Avivi

29. März 2012

Es geschah in Rehovot. Sechs Mitglieder einer Familie, darunter 5 Kinder, sterben bei einem Feuer.

Es handelt sich um den 38-jährige Guy Shaer und seine fünf Kinder - Eliav, 11, Evyatar, 8, Amitai, 7, Shira, 3,und Itamar, 1.

Nur Avivi, die Frau und Mutter überlebt die Tragödie. Avivi hatte erst in der letzten Woche ihren Bruder verloren.

Die Nachbarschaft ist erschüttert und entsetzt. Der Bruder verlor den Kampf gegen den Krebs. Was soll man, nach einer solchen Tragödie, sagen? Wie kann man trösten?

Ein Mittel des Trostes ist das Gebet. Avivi weiss sich geborgen in einer Nachbarschaft, die nicht wegschaut, sondern hilft. Eine Nachbarschaft, die um das Seelenheil der Verstorbenen betet und die Avivi Kraft gibt. Kraft einfach durch die Tatsache der Solidarität.

Überhaupt stelle ich in Israel fest, das nicht weggeschaut wird. Es wird immer wieder hingeschaut und Solidarität ist nicht nur ein Wort. Solidarität ist tägliche Praxis. Solidarität in der Freude. Solidarität in der Trauer.

Vielleicht ist das ein Ergebnis der jahrzehntelangen Bedrohung des Landes. Man lernt, zusammenzustehen und aufeinander aufzupassen. Ich erfahre das immer wieder, wenn ich im Land bin. „Rufe an, wenn Du etwas brauchst“ ist keine Floskel. Das durfte ich schon oft erleben. So eine Solidarität, unter Nachbarn, Arbeitskollegen, Freunden würde ich mir in Deutschland auch wünschen.

Käme in Deutschland jemand auf den Gedanken, gemeinsam mit Avivi, zu beten?


Ökumenische Bibelwoche

21. März 2012

Gestern war ich zu Besuch bei einer Ökumenischen Bibelwoche. Im Laufe des Abends kam folgender Gedanke immer intensiver zum Vorschein: Es ist völlig, egal wo wir sind. Mit dem Gebet sind wir in Gottes Haus. Mit dem Gebet kommen wir, ein Stück weit, aus dem Kleinkrieg und der Bedrängnis unserer Umgebung heraus. Wir sind in einem ruhigen und sicheren Dialog mit Gott. Dieser Gedanke gefällt mir. Egal, wo wir sind. Die Aktion des Gebetes bringt uns näher zu Gott. Die Aktion des Gebetes bringt uns, wenn auch kurzzeitig, Kraft und Ruhe. Die Aktion des Gebetes bringt uns an einen sicheren Ort. Das ist auch meine Erfahrung. Ich bete weniger aus (und mit) vorgefertigten Texten. Ich bete eher so, wie es aus mir herauskommt. Ich bringe Gott alles da, was mich freut und was mich traurig macht. Ich weiss, dass in Gott ein treuer Zuhörer da ist. Ich weiss das weder Freude, noch Leid, bei der falschen Adresse ankommen. Ich weiss, dass ich immer und überall, beten kann und beten darf. Ich weiss auch, dass meine Gebetspraxis nicht unbedingt konfessionsgebunden ist. Ich finde das nicht wichtig. Gott ist da und er hört zu. Egal, welcher Konfession wir angehören. Gott, davon bin ich überzeugt, kommt es alleine auf den Menschen und auf sein Vertrauen an.


Ohne Worte

20. März 2012


Gott dienen mit Freude

12. März 2012

Manchmal bedaure ich ein wenig das geordnete Ablaufen der Gottesdienste. Wie wollen wir Gott dienen ? Ist es ein wirkliches Dienen, wenn der Ablauf der Gottesdienste immer gleich und geordnet ist ? Wäre es nicht auch möglich mit grösserer Freude Gott zu dienen ? Ist es kein sinnvolles Unterfangen fröhliche Musik mit Stille zu verbinden ?

Ich denke daran das bald wieder die Osterkerze angezündet wird. In „meiner“ Gemeinde beginnt der Gottesdienst ganz bewusst um 6 Uhr morgens. Man betritt eine komplett dunkle Kirche. Dann wird die Dunkelheit erhellt und die Orgel spielt. Das Dunkel der Passionszeit wird abgelöst durch das Licht der Osterzeit. Jesu Leiden, sein Tod, wird abgelöst durch die Auferstehung.

Ich glaube, jeder kennt Situationen und Zeiten in seinem Leben, in der das Dunkel durch ein strahlendes Licht abgelöst wurde. Deshalb brauchen wir auch keine Angst vor dem Dunkel zu haben. Das Licht kommt.

So sehe ich das auch mit der Fröhlichkeit und der Ruhe in den Gottesdiensten und in unserem Leben.

