Was aendert sich ?

30 June 2008 at 17:16 | In Gijur | 3 Comments

was aendert sich im leben nach dem letzten termin beim beth din ?

rein paktisch erst einmal nicht viel.

es gibt einige dinge in der liturgie die nichtjuden verboten sind. zum beispiel aus der thora zu lesen. die frage ob die thora von nichtjuden beruehrt werden darf ist dagegen umstritten. in “meiner” schul darf sie beruehrt werden.

genau so wie es gaesten erlaubt ist am sederabend teilzunehmen. auch zu dieser frage gibt es verschiedene meinungen. ich hoerte von gemeinden wo gaesten die teilnahme am seder verwehrt ist. genau so gibt es wohl synagogen  wo der rabbiner im zweifelsfall entscheidet. ich hatte nie probleme in dieser frage. spaetestens seit dem beginn der konvertierungsklasse war es keine frage das ich an allen festen, trauertagen und sonstigen ereignissen teilnehmen kann.

ueberhaupt habe ich die erfahrung gemacht von den mitbeterInnen als dazugehoerig empfunden zu werden. es gab schlicht keine negativen signale. die beiden rabbiner die ich erleben durfte waren (sind) offen und herzlich, auch der vorstand der gemeinde. wer dieses glueck hat kann sagen einen teil des weges schon zurueckgelegt zu haben.

in den g”ttesdiensten selbst fragt ohnehin niemand. es gibt eine erste phase des kennenlernens. das ist aber eher neugierde. ich habe nie die spur von ablehnung gespuert. wenn man dann regelmaessig in die schul kommt ist man einer unter vielen. gut, etwas uebertrieben. man ist einer von zu wenigen. es sind immer zu wenige. wobei meine schul zu den gluecklichen gehoert. man bekommt immer einen minjan zusammen. auch das ist wohl nicht selbstverstaendlich.

irgendwann - wenn man sich theoretisch und praktisch mit dem judentum auseinandersetzt aendert sich das leben. ganz langsam. aber stetig. ich habe irgendwann angefangen den schabbat zu halten, habe angefangen kaschrut (so gut wie moeglich) zu halten, habe gelernt was die juedischen feiertage sind, welchen sinn die feiertage haben, welche vortschriften es gibt.

es ist wichtig dies alles in der theorie zu wissen und praktisch zu leben. nur theorie reicht genau so wenig wie nur praxis. beides gehoert zusammen. der juedische kalender ist nur mit anderen juedischen menschen zusammen zu leben.

judentum ist eine religion die viel wert auf gemeinschaft legt. ein gutes beispiel ist die praxis der jeshiva. hier lernt der schueler nicht alleine. es wird immer zu zweit gelernt. so kommen diskussionen zustande, fragen werden gestellt.

eine andere form des lernens ist der lehrvortrag durch den rabbiner. auch schiur genannt. unser rabbiner moechte unterbrochen werden wenn fragen, kommentare auftauchen. so ist der schiur nie langweilig. ganz im gegenteil: er ist sehr lebhaft.

man lernt also zugehoerigkeit im gijur. das ist eine grundlage. man lernt es sich wissen anzueignen, das wissen zu sortieren und zu bewerten. man lernt die halacha (das juedische gesetz) kennen, ebenso wie die grundlegenden schriftwerke. natuerlich ist dies alles nur ein abriss. niemand kann wohl von sich sagen die schriftwerke wirklich verstanden zu haben. schliesslich werden die gleichen fragen seit ueber 2000 jahren diskutiert. es geht darum am ozean des wissens zu stehen. ein klein wenig aufzunehmen. im bewusstsein nur ein mensch mit allen schwaechen, fehlern und grenzen zu sein.

was aendert sich also nach dem letzten termin beim beth din, nach der mikve, bei maennlichen konvertiten nach der beschneidung ?

ich habe einige “jews by choice” gefragt. die meisten antworteten das sich im alltaeglichen leben eigentlich nichts aendert. weil man nicht bei null anfaengt. sondern schon laengst teil des ganzen ist, teil von am israel (dem volk israel) ist.

die umgebung bleibt die gleiche, die arbeit die gleiche, auch die sorgen verschwinden nicht. wenn man glueck hat bleibt der freundeskreis erhalten.

es ist einfach so das eine sache zum abschluss zu gebracht wird.

