Aufwachen = Angst

2. Mai 2012

Die Angst ist wieder da. Ich weiss nicht, wovor ich Angst habe. Es ist eine generalisierte Angst. Mein Kopf sagt mir das mich nichts bedroht. Trotzdem ist da die Angst schon beim Aufstehen. Angst, die sich körperlich bemerkbar macht. Magenschmerzen, Erstickungsgefühle, Schwitzen. Depressive Episoden und Angst kommen bei mir immer gemeinsam. Irgendwie scheint beides verwandt zu sein. Am liebsten würde ich im Bett bleiben und die Angst „wegschlafen“. Aber die Angst bleibt. Selbst im Schlaf. Besonders im Traum. Ich verstehe sehr gut, warum sich viele Angstpatienten umbringen. Natürlich habe ich auch immer wieder Gedanken an Suizid. Aber um die Gedanken in die Tat umzusetzen, bin ich zu religiös. Immerhin.


SPIEGEL WISSEN: Patient Seele

21. Februar 2012

Die neue Ausgabe von SPIEGEL WISSEN beschäftigt sich mit dem Thema: „Patient Seele“. Ein sicherlich interessantes Heft.


Keine Vermeidung

11. Februar 2012

Trotz einer ausgedehnten Phase von Angst und Panik, ausgelöst durch einen besonders schlimmen Traum, bin ich heute Abend zur Gottesdienstvorbereitung gegangen. Am liebsten wäre ich ja liegen geblieben. Aber ich weiß, dass es wichtig ist, nicht zu vermeiden. Auch wenn es schwer ist. Während der Zeit der aktiven Vorbereitung, im Zusammensein mit anderen, ging es mir gut. Jetzt, zu Hause, kommt die Angst wieder. Bauchschmerzen, Augenprobleme, Hitzewallungen. Das heisst für mich: Nicht vermeiden. Der Angst entgegentreten. Immer wieder neu. Das ist schwer. Aber nur so hat die Angst keine Chance die Kontrolle über mich zu gewinnen.


Beten

29. September 2011

Wenn ich traurig und ängstlich, hoffnungslos und entmutigt, bin hilft mir immer wieder das Gebet. Ich bete nicht nach vorgegebenen Texten. Mein Gebetbuch bleibt meistens verschlossen. Ich bete so, wie es aus mir herauskommt. Manchmal bricht es aus mir heraus. Manchmal weine ich beim Beten. Manchmal bin ich wütend. Aber nach dem Beten bin ich immer erleichtert. Ich darf meine Gefühle aussprechen und teilen. Natürlich sind die Probleme auch nach dem Gebet noch da. Aber ich kann vieles in einem anderen Licht sehen. Viele Menschen finden Beten sinnlos. Aber ich kann mir ein Leben ohne Gebet absolut nicht mehr vorstellen. Was sonst würde mir den Schmerz nehmen? Jeder Mensch hat die Fähigkeit zu beten. Kein Wort des Gebetes ist umsonst. Auch wenn sich die Welt nicht geändert hat. Als religiöser Mensch glaube ich das Gott mein Gebet annimmt und hört. Ich höre oft von Menschen das sie nicht beten können. Aber was ist das: Beten? Hat ein Mensch, ausser dem Beter selbst, das Recht Gebete zu bewerten? Ich glaube nicht. Und wie sollen Gebete bewertet werden? Als „gut“ oder „schlecht“? Als „sinnvoll“ oder „sinnlos“? Nein, ich denke jede/r soll so beten wie es ihm oder ihr am besten hilft. Es soll da keine Vorgaben geben. Ich jedenfalls würde jede Vorgabe in Sache Beten ablehnen. Mein Gebet ist meine eigene Sache. Aber ich weiss mich in Geist und Tat verbunden mit Menschen anderer Religionen und natürlich mit den Menschen meines Glaubens. Die Kraft des Gebetes kann nur erfahren, wer es probiert. Jetzt und hier. Ich wünsche Euch und mir viel Freude und viel Trost im Gebet.