Kennen wir nicht alle Zeiten der Verzagtheit und der Trauer ? Kennen wir nicht den Zwischenraum zwischen dem Dunkel und der Freude ?

Kennen wir nicht von uns selbst das Bedürfnis nach Ruhe und nach Fröhlichkeit ? Beides ? Ich finde beides sollte in unserem ganz täglichen Dienst an Gott Platz finden. In Dienste unserer Herzen. Aber auch in der Praxis unseres Lebens.

Ich habe das Glück einer Gemeinde anzugehören, die ganz verschiedene Formen des Gottesdienstes zulässt. Von konventionell bis experimentell ist da alles möglich. Möglich, ohne sich in der Beliebigkeit zu verlieren. Gerade tätiges Handeln, in der Vorbereitung eines Gottesdienstes, ist das Gegenteil von Beliebigkeit.

Übrigens darf in den Gottesdiensten auch ruhig etwas schief gehen. Das ist absolut kein Beinbruch. Sondern eher ein Hinweis darauf, dass auch Laien einen Gottesdienst gestallten können. Schliesslich passieren auch den Profis Fehler aller Art. Gerade das macht die Gemeinschaft, die Kirche, die Synagoge, doch menschlich.

Gottesdienste, tiefgekühlt, ohne Menschlichkeit, brauche ich nicht. Lieber lasse ich mich auf die kreative Anstrengung einer Gottesdienstvorbereitung ein.

Freude und Stille.

Trauer und Licht.

Lebendigkeit.

Darum geht es.


Weltgebetstag mit Kindern

2. März 2012

Heute war der Weltgebetstag. Ökumene Live und in Farbe. Der Gottesdienst war wirklich toll. Viele Kinder waren daran beteiligt. Was gibt es Schöneres als ganz viele fröhliche und lachende und tanzende Kinder? Die Kinder hatten einen Schmetterlingstanz vorbereitet und mir ging das Herz auf als ich das Engagement und den Spass der Kinder gesehen habe. So etwas hat bekommt man in Kirchen, aber auch in Synagogen, sehr selten zu sehen. Vielleicht ändert sich dieser Zustand ja noch? Es scheint mir jedenfalls ein Indikator für unsere Gesellschaft zu sein, das Kinder so wenig auftauchen. An vielen Orten scheinen mir Kinder auch nicht unbedingt erwünscht zu sein. Davon sind weder Kirchen noch Synagogen ausgenommen. Es gab auch heute durchaus kritische Stimmen wegen der Unruhe (!) die Kinder in den sonst so ruhigen Gottesdienst bringen würden. Für mich ist diese „Unruhe“ eher Zukunftsmusik.


Wenn der Moschiach kommt

4. Februar 2012

Wenn der Moschiach kommt, beginnt eine neue Zeit. Mit dem Moschiach kommt nicht das Ende der Zeit. Mit dem Moschiach beginnt eine andere Zeit. Olam Haba. Die zukünftige Zeit. Das ist keine Drohung. Sondern eine Verheissung.

In der Olam Haba werden unsere Streitereien und unser Hass keine Bedeutung mehr haben. Alles, was uns am Boden festklebt, wird nicht mehr sein. Es werden keine Tränen mehr sein und es werden keine Worte mehr sein. Es wird kein Hunger mehr sein und es wird kein Durst mehr sein.

Es wird nur noch Licht sein und es wird nur noch das Wort G“ttes sein.

Wenn die zugemauerten Tore in Yeruschalayim, dem Yeruschalayim das dann wirklich heilig sein, von G“tt durchschritten werden, dann werden seine Kinder, von allen vier Enden der Welt, kommen und jubeln.

Yeruschalayim wird in heiligem Licht erstrahlen. Der Tempel wird wieder aufgebaut sein. Wir werden G“tt dienen. Mit ganzem Vermögen und Herzen und Willen. Nur noch G“tt dienen. Alles andere hat keine Bedeutung mehr. Dienen. Nur dem EINEN.

Lasst den Moschiach schnell kommen. Schnell und in unseren Tagen.

Damit die Schmach dieser Welt ein Ende findet.

Damit der Frieden kommt und die Tränen abgewischt werden.

Es wird kein Durst und kein Hunger mehr sein.

Nur noch die Worte G“ttes.

Alles andere hat seine Wichtigkeit verloren.


Ein Gebet für unsere Kranken

3. Februar 2012

Refuah Shlema. Ein Gebet für unsere Kranken. Ob Freunde, Angehörige, Nachbarn, Unbekannte. Ein Gebet bringt Segen. Ein Gebet zeigt Anteilnahme. Refuah Shlema.


Warten, Warten

22. Januar 2012

Erinnert ihr euch an das Ende von Moses? Moses hat das jüdische Volk durch die Wüste geführt. 40 Jahre lang. Aber Mose durfte das Gelobte Land nicht betreten. Er hat das Gelobte Land gesehen. Er durfte aber den Zug seines Volkes in die Freiheit nicht anführen. Ist das nicht schrecklich?

