Sollen wir Wissen bewerten ?

30. Juni 2009

Eine Diskussion in einem anderen Weblog. Die Frage scheint mir zusammenfassend so zu lauten: “Gibt es jüdisches Wissen, religiöse Bildung, die mehr wert als andere? Ist es entscheidend ob man sein Wissen in einer Jeschiwa oder beim Rabbiner erworben hat? Ist Religiöses wissen, das aus seriösen Quellen im Internet kommt, schlecht?”

Ich kann für mich diese Frage schlicht mit “Nein” beantworten. Jeder hat seine eigene Art und Weise zu lernen. Jeder hat seine eigenen Quellen. Es kommt darauf an DAS Wir lernen.

Es kommt – so denke ich – auch nicht darauf an, in welcher Geschwindigkeit wir lernen. Es kommt auf die kritische Analyse, die Auseinandersetzung, die Diskussion, an.

Es gibt ja auch immer wieder diese Unsäglichen fragen zum Gijur. “Wie weit bist du?”, “hast du es immer noch nicht geschafft?”, “ist dein Rabbiner gut für deinen Gijur ?” Ich beantworte, seit einiger Zeit, solche Fragen kaum noch. Ich denke das ist nicht relevant. Jeder hat seinen weg. Jeder hat seine eigene Geschwindigkeit beim Lernen. Jeder hat (hoffentlich) seinen ganz eigenen Kontakt zum Rabbiner. Wenn sich der Kontakt zum Rabbiner nur noch auf die Frage des Gijur zuspitzt, finde ich das schlicht schade.

Ich würde wirklich für mehr ruhe in solchen Diskussionen plädieren. Jeder geht seinen Eigenen weg und kein Weg ist schlechter als der andere. Letztlich geht es darum, mit seinem weg und seinem Leben, zufrieden zu sein. Alles andere wird – mit G”ttes Hilfe – geschehen.


Basisdemokratie

30. Juni 2009

Die Thora ist für mich mit einem modernen Begriff verbunden: Basisdemokratie. Warum Basisdemokratie? Wie bei einer Bewegung von unten sind alle Menschen aufgefordert, sich am Lernen zu beteiligen. Thora lernen sollen, und können, alle Menschen. Egal wo auf diesem Planeten die Menschen leben, egal ob diese Menschen regelmäßig ein Lehrhaus aufsuchen, egal wie viel oder wie wenig Gelegenheit diese Menschen bisher hatten zu lernen. Egal übrigens auch ob der Mensch jüdisch oder nichtjüdisch ist.

Die Thora ist das Wort G”ttes. Das Volk Israel hat die Thora am Berg Sinai empfangen. Die Thora ist sozusagen ein Geschenk G”ttes an sein Volk. Mit diesem Geschenk geht das Volk Israel, auch jeder, der sich diesem Volk anschließt, aber auch Verpflichtungen ein. Gebote und Verbote sind in der Thora aufgeführt. 613 um genau zu sein.

Es ist nun so, das wir nicht mehr alle 613 Gebote halten können. Das liegt nicht an uns. Das liegt einfach daran, dass einige Gebote mit dem Tempel verbunden sind. Den Tempel gibt es nicht mehr. Möge der dritte Tempel bald und in unseren Tagen erbaut werden. Doch es ist auch schwierig, die übrigen Gebote einzuhalten. Das Judentum, wenn es denn bewusst gelebt wird, hält in jeden Winkel des Alltages Einzug.

Das fängt beim Aufstehen an und hört bei den täglichen drei Gebeten noch noch lange nicht auf. Das fängt in den Werktagen an und hört beim Schabbat noch lange nicht auf. Ein wirklich gelebtes jüdisches Leben bedeutet auch ein bewussteres Leben. Weil auch Alltäglichkeiten auf den Prüfstand kommen.

Ein Wegweiser ist der Schulchan Aruch . Es bleiben immer noch genügend Fragen für den Rabbiner übrig.

Aber auch die Gebote sind Basisdemokratie. Durch die Gebote soll das Volk gestärkt werden. Die Erfüllung und Befolgung der Gebote hat das Volk Israel letztlich zusammengehalten. Auch als es keinen eigenen Staat gab. In einer Phase der Geschichte Israels die über 2000 Jahre gedauert hat. Heute sind die Gebote ein Stück weit Bindeglied zwischen den juedischen Menschen in Israel und in der Diaspora.