Zwischen den Zeilen, in den Fluren

16. Juni 2011

Zwischen den Zeilen, in den Fluren

Also es gibt viele Menschen, die zwischen den Zeilen lesen können. Richtig. Ich war zwischenzeitlich mal wieder im Krankenhaus. Die seelische Last war so erdrückend das Ich ein paar Tage „Auszeit“ brauchte. In Institutsambulanzen geht so etwas ziemlich unkompliziert. Da kennen sich die Menschen. Da behandeln sich die Menschen als Menschen. Wenn gar nichts mehr geht, sollte der Mensch ins Krankenhaus gehen. Das ist jedenfalls meine bescheidene Meinung. Man wird dort übrigens nicht festgehalten. Psychiatrie hat nichts mit vergitterten Fenstern und willenlosen Patienten zu tun. Vielleicht war das früher einmal so. Heute ist die Psychiatrie eine ganz normale Station. Nicht mehr und nicht weniger.

In den Fluren. Also ich mag Krankenhausflure nicht sonderlich. Da ist alles steril. Sauber. Langweilig. Aber auf den Fluren können sich gute Gespräche ergeben. Auf den Fluren hängen die Tafeln mit den diensthabenden Ärzten und dem Programm des Tages. Es gibt verschiedenste Therapien für Patientinnen und Patienten, die dazu in der Lage sind. Ich war dazu nicht in der Lage. Dann gibt es „nur“ Gespräche. Einzeln. In Gruppen. Mit Arzt und ohne Arzt. Oft ist mir das Gespräch unter Betroffenen wichtiger.

Es war eine richtige Entscheidung freiwillig „auf die Station zu gehen“ bis die Medikamente wieder richtig eingestellt wurden und der Gedanken an einen Suizid wieder einmal überwinden ist.

Auf den Weg über die Flure kommt man auch an einer Kapelle vorbei. Da kann man verweilen, beten, nachdenken, weinen.

Vor einiger Zeit habe ich von einem Freund einen Rosenkranz aus Jerusalem geschenkt bekommen. Ein schönes Stück, das mir inzwischen unendlich wichtig geworden ist. Manchmal gibt es mir schon Hoffnung einfach nur das Holz zu berühren. Ein Holz der Erinnerung und der Hoffnung. Gerade in schlimmen Phasen. Gerade in der Müdigkeit.

Ich wünsche jedem Menschen so einen Gegenstand des Trostes und der Meditation. Das bringt weiter. Jeden Tag. Immer wieder.


DANKE für Euren Zuspruch

13. Januar 2011

Danke für die Anfragen der letzten Tage. Ich habe ein paar Tage lang nicht geschrieben, weil mir einfach die nötige Energie gefehlt hat. Neue Medikamente haben manchmal böse Nebenwirkungen. Bei mir sieht das so aus: Ich bin von morgens bis abends müde, müde, müde. Ausserdem ist mir übel und ich kann nicht lange am PC sitzen. Dann verschwimmen Bilder und Buchstaben. Es kann gut sein das dieser Zustand noch etwas andauert. Aber ich bin in guten Händen. Immer wieder werde ich mit tollen Ärztinnen und Ärzten belohnt. Wofür eigentlich? Also wenn es etwas ruhiger zugeht, wundert euch bitte nicht und vor allem: Macht euch keine Sorgen :-)


Lähmende Angst

12. Dezember 2010

Da war sie wieder. Eine massive, lähmende, Angst. Sie kam schnell und aus heiterem Himmel. Erst das Gefühl zu verbrennen. Feuer im ganzen Körper. Dann das Gefühl die Beine sacken weg, sind nicht mehr zu gebrauchen. Jetzt noch Zittern die Beine und mir ist wahnsinnig heiss. Nein. Ich habe keine „Angst vor der Angst“. Ich lebe nicht in der Erwartung ständiger Panikattacken. Diese Erwartung ist, dank sehr guter ärztlicher und therapeutischer Hilfe, wohl auch dank der Medikamente, praktisch nicht mehr vorhanden. Umso tiefer ist dann die Erschütterung durch die Angst. Was mir dann hilft, sind: Süssigkeiten, Süssigkeiten. Ich habe immer riesigen Hunger auf Süsses, wenn die Angst kommt. Ich habe gelernt, dass die Angst wieder geht und keinen körperlichen Schaden anrichtet. Schaden in der Seele richtet die Angst sehr wohl an. Es gab keinen Auslöser. „Generalisierte Angststörung“ nennt sich so etwas. Die letzten beiden Tage waren ruhig. Vielleicht zu ruhig. Manchmal habe ich das Gefühl auch Ruhe kann die Angst befördern. Nicht nur Überarbeitung. Der Schub ist vorbei. Mir ist nur noch ziemlich warm. Selbst wenn ich meinen Kopf, wie eben, aus dem Fenster hinausstrecke. Aber auch das geht vorbei.


