Ueber den Sinn von Geboten

30 January 2008 at 16:54 | In Gedanken, Gijur |

wenn mensch zum judentum konvertiert muss er viel lernen. ein lehrbuch fuer den gijur heisst “juedisches leben” von rabbiner chajim halevy donin. es gibt wohl kaum ein buch aus dem ich so viel gelernt habe wie aus diesem. es geht in diesem buch um die grundlagen juedischen glaubens, den “jewish way of life”, ein kapitel behandelt die halacha und ein weiteres “die gruende fuer die gebote”.

die frage warum gebote zu beachten sind hat viele bedeutende rabbiner aus verschiedenen epochen beschaeftigt.

eine erklaerung ist das system von lohn und strafe. eine erklaerung die mehr sehr wichtig erscheint (das war am anfang des gijur nicht so) ist das gebote, regeln und auch symbole dazu beitragen koennen eine gemeinschaft zusammenzuhalten. gerade eine gemeinschaft die ueber alle kontinente verstreut ist.

das taegliche gebet, das kaddisch, die beachtung des schabbat, das feiern der juedischen feiertage und das trauern an den trauertagen. aber auch alltaegliche gebote wie die achtung vor vater uns mutter, auch das helfen aelterer menschen sind gebote die ein volk zusammenhalten koennen.

die gebetsordnung ist eben keine zufaellige, die festtage liegen nicht zufaellig im juedischen kalender verstreut sondern haben ihren hintergrund. einige feste waren erntefeste, an purium erinnert man sich an die rettung des juedischen volkes (ich werde die geschichte erzaehlen wenn es so weit ist), an pessach erinnern wir uns an den auszug aus aegypten, ein fest das die freude ueber die freiheit mit der verantwortung der freiheit vereint. freiheit ohne verantwortung gibt es nicht. beides bedingt einander. das weiss ein volks sehr gut das lange zeit in unfreiheit gelebt hat und auch heute noch bedroht ist. an tisch be aw gedenken wir der zerstoerung des zweiten tempels. es ist ein fastentag. wir sollten auch die vorgeschichte der zerstoerung bedenken. wir koennten daraus fuer unser leben in der heutigen zeit lernen. ich sehe mich bei denen welche die errichtung des dritten tempels ersehnen, nicht “nur” in der liturgie.

mein lieblingsgebot ist allerdings die nacht vor schavuoth durchzulernen. es ist gebot in dieser nacht nicht zu schlafen, sondern zu lernen. in jerusalem gehen glaeubige juden an die westmauer um zu beten, zu feiern und zu lernen. an diesem tag wurde dem juedischen volk die thora offenbart. von g”tt auf dem berg sinai. ein wunderbares bild. es troestet mich ueber manchen schmerz und einige verzweiflung hinweg.

es gibt also verschiedene gruende fuer die gebote. gebote sind manchmal ein joch, manchmal eine freude. vieles macht man mit der zeit automatisch, ohne viel nachzudenken. gerade in schlechten zeiten koennen gebote aber auch ein troestlichen, ganz konkretes zeichen fuer zugehoerigkeit sein.

ich haette das frueher auch nicht verstanden, es brauchte eine krankheit, eine tiefe angst und verzweiflung um den weg zum judentrum zu finden. wie bei so vielen war es ein wendepunkt im leben. krankheit, verzweiflung und angst haben fuer mich nicht nur negative aspekte. dies alles kann auch eine chance sein. mir haben sie den weg gewiesen. ein licht am ende des tunnels. der tunnel, das dunkel ist noch immer da und wird nicht verschwinden. das waere auch nicht wuenschenswert denn man sieht nur licht wenn man die dunkelheit kennt. man kann den sinn der gebote nur verstehen und akzeptieren wenn man sich zugehoerig fuehlt.

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