der weg ist nicht zu ende. eine wegmarke ist erreicht.  mehr nicht. der weg geht weiter, das lernen ist eine lebenslange sache.

die sprache: es ist zwar schoen hebraeisch zu sprechen. aber es ist keine unbedingte voraussetzung fuer den gijur. an dieser frage scheitert ein gijur selten wenn  der rabbiner (und das beth din) ansonsten den festen und ernsten willen zum gijur erkennen koennen. es gibt alle texte in uebersetzung. man soll sogar die uebersetzungen verwenden wenn das hebraeisch zum verstaendnis der texte nicht reicht. ich habe gelernt das es nicht wichtig ist in welcher sprache man betet. wichtig ist das verstaendnis der texte.

es gibt menschen die gijur machen um nach israel auszuwandern. als juden in einem juedischen staat zu leben. ich denke das ist eine absolut legitime begruendung um gijur zu machen. man sollte wissen das der gijur in diesem falle orthodox sein muss um vom obersten rabbinat anerkannt zu werden. ich bin mir nicht sicher. aber ich hoerte einmal es gaebe ein gerichtliches urteil in israel das alle formen des gijur gleichstellt. somit waere es moeglich den gijur einzuklagen und so eine aufenthaltserlaubnis in israel zu bekommen. ich bin mir aber nicht sicher in dieser frage. vielleicht koennen israelische leserInnen da weiterhelfen ! ?

 

Seelenwanderung

4 June 2008 at 18:46 | In Gijur | 1 Comment

eine theorie zum gijur ist das die verlorenen seelen zurueck nach hause finden. zurueck zum stamm israel. zurueck zum berg sinai. diese seelen haben sich zwischendurch verlaufen, haben einen anderen, einen falschen, weg gewaehlt. mit dem gijur kommen die seelen wieder auf den richtigen weg zurueck. zurueck zum volk israel, zurueck zur thora. mir geht es in letzter zeit oft so das ich mit dem gefuehl lebe nach hause zu kommen. vielleicht zum ersten mal. vorher konnte ich mit “zuhause” nichts verbinden. nun habe ich eine vorstellung davon was “zuhause” sein koennte. wobei es nicht so sein sollte das der proselyt sich zu sehr eingewoehnt, zu sehr zuhause fuehlt. das ziel ist nicht bequemlichkeit. schon gar nicht bequemlichkeit des denkens. das ziel ist das judentum, die thora, das volk israel, kraftvoll und engagiert zu dem seinen zu erklaeren. das ist etwas anderes als bequemlichkeit. das bedeutet immer wieder neu zu pruefen, gewissheiten zu vergessen, gewohnheiten aufzugeben. das ist eine spannende, manchmal auf anstrengende, taetigkeit. gelegenheit hat man das gefuehl wie der prophet durch die wueste zu laufen. aber gerade in der einsamkeit, im einfachen, abseits der sinnentleerten ueberflussgesellschaft, abseits der uebersaettigten saekularitaet ist freude, ist leben zu entdecken. mit viel glueck entdeckt man verwandte seelen. nach hause kommen ?

Antwort auf Dirk

18 May 2008 at 17:57 | In Gijur | 6 Comments

ich bin zwar nicht anna. der kommentar hat sich wohl verlaufen. trotzdem moechte ich ein paar worte zu diesem kommentar sagen.

hallo anna,

meinst du wirklich im zu konvertieren muss man einen juden kennen,oder regelmässig in die synagoge gegangen sein?!
es reicht wohl aus,um diesen entschluss zu fassen gijur oder nicht,einfach seiner inneren stimme zu folgen.dann spielt es auch keine rolle,ob man drei,oder hundert mal abgelehnt wird vom rabbi und wenn man über bücher den weg zum judentum findet ist das auch nicht schlecht,denn wissen kommt aus büchern-woher auch sonst!?

gruss,ein solcher typ!

also zunaechst mal ganz formal: konvertieren kann man nur in juedischen gemeinden. nicht zuhause mit einem buch in der hand. um zu konvertieren braucht es einen rabbiner der bereit ist den gijur zu begleiten und schliesslich ein beit din das bereit ist den kandidaten zu pruefen. ohne rabbiner und beit din ist ein gijur nicht moeglich.

ich halte es fuer eine unsinnige idee juedisches leben nur aus buechern zu kennen. natuerlich ist wissen aus buechern absolut notwendig. aber wenn das wissen nicht mit dem unmittelbaren erleben in einer juedischen gemeinde zusammengeht hat es wenig praktischen wert.

