Gijur - der Anfang des Fadens !
17 May 2007 at 19:02 | In Gijur |in meinen dashboards finde ich immer wieder begriffe wie “anfang des gijur”, “wie anfangen; gijur” usw ?
ich denke es gibt keine standardantwort auf diese frage weil die lebenssituation jedes fragenden anders ist.
als ersten schritt, auch um das vorhaben des gijur zu pruefen, ist meines erachtens zu empfehlen kontakt zur naechsten juedischen gemeinde aufzunehmen.
es ist meistens moeglich die g”ttesdienste zu besuchen wenn man alleine kommt, bei ganzen gruppen haben manche gemeinden ein problem weil sich die betenden dann fast wie im zoo vorkommen, besonders beim kiddusch. das sollte man so akzeptieren und einfach alleine kommen, dann sollte sich kein problem ergeben.
das erste mal alleine in einen synagoge zu gehen ist ein schwieriges unterfangen, das verstehe ich.
man weiss nicht was einen erwartet, wie man sich verhalten soll, was die leute da machen. woher soll man das auch wissen ?
ich persoenlich hatte das glueck einen menschen zu kennen der mich mit in die schul genommen hat, da war die huerde schon deutlich gesunken.
ich war vorher schon in anderen gemeinden um “reinzuschauen”, aber da ist beim ersten schauen geblieben, irgendwie “funkte es nicht”.
in der gemeinde die ich nun schon ueber zwei jahre regelmaessig besuche war alles anders, daran hat sicherlich auch der besagte kontakt in die gemeinde beigetragen. es ist schon toll nicht so einsam und alleine dort zu sitzen und im laufe der zeit ergeben sich fast von selbst kontakte zu den mitbetenden bzw. regelmaessigen besucherInnen der schul.
wenn man regelmaessig in der schul sitzt wird auch der rabbiner neugierig wer das denn so ist - dann gibt es entweder eine einladung zu einem ersten gespraech oder - wie in meinem falle - ein erstes gespraech ohne einladung.
das fand bei mir, ganz locker und ungezwungen, nach dem kiddusch (gemeinsames essen nach dem g”ttesdienst) am samstag statt.
das gespraech dauerte ca. 1 stunde und danach waren beide seiten schlauer.
ich glaube nicht das der rabbiner das vorher geplant hat, es hat sich wohl einfach so ergeben oder haschem hat es geplant
irgendwann dann kommt die frage des gijur auf den tisch.
es laeuft wohl normalerweise so ab das man einen termin beim rabbiner besorgt, der rabbiner einen dann drei mal ablehnen muss und danach entweder zum gijur annimmt oder weiterhin ablehnt.
bei mir war es etwas anders: ich habe, nachdem ich schon einige monate regelmaessig in die schul gegangen bin, gelesen das es einen siddurkurs und eine konvertierungsklasse gibt.
irgendwann nach dem kiddusch sagte ich dem rabbiner das ich mich gerne fuer die konvertierungsklasse anmelden moechte und er sagte das sei kein problem, ich sei willkommen.
diese konvertierungsklasse ist keine “garantie” fuer den tatsaechlichen gijur, aber man ist mit teilnahme an dieser klasse offiziell beim beth din und der gemeinde zum gijur gemeldet und der unterricht bereitet auf das beth din und die dortige pruefung vor.
was passiert nun wenn - wie in meinem fall - der rabbiner wechselt ?
prinzipiell gibt es drei moeglichkeiten:
1) man faengt von vorne an.
2) der (neue) rabbiner prueft was bisher gelernt wurde und knuepft dort an.
3) man lernt beim “alten” rabbiner weiter wenn das beth din diesen weg akzeptiert (wie in meinem falle).
alle drei optionen haben ihre vor- und nachteile, vor allem wenn man sich fuer den gijur keine “deadline” gesetzt hat, was nicht ratsam ist.
ich finde jedenfalls den schiur (erwachsenenunterricht) sehr spannend und ich nehme gerne daran teil, das ist etwas ganz anderes als frueher in der schule, man macht es ja freiwillig, wenn auch zielgerichtet.
ups, jetzt bin ich vom thema abgewichen, sorry !
also: wie sieht der anfang des gijur fadens aus ?
man suche sich eine schul, gehe regelmaessig in den g”ttesdienst, warte ab. irgendwann ergeben sich erste kontakte, wichtig ist die erste huerde zu ueberspringen, naemlich in die schul zu gehen, den inneren schweinehund und das “laue gefuehl” im magen zu ueberwinden, es ist grundlos.
alles andere kommt dann mit der zeit, nur keine hektik
es ist wichtig erst einmal juedisches leben “live und in farbe” zu sehen, wenigstens einmal den juedischen jahreskreis, die froehlichen und die traurigen feste, mitzuerleben.
buecher sind das eine, erlebtes, gelebtes juedisches leben ist das andere.
ich denke erst nachdem man dieses gelebte juedische leben ein kleines bisschen kennt, erlebt hat, sollte man den endgueltigen entschluss fassen.
gijur - ja oder nein ?
meine antwort lautet nach reiflicher ueberlegung “ja” und von dieser antwort wird mich nichts und niemand mehr abbringen
3 Comments »
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“es laeuft wohl normalerweise so ab das man einen termin beim rabbiner besorgt, der rabbiner einen dann drei mal ablehnen muss und danach entweder zum gijur annimmt oder weiterhin ablehnt.”
Bei mir lief es auch nicht so ab, ich denke, in der Realität wird es kaum so gehandhabt.
Comment by Yael — 17 May 2007 #
Ich denke, dass das eher so gehandhabt wird, wenn der Rabbiner den Kandidaten überhaupt noch nicht kennt. Es gibt ja solche Typen, die sich Judentum aus Büchern anlesen und dann unbedingt konvertieren wollen, ohne überhaupt einen Juden zu kennen oder mal regeläßig eine Synagoge besucht zu haben. Mich hat jedenfalls niemand abgelehnt, im Gegenteil, ich fühlte mich von Anfang an bei meinen Rabbinern äußerst willkommen
Comment by Anna — 18 May 2007 #
hallo anna,
meinst du wirklich im zu konvertieren muss man einen juden kennen,oder regelmässig in die synagoge gegangen sein?!
es reicht wohl aus,um diesen entschluss zu fassen gijur oder nicht,einfach seiner inneren stimme zu folgen.dann spielt es auch keine rolle,ob man drei,oder hundert mal abgelehnt wird vom rabbi und wenn man über bücher den weg zum judentum findet ist das auch nicht schlecht,denn wissen kommt aus büchern-woher auch sonst!?
gruss,ein solcher typ!
Comment by dirk — 18 May 2008 #