Die Wüste ist ein schönes Bild. Ein Bild dafür wie es Menschen geht die an einer chronischen (seelischen) Erkrankung leiden. Freitagabend trat ich den Weg in die Wüste an. Es begann mit einem Müdigkeits- und Unwirklichkeitsgefühl das noch stärker war als sonst. Die Nacht war grausam. Ich wurde von schlimmen Albträumen geplagt. Von Albträumen die noch schlimmer waren als gewöhnlich. Am nächsten Morgen war ich wie erschlagen. „Unwirklichkeit“ im wahrsten Sinne des Wortes. Wüste. Tiefe Wüste.
Auf der anderen Seite ist die Wüste der „grosse Text Gottes“ (Leon Wieseltier). Die Wüste als Gottes Text ? Vielleicht brauchen wir diesen Text um zu verstehen dass nach einem Tief ein Hoch kommt. Das der Wechsel von Wüste und grüner Wiese das Leben ausmacht.
Ginge es uns wirklich besser wenn wir nur die grüne Wiese kennen würden und nicht auch die unendliche Wüste ? Ich glaube nicht. Leben ist der Wechsel von Wüste und Wiese, von gut und schlecht, von positiven und von negativen Phasen.
Wenn wir nur das positive kennen würden könnten wir dieses positive nicht schätzen. Um Gutes zu schätzen braucht es schlechtes. Um gute Phasen leben zu können, bewusst leben zu können, braucht es auch schlechte Phasen.
Ich will die Depression nicht mehr bekämpfen. Ich will nicht mehr gegen die schlechten Phasen ankämpfen. Die Depression ist ein Teil von mir. Ein Teil den Gott mir mitgegeben hat. Ich weiss noch nicht was ich mit dieser Nachricht anfangen soll. Aber ich muss nicht mehr alles verstehen. Ich weiss mich in Gottes Händen. Er weiss was die Depression mir sagen soll. Vielleicht will die Depression einfach sagen dass zu Licht auch Schatten gehört. Ich bin mit dieser Botschaft einverstanden.



Eine Sache, die mir bei Depressionen immer geholfen hat: Der erste kleine Schritt. Und selbst wenn es nur ein paar Schuhe sind, die man sich anzieht.
Immerhin: Du siehst die Wüste. Die Wüste macht Angst, aber die Wüste ist auch schön und voller Abenteuer. Die Wüste ist eine Herausforderung. Sie verlangt vom Menschen Kraft, Mut und Ausdauer.
Ich habe heute so gegen meine Depressionen angekämpft: Ich habe gearbeitet, obwohl es keiner von mir verlangt hat. Ich habe etwas getan.
Jetzt habe ich Staub an den Füßen. Ich bin noch längst nicht da, wo ich ankommen will. Aber ich bin ein Stück weiter.
Ich wünsche dir Kraft auf deinem Weg.
Matthias