meinst du wirklich im zu konvertieren muss man einen juden kennen,oder regelmässig in die synagoge gegangen sein?!

ich finde diese worte ziemlich ueberheblich und der sache unangemessen. nach dem motto: “wozu brauche ich juden wenn ich jude werden will ? die sind doch voellig ueberfluessig. ich mache mein ding und brauche niemanden dazu. schon gar nicht jemanden der vielleicht grenzen aufzeigt oder etwas fordert.” wenn man so denkt kann man natuerlich in die innere emigration gehen. nur juedische gemeinde sollte man von seiner anwesenheit verschonen. entweder man ist bereit das neue anzunehmen, zu pruefen und ein stueck weit zu leben. oder man laesst es bleiben. das heisst nicht alles annehmen zu muessen. es heisst nur die bereitschaft mitzubringen offen zu sein fuer neues.

wie soll man eigentlich juedisches leben verstehen ohne regelmaessig die synagoge zu besuchen ? die synagoge ist nun mal ein kernstueck juedischen lebens. um den jahreskreis des juedischen kalenders praktisch (und theoretisch) zu verstehen ist es noetig die feste, die trauertage, die fastentage in der gemeinschaft mit anderen juden zu erleben. ich kann sagen das mein verstaendnis fuer den juedischen kalender erst vollstaendig ist seitdem ich regelmaessig in der synagoge bin. theoretisches wissen alleine reicht nicht. theoretisches wissen muss mit der praktischen komponente zusammengefuehrt werden.  

auch treten bei mir immer wieder fragen im ganz alltaeglichen (juedischen) leben auf. da ist es gut zu wissen das der rabbiner mit rat und tat zur seite steht. das ist die bessere alternative zu buechern. ganz abgesehen davon das der rabbiner und seine frau in schweren stunden schlicht da sind. ein rabbiner ist auch ein stueck weit seelsorger.

dann spielt es auch keine rolle,ob man drei,oder hundert mal abgelehnt wird vom rabbi

wenn der rabbiner einen kandidaten ablehnt hat er sicherlich gute gruende dafuer. wenn du dem rabbiner natuerlich so kommst wie in deinem komentar habe ich vollstes verstaendnis dafuer das er dich ablehnt.

ansonsten ist das mit dem “drei mal ablehnen” reine theorie. es heisst zwar das es normal waere vom rabbiner drei mal abgelehnt zu werden. es gibt aber auch andere faelle. bevor der rabbiner einen kandidaten zum gijur annimmt muss er sich 100% sicher sein das der kandidat es ernst meint. der gijur ist kein einfacher prozess. es ist muehsam sich im “neuen leben” einzufinden. der rabbiner hat die pflicht darauf hinzuweisen bevor er jemanden zum gijur annimmt. das ist der sinn der ablehnung von gijur kandidaten.

wenn man über bücher den weg zum judentum findet ist das auch nicht schlecht

das stimmt. buecher sind ein guter weg zum judentum zu finden. aber ohne praxis hat das gelernte keinen wert. buecher sind wegweiser. nicht mehr. den wirklichen weg des gijur geht man in der gemeinde, im erleben des praktischen juedischen lebens.

denn wissen kommt aus büchern-woher auch sonst!?

wissen kommt eben nicht nur aus buechern. wissen kommt aus gespraechen. mit mitgliedern der gemeinde, mit dem rabbiner. und durch den schiur. ich lerne bei jedem schiur etwas. allerdings hat die teilnahme am schiur nur sinn wenn man lernen will. der inbegriff juedischen lebens, die jeshiva, ist etwas ganz anderes als mit einem buch alleine zu sein. die schueler einer jeshiva lernen immer zu zweit. sie lernen in der diskussion. um zu lernen muss man fragen. das ist keine neue erkenntnis.

