Ein Schiur zum Yom Jeruschalaim

gestern war der grenzgaenger bei einem langen schiur. fast drei stunden. der rabbiner diskutierte die frage des jom jeruschalaim. das ist der jerusalem tag. der jerusalem tag beginnt mit anbruch der dunkelheit am donnerstag und endet am freitag. wie in vielen gemeinden gibt es auch in dieser gemeinde eine feier zum yom jeruschalaim. die fragen des rabbiners waren nun: warum feiern wir den jom jeruschalaim ? welche bedeutung hat jerusalem fuer uns ?

das sind wirklich interessante fragen. ueber mein persoenliches bild von jerusalem werde ich spaeter posten. ich will erst ueber den schiur schreiben.

jerusalem heute. was ist das fuer die juedische seele ? jerusalem fuer die juedische seele ist der tempelberg. die verbundenheit mit dem ort wo die beiden juedischen tempel gestanden haben und wo – mit g“ttes hilfe – der dritte tempel entstehen wird.

Jerusalem_from_mt_olives1

welche bedeutung hat der tempelberg fuer die juedische seele ? meine antwort ist mir leider erst viel spaeter eingefallen. die antwort ist eine gegenfrage: „warum wurde der tempel zerstoert ?“ wir kennen die antwort. weil das volk israels nicht den gesetzen haschems folgte. weil die menschen sich selbst und ihren naechsten nicht mit respekt behandelt haben. es steht alles geschrieben.

da koennen wir auch eine linie zu schawuot ziehen. warum sollen wir eine nacht durchlernen ?

dem volk israel war schon einige tage vor empfang der gesetzgebung das datum mitgeteilt worden. trotzdem schlief das volk und mose musste seine stimme gebrauchen um das volk zum fusse des berges zu bringen.

das volk hatte also falsch gehandelt weil es den worten von moses nicht geglaubt hat. man hielt die worte moses fuer eine weitere rede der keine beachtung geschenkt werden musste.

sind wir heute weitergekommen ? leben wir nach den worten der thora ? behandeln wir unseren naechsten mit respekt und ehre ? ich kann fuer mich sagen das der weg noch weit ist. theoretisches wissen reicht nicht. es muss in die praxis umgesetzt werden. vorsaetze reichen nicht aus. sie muessen umgesetzt werden. da hat der grenzgaenger noch ein gutes stueck arbeit an sich selbst zu leisten. ich kann nicht von anderen menschen erwarten was ich selbst nicht lebe.

aber zurueck zum tempel und der zerstoerung. jerusalem ist fuer mich ein ansporn dafuer mich zu bessern. mich zu bemuehen. zu versuchen die gebote der thora ernster zu nehmen.

eine statusaenderung von jerusalem ist kein werk das menschen vollbringen koennen. es hat sich zu oft gezeigt das der knoten nicht zu durschlagen ist. versuche den felsendom zu sprengen oder sonstwie zu zerstoeren sind streng zu verurteilen. das waere ein tragisches verbrechen und ein triumph der gewalt. von den folgen fuer israel einmal ganz abgesehen. auch wenn sich die gruppen, welche immer wieder versuchen den felsendom zu zerstoeren, religioes nennen. entweder ist die religion ein feigenblatt oder aber deren begriff von religion ist schlicht falsch. es ist die aufgabe haschems den enbgueltigen status von jerusalem zu besiegeln und den dritten tempel zu erbauen. der messias wird kommen. der dritte tempel entstehen. frieden wird sich ueber die welt ausbreiten. davon ist der grenzgaenger ueberzeugt. es gibt dinge die sind fuer menschen einfach zu gross.

was koennen wir tun ?

der rabbiner zeigte uns ein buch von rabbiner schlomo goren. rabbiner goren war oberrabiner der armee als der sechstagekrieg tobte. unter anderem gelang es der israelischen armee die altastadt von jerusalem wieder zu erobern. endlich war die westmauer wieder zu erreichen. juden konnten wieder oeffentlich und zu jeder zeit an der westmauer beten. auf dem schreibtisch von rabbiner goren kam auch die frage der zerstoerung des felsendomes. schliesslich hatte man gerade einen krieg gewonnen und das gebiet der altstadt von jerusalem erobert. rabbiner goren entschied bewusst und deutlich den status zu wahren und den felsendom nicht zu zerstoeren. es war eine weitreichende entscheidung die in der euphorie des sieges sicherlich nicht leicht zu vertreten war. diese entscheidung spricht fuer den weitblick von rabbiner goren. ich haette mir gewuenscht (auch wenn wir abschweifen) die palaestinenser haetten nach dem rueckzug der israelischen armee aus gaza auch die weitsicht und den anstand von rabbiner goren besessen. stattdessen beeilte man sich die juedischen g“tteshaeuser zu zerstoeren. das zeigt in welchem geiste die palaestinenser gehandelt haben und wie falsch der rueckzug aus gaza war und ist.

was koennen wir in der zwischenzeit tun ? bevor der messias kommt ? bevor der dritte tempel errichtet wird ? beten ist keine schlechte option. beten ist eine absage an konkrete gewalt und gleichzeitig ein zeichen der hoffnung. leider koennen wir nicht auf dem tempelberg beten. das verhindert die religionsgemeinschaft die derzeit dort das sagen hat. dieser umstand ist traurig. aber er sollte uns nicht entmutigen. widerstaende koennen auch ansporn sein. so koennen wir also beten in der freudigen gewissheit das der jetzige status des weltlichen jerusalem etwas anderes ist als der kuenftige status des himmlischen jerusalem. wenn der messias, wenn der tempel wieder errichtet wird, werden sich das himmlische und das weltliche jerusalem vereinigen und der frieden ueber die welt wird kommen und jeder wird friedlich bei seinem weinstock sitzen koennen. davon ist der grenzgaenger tief ueberzeugt. es ist eine troestliche gewissheit.

20080629115637.jpg

p.s. eine kleine ergaenzung zum thema findet ihr hier !

Eine Antwort schreiben