lila hat heute eine traurige begebenheit aufgeschrieben. irgendwie passt diese begebenheit in unseren monat. wir leben im monat tammuz. wir leben in den drei trauerwochen vor dem 9 aw. bis zum 9aw wird sich die trauer steigern. der verlust beider tempel. diese traegodie der heimatlosigkeit des juedischen volkes hat sich tief ins bewusstsein eingegraben.
das juedische volk ist nicht untergegangen. es gab, auch ohne eigenen staat, noch immer die gebote. die thora. doch ein leben ohne einen eigenen staat ist nicht nur gefaehrlich. viel zu oft ist es toedlich.
die juedische geschichte ist auch eine geschichte des scheiterns. es ist die rede vom scheitern einer illusion. die illusion hat einen namen: assimilation. wenn eine minderheit von der mehrheitsgesellschaft verachtet und ausgestossen wird ist der weg zum pogrom nicht mehr weit.
wie wir lernen mussten gibt es immer eine steigerung der menschenfeindlichkeit. die schoa war der traurige hoehepunkt.
gerade im monat tammuz fragen wir uns warum haschem das alles zugelassen hat. wir fragen uns warum haschem leiden zulaesst. wir fragen uns was haschem uns damit sagt. ist es wirklich so das der weg in die kommende welt mit leiden verbunden ist ? wann wird der messias kommen ? wann wird der dritte tempel erbaut werden ? das sind fragen die sich praktizierende juden jeden tag stellen. in den taeglichen gebeten. beim lernen der thora. im schiur (das ist der unterricht beim rabbiner). in den monaten tammuz und aw sind die traurigen, die zweifelnden, fragen aber noch intensiver als zu anderen zeiten des jahreskreises.

lila hat nun einen traurigen post veroeffentlicht der also nicht zufaellig den titel „Mitten im Tammuz“ traegt. es geht um den tod eines menschen.
Tertias beste Freundin Kim ist ein nettes Mädchen mit einem schweren Schicksal. Ihre Eltern sind in die USA übergesiedelt, als sie noch ganz klein war, und haben sich vor ein paar Jahren scheiden lassen. Kim und ihre Mutter sind nach Israel zurückgekehrt und haben sich eine kleine Wohnung in einem Kibbuz genommen, die anderen Geschwister sind beim Vater in den USA geblieben. Es hat wohl heftige Auseinandersetzungen zwischen den Eltern gegeben, eine richtig üble Trennung, bei der so viel zu Bruch geht, daß die Narben ein Leben lang bleiben.
(…)
Mitten im Tammuz ist sie gestorben, Kims Mutter, wie im Lied. Sie war jünger als ich und hinterläßt vier mutterlose Kinder, einen Ex-Mann, der von seinem grimmigen Kampf gegen sie nicht abgelassen hat, als sie im Sterben lag, und es tut mir sehr leid um sie. Ach, was für ein trauriger Tag. Was für eine traurige Jugend für Kim.
kim hatte ein schweres schicksal. ich glaube trennungen von familien sind fuer ein kind so ziemlich das schlimmste. das kind erlebt, viel mehr als die eltern, spannungen, stimmungsumschwuenge, ungewissheit. es muss eine holle sein.
ich kenne kim nicht. aber so wie lila den menschen kim schildert kann ich mir vorstellen das es sich um ein sensibles maedchen handelt. gerade solche sensiblen menschen haben grosse antennen. es ist eigentlich gut sensibel zu sein und auf andere menschen einzugehen. sensibilitaet kann aber auch schmerzen. ich glaube kim hat in der trennungsphase ihrer eltern mehr als genug angst und trauer erlebt.
dann verliert kim auch noch ihre mutter. an brustkrebs. ich fuerchte es war ein langsamer tod. ich moechte gar nicht wissen wie schlimm die akute krebsphase gerade fuer kim war. sie sah ihre mutter leiden und konnte nichts tun. wie ungerecht und hart kann das leben sein. warum laedt haschem diesem kind so viel trauer und schmerzen auf ?
es gibt noch drei andere kinder, die kims mutter hinterlaesst. es gibt auch einen mann der den kampf beendet hat. leider hat der mann zu spaet vom kampf abgelassen. als kims mutter schon im sterben lag. ich will den mann nicht verurteilen, es steht mir nicht zu, aber hat er versucht eine schuld zu tilgen die nicht mehr zu tilgen war ? das geschehene konnte nicht wieder gut gemacht werden. ich verachte das worte „wiedergutmachung“. es ist ein zynisches wort. ein verschleierndes wort. ein wort das verantwortung ablaedt wo es wichtig ist sich der verantwortung zu stellen.
aber in solchen tragischen momenten ist nicht die richtige zeit fuer harte worte.
Der Allgegenwaertige troeste euch inmitten der uebrigen, die um Zijon und Jeruschalajim trauern.
gerade im monat tammuz hat dieser satz, mit dem die trauernden in der synagoge begruesst werden, eine besondere bedeutung. im monat tammus befindet sich das ganze volk israel in einer zeit der trauer. wir trauern um die zerstoerte stadt jerusalem. wir trauern um die beiden zerstoerten tempel in jerusalem.
aber gleichzeitig wissen wir das die trauer enden wird. wir verlieren die hoffnung nicht. so wie die schmerzen nach dem tod eines geliebten menschen mit der zeit den erinnerungen platz machen, so wie das leben weitergeht, ist auch das leben des juedischen volkes nach der zerstoerung der stadt jerusalem und nach der zerstoerung der beiden tempel weitergegangen. das juedische volk ist nicht untergegangen. der juedische staat wurde gegruendet.
trauer vergeht nicht. gerade nicht im leben eines jungen menschen. aber irgendwann geht das leben doch weiter. haben wir eine andere wahl ?
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