Schavua Tov
8 March 2008 at 22:28 | In Schabbat, Schavua Tov |von “gut” kann nicht die rede sein. weder was die woche, noch was den monat adar angeht.
am donnerstag (ihr wisst es) gab es einen anschlag auf die mercaz ha rav jeshiva in jerusalem.
die opfer waren junge maenner deren verbrechen es war talmud und thora lernen zu wollen. die welt hat den anschlag nicht verurteilt. das war auch nicht zu erwarten. schliesslich waren die opfer “nur juden” und dazu noch religioese.
in meiner schul konnte von froehlichkeit auch nicht die rede sein. es haette ein schoener schabbes werden koennen. es wurde aus 3 thorarollen gelesen, ausserdem war rosch chodesch (monatsanfang) aber es war nicht froehlich. man darf am schabbes eigentlich nicht traurig sein. aber sich gegen die realitaet abzuschotten funktioniert auch nicht.
in seiner auslegung der parascha kam der rabbiner auch auf die ereignisse in jerusalem zu sprechen.
er wies darauf hin das der zeitpunkt des anschlages wohl kein zufall war. rosch chodesch, der anfang des monats adar. in diesen monat faellt purim. an purim gedenkt man der erretung des juedischen volkes vor haman. deswegen lesen wir an purim die esther rolle. (das ist alles sehr knapp, ueber die purim geschichte werde ich rechtzeitig schreiben).
zurueck zum geschehen in der schul: der rabbiner sagte also das der zeitpunkt des anschlages kein zufall war.
auch der ort war kein zufall. der attentaeter wollte das juedische volk ins herz treffen. das herz des juedischen volkes ist die thora.
es gibt noch einen anderen aspekt: die mercaz ha rav jeshiva ist eine nationalreligioese einrichtung in der die lehren von rav kook vermittelt werden. es geht also um die verbindung vom land israel, dem volk israel und der thora israel. das wusste der attentaeter. deswegen wohl war gerade diese jeshiva ziel des anschlages. er wollte ins herz treffen. der war eine neuauflage des haman in unserer zeit.
was kann das juedische volk tun ? das gleiche was es zur zeit hamans getan hat: die gebote halten, zusammenstehen und beten.
es ist brauch zu purim einen symbolischen halben schekel zu spenden. es steht geschrieben das der reiche nicht mehr und der arme nicht weniger spenden soll. was ist sinn dieser spende ?
sinn dieser spende ist nicht das einsammeln von geld. sinn dieser spende ist es ein gefuehl von zusammengehoerigkeit zu schaffen. jeder und jede spendet diesen symbolischen halben schekel. man ist nicht alleine.
was ist der sinn von geboten ? gebote sind halacha, aber gebote sind auch diese ein mittel um das gefuehl der zusammengehoerigkeit zu staerken. indem ich gebote halte komme ich nicht nur den geboten selbst nach. ich weiss mich auch in der gesellschaft mit anderen menschen. ich weiss das ich nicht alleine bin mit dem einhalten dieser gebote. das kann sehr troestlich sein.
wenn ich am schabbes in der schul sitze, an anderen tagen beim schiur denke ich daran das viele juden an ganz verschiedenen orten der welt das gleiche tun. das schafft identitaet und troest ueber manche krisen hinweg.
das ist auch eine erfahrung des gijur: man findet auf der einen seite einen schatz, es gibt momente des glueckes und staunens. aber auch die erkenntnis das vieles nicht mehr weit weg ist. wenn religioese angegriffen werden ist es so als wuerde man selbst angegriffen. auch das ist ein grund fuer manchmal bissige beitraege und kommentare. wie eine freundin mir sagte: neben dem joch der gebote gibt es auch das joch auf einmal in einen anderen kontext zu gehoeren. mit allenm freuden, allen lasten. die freude ueberwiegt. aber ich bin auch empfindlicher, duennhaeutiger geworden. es kleben mehr pflaster auf meiner seele.
das etwas sehr nahe kommen kann habe ich mit meiner ganz persoenlichen “israel geschichte” erfahren. je mehr freunde ich habe, desto emotionaler fuehle ich mich dem land verbunden. emotion kann manchmal ein fluch sein. trotzdem wollte ich nicht darauf verzichten. ich vertraue auf die toleranz und liebe der freunde. ich wurde selten enttaeuscht.
zurueck zur mercaz ha rav jeshiva. der leiter sagte nach dem anschlag das es eine fortsetzung der massaker von 1929 gewesen sei. bei diesem massaker wurde der versuch unternommen hebron “judenrein” zu machen. erst nach einigen jahrzehnten gab es in hebron wieder juedisches leben. die stadt ist immer noch ein brennpunkt der gewalt. daran wird sich wohl auch in naher zukunft nichts aendern. die geschichte macht es aber fast undenkbar hebron wieder zu raeumen. geschichte kann auch ein fluch sein.
bei der beerdigung der opfer des anschlag auf die mercaz ha rav jeshiva warnten die rabbiner ausdruecklich vor selbstjustiz. das recht, so sagten sie, duerfe nicht von menschen in die eigene hand genommen werden. die rache, so sagten sie, ist alleine eine sache g”ttes.
was fuer eine moralische groesse muessen diese menschen haben ? kurz nach einem schrecklichen blutbad nicht von den gefuehlen mitgerissen zu werden. nicht rache zu schwoeren. was fuer die moralische groesse, ich sage es noch einmal. und auch dies: ich wuesste nicht ob ich die kraft zu solchen worten, kurz nach dem verlust so vieler menschenleben, haette. bevor ihr mich wegen dieses eingestaendnisses verurteilt: prueft euch selbst und richtet nicht leichtfertig.
das erinnert mich an alexander avidan, jenen arzt im hadassa hospital in jerusalem der erzaehlte das auch ein selbstmordattentaeter gerettet werden muesste. wenn er schwerer verletzt ist hat er vorrang vor den opfern. er wird auf der gleichen station betreut wie die opfer die er toeten wollte. es ist auch noch etwas anderes: natuerlich weiss das team auf der traumastation das der attentaeter es wieder versuchen wird. und trotzdem. ich wuesste nicht ob ich diese staerke aufbringen wuerde, mit oder ohne eid. auch hier: denkt nach bevor ihr richtet.
israel. wenn ich auf der anderen seite sehe das der selbstmordattentaeter auf die jeshiva gefeiert wird. ich will das nicht kommentieren.
allerdings frage ich mich wie ein frieden bei so ungleichen vorstellungen von ethik und moral aussehen soll. wo soll eine bruecke sein ?
natuerlich gibt es auch auf juedischer seite extremisten. aber diese leute sind eine winzige minderheit, verurteilt von der mehrheitsgesellschaft. sie werden fuer ihre taten nicht gefeiert sondern verabscheut. das ist der unterschied zwischen israel und den gebieten.
was also tun ? die hoffnung nicht verlieren, auch wenn es schwer faellt.
wie sagte der rabbiner ? wir koennen nur zusammenstehen und beten.
auf das kommen des messias hoffen.
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