Sicherlich. Es gibt das Joch der Gebote. Aber für mich haben die Gebote auch einen süßen Duft. Es hört sich vielleicht merkwürdig an. Aber warum bemühen wir uns, die Gebote so gut wie möglich zu halten? Braucht G”tt unsere Gebote ? Nein. G”tt braucht weder unsere Gebote noch unsere Gebete.

Ich habe bei meinem Rabbiner gelernt, das es darum geht, mit den Geboten ein Stück weit die alltägliche Materie zu verlassen und sich auf den Weg zu machen ein Stück gerechter, wenn man so sagen soll, heiliger zu werden. Gebote sind eine Brücke. Eine Brücke zu G”tt. das heißt: Wir halten die Gebote in erster Linie ein, weil es gut für uns ist. Gut vor allem für unsere Seele. Im Falle von Kaschrut auch gut für unseren Körper.

Es hat keinen Sinn, ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man dieses oder jenes Gebot, nicht einhält. Es geht nicht darum, mit sich zu hadern, weil man sich für zu schwach und zu nachgiebig hält. Letztlich sind wir alle nur Menschen mit all unseren Schwächen und Stärken. Wichtig ist es, seine Menschlichkeit und den Respekt, vor den Menschen zu bewahren und zu leben.

Das hat nichts mit Beliebigkeit und falscher Toleranz zu tun. Auch Kritik, gerade Selbstkritik, ist wichtig. Aber was am Ende zählt, ist die Menschlichkeit Das ist für mich die Summe der Thora. Das ist für mich die Summe der Gebote.


Zwei Wochenabschnitte

30. Juni 2009

An diesem Schabbat lesen wir zwei Wochenabschnitte der Thora. Chukkat und Balak. Warum lesen wir manchmal einen Wochenabschnitt (das ist der Normalfall) und manchmal zwei Wochenabschnitte? Wir sind verpflichtet, die Thora in einem Jahreskreis vollständig zu lesen. Kein Buchstabe darf fehlen.

Hier findet sich einen schöne Liste der Wochenabschnitte.

An Simchat Thora wird der letzte und der erste Abschnitt der Thora gelesen. Die Thora ist ein sich immer wiederholendes Buch. Die Form der (Thora) Rolle symbolisiert, dass die Thora keinen Anfang und kein Ende hat. Dieser Tatsache wird an Simchat Thora dadurch Rechnung getragen, dass wir den ersten und den letzten Wochenabschnitt lesen. Das soll zeigen, dass der Text der Thora vollständig gelesen wurde. In gewisser Hinsicht ist das schon ein Einschnitt. Vielleicht auch ein faktisches Ende. Aber wir lernen nach dem letzten Thorabschnitt gleich den ersten Abschnitt der Thora. Eine Deutung ist, dass wir damit die Unendlichkeit des Lernens zeigen sollen. Ich merke bei mir selbst, dass ich immer wieder neue Aspekte der Thora entdecke. Das hängt von Stimmungen ab. Aber auch vom Stand des Lernens. Je mehr der Mensch lernt, desto grösser wird die geistige Freiheit in der Thora Auslegung. Ich finde, gerade diese geistige Freiheit, das Symbol der Thora, ist ein wunderbares Geschenk. Wir müssen diese Freiheit aber selbst nutzen. Das Judentum ist eine tätige Religion. Auch und gerade im jüdischen Lernen zeigt sich ein tätiges Leben.


SchwerBehindertenAusweis

30. Juni 2009

Mein Arzt ist der Meinung ich soll einen Schwerbehindertenausweis beantragen. Die Krankheit(en) schränken mein Leben, auch die Bewegungsmöglichkeiten, schon ein. Vieles, was früher selbstverständlich war, fällt heute schwerer. Selbstverständlichkeiten wie Einkaufen oder Bus fahren werden zur Bewährungsprobe. Letztlich soll der Schwerbehindertenausweis einfach dazu dienen genau dies, die Einschränkung des Bewegungskreises, noch einmal zusätzlich zu dokumentieren. Ich werde den Antrag also stellen.  Mal sehen, was die Kreisverwaltung dazu sagt.