Sichtweisen

30. Juni 2010

Gestern habe ich es mal wieder gespürt. Wir haben die Selbsthilfegruppe Angst/Panik gegründet. Es waren viele Betroffene anwesend. Die Stimmung war, wie nicht anders zu erwarten, gedrückt und „negativ“. Ich gebe zu das mir solche Stimmungen schwer fallen. Irgendwie habe ich mich schon ziemlich weit davon entfernt. Vielleicht einfach weil ich ganz viel Hilfe erfahren habe. Die „Argumente“ niemand hilft, Therapien bringen doch nichts usw. kann ich absolut nicht bestätigen. Inzwischen bin ich soweit Angst und Panik, auch Depression, nicht mehr negativ zu betrachten. So schlimm die „schwarzen Löcher“ sind – ich habe auch eine Menge gelernt. Über mich selbst, über mein Verhalten anderen gegenüber, über Abgrenzung und Zulassen. Ich habe gelernt auf meinen Körper zu hören. Ich habe gelernt anders mit Gefühlen umzugehen. Im Rückblick kann ich Angst, Panik und Depression als Lernerfahrung werten und zulassen. Auch die Erfahrung dass es unendlich viele offene Türen gibt hat mir geholfen und hilft mir. Mitten in der Depression hätte ich diese Sichtweise nicht haben können. Aber Depression ist nicht das Leben. Angst und Panik auch nicht. Es gibt immer Licht. Kein Tunnel ist endlos.


Selbsthilfe bei Angst und Panik

29. Juni 2010

Heute Abend werde ich meine zweite Selbsthilfegruppe gründen. Nachdem die Depressionsgruppe gut läuft geht es diesmal um Angst und Panik. Ich freue mich sehr darüber eine Gemeinde gefunden zu haben der es wichtig ist Selbsthilfegruppen einen geschützten Raum zu geben. Ich spüre bei jeder Sitzung dass es für die Betroffenen einfach wichtig ist sich auszutauschen und ein Netzwerk für Krisen zu haben. Dieses Bedürfnis habe nicht nur ich selbst. Die vielen Anfragen (auch zu Angst und Panik) zeigen das. Ich freue mich diesem Bedürfnis ein bisschen nachkommen zu können. Die Treffen der Selbsthilfegruppe sind auch für mich sehr spannend. Es gibt eine Menge zu lernen. Hilfe zur Selbsthilfe – das scheint mir mindestens so wichtig zu sein wie medikamentöse  Hilfe. Beides sollte zusammengreifen. Ich selbst brauche jedenfalls beides. Wenn ich mir diesem Bedürfnis anderen Menschen helfen kann freut mich das besonders.


Zusammenbrüche

1. April 2010

Im Moment habe ich eine ziemlich schwierige Phase durchzustehen. Immer wieder gibt es Zusammenbrüche. Bisher ist es immer gut und verletzungsfrei abgegangen. Der Blutdruck „schmiert immer wieder ab“. Das bei einem Blutdruck der ohnehin viel zu niedrig ist. Organisch lässt sich das nicht erklären. Eigentlich kann das Ganze nur seelische Ursachen haben. In den letzten Tagen gibt es wieder vermehrt schlimme Träume. Der Schlaf ist nicht gerade erholsam. Es kommt viel hoch das ich eigentlich in mir vergraben habe. Vermutlich ist das ein Zeichen für eine gute Therapie. Es soll ja gerade einiges wieder hochkommen was in mir vergraben war. Verdrängen bringt nichts. Es geht um verarbeiten. Auch wenn das bedeutet der eher schwere Zeiten komm en werden. Aber ich weiss um G“ttes schützende Hand. Es werden wieder hellere Zeiten kommen.


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