiefe Trauer mischt sich auch Wut. Wut über die Verantwortlichen in der Stadt Duisburg. Wut auf den Veranstalter. Wut darauf dass niemand bereit ist Verantwortung zu übernehmen. Wut darüber dass niemand bereit ist Fragen zu beantworten. Wut auf die Verantwortlichen in der Stadt Duisburg die sich regelrecht im Rathaus einmauern. In der Wut schwingt auch Hilflosigkeit mit. Hilflosigkeit über das Geschehene und die eigene Ohnmacht. Hilflosigkeit angesichts der Unfähigkeit die Tränen zu trocknen. Diese Wut, gewachsen aus Hilflosigkeit, wird so lange andauern bis die Verantwortlichen in der Duisburger Stadtverwaltung und beim Veranstalter endlich die Fragen beantworten. Ich hoffe die Antworten kommen bald. Bevor es zu spät ist.

21 Tote

Die Zahl der Toten bei der Love Parade Katastrophe hat sich auf 21 erhöht. Eine 25 jährige Frau ist ihren Verletzungen erlegen.

Die Jüdische Gemeinde Duisburg trauert

Ein Armutszeugnis

Das Lohnspektrum in Deutschland franst zunehmend nach unten aus: Ein steigender Anteil der Niedriglohnbeschäftigten verdient weniger als 50% des Medianlohnes, während so niedrige Löhne in vielen anderen Ländern durch gesetzliche Mindestlöhne unterbunden werden.

Es ist ein Armutszeugnis für Deutschland. Jeder fünfte arbeitet für einen „Lohn“ der unter dem Mindestlohn liegt. Einige andere verdienen sich eine goldene Nase. In meinen 20 Jahren als Betriebsrat hätte ich nicht geglaubt dass es in Deutschland einmal so weit kommt. Es lohnt sich die Studie herunterzuladen und zu lesen. Auch wenn mir bei der Lektüre schlecht geworden ist. In was für einem Land lebe ich eigentlich?

Beschädigtes Image

Die Love Parade in Duisburg sollte sicherlich auch dem Image der Stadt dienen. Duisburg ist mit vielen Problemen belastet. Die Transfusion der Stadt von Kohle und Stahl in Richtung Zukunft ist nur teilweise gelungen. Es gibt Stadtteile in Duisburg denen man die Armut ansieht.

Vielleicht war es dieses Bemühen um ein besseres, neues, Image das den Oberbürgermeister der Stadt Duisburg dazu bewogen hat alle Vorsicht zu vergessen und alle Mahnungen zu überhören.

20 Menschen mussten diesen falschen Ehrgeiz mit ihrem Leben bezahlen. Der Oberbürgermeister von Duisburg sollte wenigstens so fair sein und zurücktreten. Er hat die Love Parade letztlich genehmigt. Er ist der Verwaltungschef. Beim Oberbürgermeister liegt die Verantwortung für die Tragödie. Es ist eine schwere Verantwortung.

Wenn ich höre dass Warnungen konsequent überhört worden sind und dass Druck auf Mitarbeiter der Duisburger Stadtverwaltung ausgeübt worden ist, die vor den Risiken der Love Parade und des Geländes gewarnt haben, wird mir schlecht. Da mischt sich Trauer mit Wut.

Ich lebe nicht im Ruhrpott. Aber ich mag die Menschen. Oft bin ich auch in Duisburg zu Gast. Ich mag die Stadt. Umso trauriger und wütender bin ich über das was geschehen ist.

Duisburg hat ein neues Image. Das Image von Grössenwahn, Inkompetenz, persönlichen Eitelkeiten, Geldgier. Das hat der Duisburger Oberbürgermeister geschafft. Gibt es eine Bilanz einer Amtszeit die vernichtender sein könnte?

Mir tun die „einfachen Leute“ in Duisburg einfach leid. Was geschehen ist haben die Menschen nicht verdient, hat die Stadt nicht verdient.

Ich bin einfach nur traurig und wütend.

Eine Kerze und ein Gebet

Morgen werde ich zum Ort der Katastrophe von Duisburg fahren. Ich habe das dringende Bedürfnis wenigstens eine Kerze aufzustellen und ein Gebet zu sprechen. Hilflosigkeit. Aber vielleicht besser als nichts ?

Wie zynisch kann man sein ?

Ich habe gestern auf den Blog von Julia hingewiesen. Julia ist eine Besucherin der Love Parade gewesen. Sie stand im Tunnel als die Panik losbrach. Julia hat ihre Erlebnisse in dichter, klarer, Sprache geschildert. Nun gibt es Leute die nichts anderes zu tun haben als sich über Werbung aufzuregen die im Blog eingeblendet wird. Julia wird vorgeworfen mit ihrem Blog Profit machen zu wollen. Wie krank kann ein Hirn eigentlich sein um solche Vorwürfe zu erheben? Da hat eine 22 jährige die Hölle durchlebt. Diese Frau quält sich mit Schuldgefühlen und immer wieder kreisenden Gedanken. Aus den Zeilen ihres Blogs ist klar zu ersehen in welchem Zustand sich Julia befindet. Und da haben einzelne User von Julia’s Blog nichts Besseres zu tun als ihr Vorwürfe zu machen? Wie wenig Empathie können Menschen eigentlich besitzen? Zumal das Problem sehr einfach zu lösen ist. Ich habe Julia’s Blog in den letzten Tagen oft besucht und NIE Werbung gesehen. Vielleicht sollte man einfach den Werbeblocker im Browser aktivieren? Ich sehe mit dem ABP Werbeblocker von Firefox jedenfalls keine Werbung. Aber vielleicht geht es auch gar nicht um die Frage der Werbung. Vielleicht geht es auch darum eine Bloggerin zum Schweigen zu bringen.

Danke an den Lindwurm

Neben vielen anderen Dingen, die Nazis und religiöse Extremisten einen, ist wohl der Hass auf Lebensfreude und befreite Sexualität besonders auffallend. Daher können diese Leute vor lauter Schadenfreude über die Tragödie bei der Loveparade in Duisburg kaum noch an sich halten und lassen es einfach laufen.

Schweigen – Ein Skandal in Duisburg

Ein Tunnel, durch den solche Massen hindurchsollten! Nicht nur ein paar Tausend, was schon schlimm genug gewesen wäre. Und die Polizei soll die abgewiesen, ja zurückgewiesen haben, die aus dem Ganzen herauswollten? Es klingt, als könne das alles nicht wahr sein. Und dann ein Gelände für 250 000, vielleicht 350 000 Menschen, auf dem mindestens die dreifache Anzahl gewesen sein soll. Gut anderthalb Millionen Menschen, nach den Erfahrungen der Vorjahre – das ist doch, als mache sich fast ganz Hamburg auf den Weg, die zweitgrößte deutsche Stadt.