Es ist vermessen. Aber manchmal fühle ich mich wie Mose. Ich will ins Gelobte Land und darf nicht. Warten. Warten. Wann kommt der Messias? Das jüdische Volk wartet auf den Messias. Seit Jahrtausenden beten wir darum, dass der Messias kommen möge. Noch in unseren Tagen.

Manchmal ist das Gebet wie Honig. Wenn ich mir vorstelle, dass der Messias kommt und eine bessere Zeit anbricht.

Manchmal ist das Gebet wie in Stachel. In Zeiten der Zweifel und der Verzweiflung. Wie lange müssen wir noch warten?

Aber diese Frage ist unangemessen.

Es heisst, Geduld zu haben.

Es heisst, Vertrauen zu haben.

Es ist nicht an uns das Kommen des Messias zu beschleunigen.

Was bleibt ist die Zuversicht.

Meistens ist der Honig im Vorteil.

Meistens.


Spottet nur !

26. Dezember 2011

Oh ja – spottet nur über meine Sehnsucht nach dem Messias. Spottet nur über meinen Glauben. Ihr tut mir wirklich leid. Ist das Leben nicht traurig ohne den Glauben an Gott? Ist das Leben nicht dunkel ohne das Licht der göttlichen Verheissung? Ich kann euren Spott so gut verstehen. Es ist der Spott einer Verzweiflung. Und ich verstehe diese Verzweiflung. Wie verzweifelt muss ein Leben ohne das Wort Gottes sein? Wie verzweifelt muss ein Leben ohne die feste Überzeugung sein, nie tiefer als in Gottes Hand fallen zu können? Ich bete für Euch. Ich bete darum, dass ihr nicht den Boden unter den Füssen verliert und, vielleicht im letzten Moment, das göttliche Licht seht. Amen.


Vom Wert der Nahrung

15. Dezember 2011

Es macht mich, nicht nur vor Weihnachten, nachdenklich, mit welcher Unvernunft in Deutschland mit Nahrungsmitteln umgegangen werden. Da zählt nicht mehr das Produkt aus Gottes Garten, da zählt nicht mehr das Brot, die Kartoffel, der Reis. Wichtig ist das Lebensmittel preiswert und immer zu haben sind. Was auf der Strecke bleibt, ist die Ehrfurcht und die Dankbarkeit dafür, dass Gottes Liebe uns nicht hungern lässt. Hier ist die Rede von stofflicher Nahrung für den Magen. Ob wir spirituell, im Intellekt, hungern, und wie wir diese Art von Hunger stillen können, ist nicht Thema dieses Beitrages.

Das Ergebnis dieser Jagd, nach billigen Lebensmittel, ist nicht nur Dummheit im Herzen. Das Ergebnis ist auch die Nichtachtung der Dinge, die wir essen. Sind die weitverbreiteten Herz/Kreislauferkrankungen ein Zufall? Ist die verbreitete Fettleibigkeit ein Zufall? Hat das wirklich gar nichts damit zu tun, dass wir für unsere Lebensmittel nicht mehr dankbar sind und das wir Gott nicht mehr für unser Essen loben? Wo werden noch Tischgebete gesprochen? Wo wird das Essen mit Segenssprüchen (Brachot) geheiligt?

Wir heiligen unser Essen nicht. Wir werfen unser Essen weg. In Massen. Tonnenweise. Dafür hungern Menschen in anderen Ländern. Aber auch in unserem Land gibt es Menschen, die hungern. Wie kann Gott das zulassen? Gibt es eine Erklärung?

Vielleicht hofft Gott auf die Einsicht seiner Geschöpfe?

Was können wir, ganz konkret, tun?

Ich denke wir können Essen wirklich geniessen. Es geht nicht um herunterschlingen. Ärzte sagen das viele Menschen in den Industrieländern vergessen haben zu kauen. Langsam zu essen. Durch die immer gleiche Weichheit der Industrieprodukte (Essen muss schliesslich bequem sein – oder?) haben wohl viele Menschen vergessen das Lebensmittel auch hart sein dürfen. Wozu hat uns Gott mit Zähnen versorgt?

Was wir noch tun können: Ein Gebet sprechen. Vor dem Essen oder nach dem Essen. Einen Segensspruch sprechen. Man glaubt gar nicht, wie gut das tut. Man glaubt gar nicht, wie genussvoll essen werden kann.

Tischgebete und Segenssprüche sind Nahrung für die Seele. Sie geben dem Essen als Vorgang einen anderen Wert. Essen, die Nahrungsmittel, werden mit jedem Segensspruch wertvoller für den Geist. Jede Mahlzeit als Ganzes wird durch jedes Tischgebet zu einer Mahlzeit mit Gott.

Gibt es etwas Schöneres?


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