Es wurde ja schon eine Menge geschrieben zu den aktuellen Vorgängen in Israel. Ich habe mir gut überlegt, ob ich meine 10 Agorot noch ausgeben soll. Aber irgendwie kann ich es nicht lassen.
Was sich in Israel zur Zeit an religiöser Konfrontation abspielt, ist für Menschen, die das Land kennen, nicht überraschend. Gerade der Konflikt in Bet Schemesh ist ja nicht neu. Das da mal der Deckel überkocht sollte nicht überraschen.
Der Konflikt zwischen Säkular und Religiös brodelt schon vor der Staatsgründung Israels. Das Status Quo Abkommen zwischen David Ben Gurion und der ultraorthodoxen Agudat Israel vom 19. Juni 1947 versuchte einen Ausgleich zwischen den Forderungen der Religiösen und den Erfordernissen eines demokratischen Staates zu finden. Faktisch ist der Status Quo gescheitert, was nicht nur die Schuld der religiösen Fraktion ist.
Die Frage ist ob ein moderner und demokratischer Staat Israel vereinbar ist mit religiösen Praktiken, die teilweise Jahrtausende alt sind und zu den Grundlagen des Judentums zählen.
Da kommt man schnell an die Grundfesten des Staates Israel: Ist Israel ein jüdischer Staat oder ein Staat aller seiner Bürger? Ist Israel ein Staat in dem die Thora oder die Gesetze einer säkularen Demokratie gelten sollen? Wenn Israel ein jüdischer Staat ist: Wer ist eigentlich Jude? Gilt ausschließlich die Halacha (Kind einer jüdischen Mutter oder Konversion zum Judentum)? In der Frage der Konversion: Welcher Übertritt wird anerkannt? Und welcher nicht? Alles Fragen die noch nicht geklärt sind. Israel hat noch keine Verfassung. In gewisser Weise ist diese Tatsache ein fataler Mangel in der demokratischen Welt. Aber: Ist ein anderer Staat mit solchen Fragen konfrontiert?
Israel hat einige religiöse Parteien mit nicht geringer Macht zu verzeichnen. Sind religiöse Parteien ein Segen oder ein Fluch? Soll Religion eine angemessene Rolle in der politischen Willensbildung spielen oder sollen Staat und Religion, Knesset und Synagoge, streng getrennt werden?
Dann gibt es da noch die vielen Facetten der Orthodoxie. Wer kann diese Facetten aufzählen? Die Orthodoxie wiederum hat nicht mit der Ultraorthodoxie gemeinsam. Dann gibt es noch nationalreligiöse Juden, die zur Armee gehen und Steuern bezahlen, und auch traditionelle Juden, für die Judentum ein Teil des Lebens, unter anderen Teilen, ist. Diese Gruppe scheint mir die Mehrheit zu sein. Nicht zuletzt gibt es noch Atheisten. Das scheinen, gerade vor dem Hintergrund der vielen Kriege, die Israel aufgezwungen worden sind, auch nicht wenige zu sein.
Wie immer ist es eine relativ kleine Gruppe von religiösen Fanatikern die eine grosse Aufmerksamkeit für sich verbuchen kann. Diese Fanatiker und Gewalttäter sind nicht der Mainstream des religiösen Judentums in Israel. Aber ihnen gilt das Medieninteresse. Wer Israel nicht kennt, kommt auf den Gedanken in diesen Fanatikern, die auch in der Orthodoxie isoliert sind, die Mehrheit der israelischen Bevölkerung zu sehen.
Das Problem, aufgebrochen in diesen Tagen, wird Israel noch lange beschäftigen. Eine endgültige Lösung sehe ich nicht. Zu massiv sind die anderen Probleme Israels, gerade aktuell wieder die atomare Bedrohung durch den Iran. Das Medieninteresse wird schnell verschwinden. Es ist wie immer. Irgendetwas wird schon hängen bleiben. Aber Israel lebt mit diesem Zustand des Medienkrieges schon seit seiner Gründung. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass dieser Krieg endet. Das hat weniger mit Interesse am Land Israel zu tun, als mit dem Bedürfnis Stereotype zu befriedigen.