Rechts und Links aussen

29. Juni 2009

es ist wie so oft. die radikalen auf der rechten und auf der linken seite des politischen spektrums sind sich einig. es sollte eigentlich nicht wundern. trotzdem ist der grenzgaenger immer wieder erschuettert und stellt sich die frage: “wo ist die politische mitte ?”. ich glaube diese mitte zu definieren wird immer schwieriger. auch weil es keine wirklichen volksparteien mehr gibt. die spd hat sich ins politische nirvana verabschiedet (ist das bedauerlich ?) und cdu lebt vom merkel bonus. die einzige volkspartei ist zur zeit die partei der nichtwaehler. woran liegt das ? sind die menschen politikverdrossen ? ich glaube eher die menschen sind politikERverdrossen. das teilweise zu recht. nein. ich stimme nicht ins politiker bashing ein. ich kenne einige (berufs)politiker, noch mehr ehrenamtliche politiker, die eine sehr gute arbeit machen. trotzdem scheint mir die politiker “kaste” in deutschland eher glatt und langweilig zu sein. ohne ecken und kanten. das faerbt auch auf den wahlkampf ab. ich denke (das ist meine subjektive meinung !) der wahlkampf wird immer langweiliger. was wir brauchen, auch das ist meine subjektive meinung, sind wieder themen ueber die es sich zu streiten lohnt. dann wird politik auch wieder interessanter und die partei der nichtwaehler wird an mitgliedern verlieren.

Ein Slibowitz auf Ahmadinedschad
Von Reinhard Mohr

Iranische Oppositionelle als “Discomiezen” und “Strichjungen des Finanzkapitals” – was sich anhört wie Mullah-Propaganda, stammt aus den Webforen der deutschen Linken. In ihrer Bewunderung für das islamistische Regime sind sie sich mit ihrem schärfsten Gegner einig: den Neonazis.

Eigentlich ist es ein klassisch revolutionäres Szenario: Hunderttausende, ja Millionen Menschen demonstrieren auf der Straße gegen den offenkundigen und massiven Wahlbetrug eines reaktionär-klerikalen Regimes, das sich auf einen brutalen Militär- und Sicherheitsapparat stützt. Die Lüge ist das Medium der offiziellen Kommunikation, das Fernsehen in Staatshand und die Justiz vollkommen abhängig von der höchsten religiösen Autorität. Die Zensur kappt die Meinungs- und Pressefreiheit, Todesurteile wegen unislamischen Verhaltens und ehelicher Untreue werden auf öffentlichen Plätzen vollstreckt – mit einem modernen Hebekran.

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Suchmeldung: Musik von Avitall

29. Juni 2009

eine leserin fragt wo man die cd “We will remember them” von avitall gerstetter kaufen kann. leider tut sich auf der website von avitall seit vielen wochen rein gar nichts und auch im internethandel scheint die auswahl an cd´s von avitall eher gering zu sein. habt ihr eine idee ?


Noch ein Buch

29. Juni 2009

ich habe das schmale baendchen noch nicht gelesen. aber es wird bestimmt nicht lange dauern bis ich diese 80 seiten gelesen habe. ich bin eben ein buecherwum. kann lesen zur einer sucht werden ?

DER KRIEG UND DIE KRITIKER handelt von dem Krieg im Libanon, der im Hochsommer 2006 rund 1.200 zivile Tote kostete, und den Reaktionen innerhalb von Teilen des – im weiteren Sinne – gesellschaftskritischen Spektrums darauf. Es geht dabei um unterschiedliche Flügel der Linken und der Intellektuellenszene, jedenfalls desjenigen Spektrums, das selbst den Anspruch erhebt, Kritik an der bestehenden Gesellschaft zu üben.

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Buchbesprechung: Tor zum Talmud

29. Juni 2009

eine interessante besprechung eines ebenso interessanten werkes. ich habe das “tor zum talmud”, verfasst von rabbiner yaacov zinvirt, geradezu verschlungen. rabbiner zinvirt schafft es eine komplizierte materie, die eine ungeheure eigendynamik entwickelt, leicht verstaendlich zu erklaeren. rabbiner zinvirt oeffnet tatsaechlich ein tor zum talmud. in gut verstaendlicher und spannungsreicher weise geschrieben oeffnet sich das tor und laesst den leser, auf eigenen wegen, in den garten des talmud eintreten. der garten ist wunderschoen und lehrreich. gerade bei der lektuere des buches “tor zum talmud” wurde mir klar wie wichtig es manchmal ist einen tueroeffner, oder – um im bild zu bleiben – einen menschen zu finden der das tor zum wissen oeffnet. lernen muss der mensch selbst. das ist auch rabbiner zinvirt wichtig. rabbiner zinvirt will nicht in den lernprozess eingreifen. vielmehr will rabbiner zinvirt so etwas wie ein wegweiser sein. ein wegweiser wird solange gebraucht bis der lernende sich der thematik stellen kann und will. der wegweiser wird gebraucht, bis der lernende so viele schritte im garten des talmud gemacht hat, das der alleine weitergehen kann. fragen werden immer bleiben. auch nach lektuere des buches “tor zum talmud”. das ist gut und wichtig. denn lesen soll ja gerade auch dazu dienen neugierig zu werden und weitere fragen zu stellen. man darf auch die naechsten baende des “lebendigen lehrhauses” gespannt sein.

