Warum lesen wir das Buch Ruth ?
3 Juni 2008 at 19:36 | In Schawuot | Leave a Commentwenn ich meinen machsor fuer pessach/schawuot aufschlage kommt mir als erstes das buch ruth entgegen. wer war ruth und warum spielt diese frau eine so bedeutende, ja zentrale, rolle zu schawuot ?
vielleicht erst einmal minhag: in gemeinden nach ashkenasischen ritus wird das buch ruth aus der schriftrolle gelesen. in den meisten gemeinden hingegen wird das buch aus einer gewoehnlichen bibel oder aus dem entsprechenden machsor gelesen. in meiner schul ist es so das aus der schriftrolle gelesen wird. mich freut das besonders. es ist schon ein erhabenes gefuehl wenn der thoraschrein geoeffnet, die schriftrolle die runde durch die schul macht, entrollt und rezitiert wird und anschliessend, nach ende der lesung, noch einmal durch die schul getragen wird. dann wandert die schriftrolle wieder in den thoraschrein zurueck.
warum nun wird das buch ruth ausgerechnet am wochenfest gelesen ?
befragen wir israel meir lau. sein lehrbuch “wie juden leben” gibt auf seite 283/284 folgende auskunft:
1. Am Wochenfest wurde Koenig David geboren, und an diesem Fest starb er auch. Aus dem Buch Ruth erfahren wir, wie der Herr, gelobt sei sein Name, die Ereignisse so lenkte, bis Boas schliesslich Ruth heiratete. Aus dieser Ehe ging Obed hervor, der Vater von Davids Vater Isai – aus dessen Haus der Messias hervorgehen soll.
2. Am Wochenfest mussten die Israeliten das Gebot erfuellen, dem Herrn die “zwei Brote” zu opfern, die aus Weizen gebacken wurden.
(…)
3. Rut(h) steht mit ihrem Charakter und ihrem Lebenswandel stellvertretend fuer das Bild des idealen Proselyten. (…) Rut(h) wurde zum Symbol des wahren Proselyten, und ihre Worte wurden das klassische Beispiel eines aufrichtigen Proselyten.
“Wohin du gehst, dahin gehe auch ich, und wo du bleibst, da bleibe auch ich. Dein Volk ist mein Volk, und dein G”tt ist mein G”tt”.
Das ganze juedische Volk ist am Tag der Gesetzgebung ein gerechter Prosylet (…)
darum also lesen wir das buch rut(h) an schawuot, deswegen nimmt das buch ruth eine so herausragende stellung in der schawuot liturgie ein.
bei rabbiner chajim halevy donin kommt das motiv der prosyleten in einem anderen zusammenhang vor. schauen wir in sein lehrbuch “juedisches leben”, seite 249, kapitel 12.
Waehrend die Juden am Sinai ihren Bund mit G”tt bestaetigten, indem sie erklaerten: “Wir werden tun und hoeren”, betont die Thora: “ Und nicht nur mit euch allein stelle ich diesen Bund fest und diesen Eid, sondern mit dem, der hier mit uns heute steht vor dem Ewigen, unserem G”tte, und mit dem, der nicht hier mit uns heute ist” (Deut. 29:13-14). Der Talmud erklaert den zweiten Teil des Verses als deutliches Einbeziehen von allen zukuenftigen Geschlechtern der Juden und von zukuenftigen Prosyleten, die spaeter den Glauben annehmen werden (Sch’wuot 39a).
Rut(h) ist also die Mutter aller Prosyleten, Abraham ist der Vater aller Prosyleten. Mit Ruth muss ich mich fragen: “bin ich genuegend abraham ? bemuehe ich mich wirklich, abraham zu sein ?” meine persoenliche denkaufgabe fuer schawuot.
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