Das Tor zum Talmud: Mischna für alle

In der jüdischen Tradition wird als eine der Tragödien, derer am 10. Tewet mit Gebeten und Fasten gedacht wird, die Übersetzung der Tora ins Griechische genannt. Dies habe, so die Überlieferung, einen irreparablen Schaden verursacht. Denn die Tora sei dem jüdischen Volk in der Heiligen Sprache (Laschon Hakodesch) gegeben worden. Und alle Auslegungen und Deutungen, die Übersetzungen mit sich bringen, würden den Inhalt verfälschen…

Rabbiner Yaacov Zinvirt will mit seinem Buch das „Tor zum Talmud“ öffnen

Detlef David Kauschke | Jüdische Allgemeine Nr. 13/09

Insofern ist das Studium der Heiligen Schrift eigentlich nur im Original – in Hebräisch und bei talmudischen Textpassagen auch Aramäisch – empfohlen. Soweit so gut. Doch wie sollen Interessierte außerhalb der jüdischen Lehrhäuser sich dem Talmud ohne die Kenntnis dieser alten Sprachen nähern? Der Duisburger Gemeinderabbiner Yaacov Zinvirt hat sich dieser Frage gestellt, und sie mit seinem soeben erschienenen Buch Tor zum Talmud beantwortet. „Ich bin durch mein Studium in den Jeschiwot mit den Quellen vertraut“, sagt er. „Und nun will ich eine Brücke bauen, indem ich in deutscher Sprache an diese Quellen heranführe.“ Mit dem Buch soll sich der Talmud für den Leser öffnen, „der schnell und ohne Vorkenntnisse in die besondere Methodik und Dynamik des Talmudstudiums einsteigen möchte“, verspricht eine Verlagsinformation.

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Pirke Awot

29. Juni 2009

der grenzgaenger wird jetzt weiter pirke awot, die sprueche der vaeter, lernen. ich finde gerade die sprueche der vaeter, mit den kommentar von rabbiner samson rafael hirsch, sehr troestlich. noch troestlicher als tehilim. ich kann nicht genau sagen warum ich das so fuehle. gefuehle lassen sich schwer auf eine rationale ebene bringen. gefuehle lassen sich schwer in eine rationale sprache (ver)kleiden.


Praktische Hilfe

29. Juni 2009

in den letzten tagen habe ich die erfahrung gemacht das es durchaus moeglich sich hilfe in der eigenen not zu holen. einerseits betrifft das den sektor der professionellen hilfe (arzt, psychotherapeut, auch amtsarzt). aber auch im bereich der ehrenamtlichen “laienhilfe” gibt es viele helfende haende die sich ausstrecken. man muss diese haende nur ergreifen. den ersten schritt auf dem weg zu den helfenden haenden muss man selbst tun. kein arzt und auch sonst kein anderer mensch kann diesen schritt fuer einen unternehmen. ein bisschen eigeninitiative ist gefragt. aber das kann schon der erste schritt in die richtige richtung sein. es ist wichtig aus der erstarrung aufzuwachen und zu schauen wo es hilfe gibt. das kann ein erster schritt sein sich aus der unklammerung der angst zu loesen und die befreiende erfahrung zu machen das man eben nicht alleine ist.  meine erfahrung im leben ist das es immer hilfe gibt. man muss nur manchmal danach suchen. mein suchen war eine e mail an die stadtverwaltung mit der frage ob es eine selbsthilfegruppe fuer angstpatienten gibt. es stellte sich heraus das es zwar in meiner stadt keine solche gruppe gibt. aber in der nachbarstadt. der kontakt wurde hergestellt. die hilfe kam sehr schnell. es stellte sich heraus das eine neue selbsthilfegruppe gegruendet wird. dieser gruppe kann ich mich anschliessen. das ist natuerlich eine glueckliche fuegung. aber es gibt sicherlich immer die moeglichkeit sich auch bestehenden gruppen bzw. angeboten anzuschliessen. ich moechte betroffenen wirklich mut machen die fuehler auszustrecken und hilfe zu suchen. alleine ist die angst kaum zu bewaeltigen. es ist sicherlich gut den austausch mit anderen menschen zu haben die unter dem gleichen problem leiden.


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