 

 

 

Freunde und Gijur

9 April 2008 at 17:25 | In Gijur | 1 Comment

eine frage die mir immer wieder gestellt wird lautet in etwa so: “hat sich dein freundeskreis durch den gijur veraendert, erweitert, verkleinert ?”

also erst einmal dieses: mein engagement fuer israel kam vor dem entschluss zum gijur. natuerlich bin ich mit diesem einsatz fuer israel schon sehr oft vor waende gelaufen, freundschaften sind daran zerbrochen. aber es ist in ordnung. ich bin immer fuer die klare kante. wer das nicht vertragen kann ist bei mir fehl am platze. konfliktfaehigkeit ist ein von mir sehr hoch geschaetztes gut. das manche leute sich dann lieber zurueckziehen weil sie mit der klaren kante und/oder dem konflikt nicht leben koennen liegt in der natur der sache. ich nehme es jedenfalls billigend in kauf.

ueberhaupt bin ich mit dem begriff “freunde” sehr vorsichtig. wirklich als freunde wuerde ich vielleicht eine handvoll menschen bezeichnen die ich zum groessten teil schon sehr lange kenne. diese freundschaften haben schon das auf und ab erlebt und haben dem standgehalten. an die stelle der betonung des wertes von freundschaften ist das wissen um die verlaesslichkeit des anderen getreten. mit zwei freundinnen hatte ich am anfang einen super heftigen streit, alle dachten schon “die reden nie mehr miteinander”. es ist ganz anders gekommen. gerade auf die beiden kann ich mich heute blind verlassen und das beruht auf gegenseitigkeit. konfliktfaehigkeit eben.

dieser kleiner kreis von freunden, die auch zu vertrauten geworden sind, hat sich durch den gijur nicht veraendert. ich habe mich zwar veraendert. aber diese veraenderung wurde von den freunden kritisch begleitet, mit nachfragen, kritik, hinterfragen, aber auch viel ermutigung.

die anderen “kontakte” sind schon lange vorher zerbrochen und ich trauere dem auch nicht nach. im lichte der sonne wollen viele menschen freunde sein. in der dunkelheit von zweifel und not zeigt sich dann wer wirklich freund ist und von wem man fallengelassen wird. diese erkenntnis war manchmal nicht einfach. aber sie war wichtig.

durch den gijur habe ich natuerlich viele menschen kennengelernt, rabbiner und laien. die rabbiner koennen aber keine freunde werden, der respekt vor dem amt und der person des rabbiners spricht dagegen. hoefliche foermlichkeit ist angesagt und ich bin auch sehr dankar dafuer. wirklich guter rat laesst sich am besten von aussen geben, lernen funktioniert am besten ohne die gewoehnung an die gewoehnlichkeit. das ist meine bescheidene, unwichtige erfahrung. fuer mich sind meine rabbiner vor allem lehrer. und ich bin so altmodisch diesen lehrern mit respekt zu begegnen.

an anderer stelle in diesem tagebuch habe ich geschrieben das ich nie ein kumpeltyp sein wollte. ich war es auch nie. ich habe gelernt applaus und worten zu misstrauen. das erspart einiges an enttaeuschung.

also zusammengefasst: da mein wirklicher freundeskreis auch vor dem gijur nicht sehr gross war hat dieser kreis sich durch den gijur auch nicht veraendert.

ich habe einige neue perspektiven gewonnen. die menschen bleiben die gleichen. hoffentlich.

Der Anfang

29 March 2008 at 20:03 | In Gijur | No Comments

ich bekomme immer wieder mails von menschen die gerne zum judentum uebertreten wollen aber nicht wissen wie sie anfangen sollen.

also hier ist meine antwort (hoffentlich nicht zu lang):

ich denke das wichtigste ist erst einmal sich eine juedische gemeinde in der umgebung zu suchen.

“theoretisches wissen” ueber das judentum ist sehr wichtig. allerdings kann theorie alleine die praxis nicht ersetzen. es ist - nach meiner bescheidenen ansicht - wichtig die praxis in der schul mitzuerleben, am besten einen ganzen jahreskreis des juedischen kalenders, um das wissen mit dem gefuehl zu verbinden.

ich denke juedisches leben laesst sich ohne das gefuehl fuer die praxis nicht leben.

ausserdem ist es spannend die theorie sozusagen in der praxis aufgehen zu sehen. es ist spannend zu sehen wie das theoretisch gelernte praktisch aussieht. wo es gemeinsamkeiten gibt, aber auch unterschiede.

lasst euch nicht davon abschrecken wenn die mitglieder der gemeinde am anfang etwas reserviert sind. das ist normal. nicht immer wurden/werden in den gemeinden nur gute erfahrungen mit konvertiten gemacht.

unter uns gesagt: ist es nicht komisch das ein mensch den wunsch verspuert “juedisch zu werden”, das ganze joch der gebote auf sich zu nehmen ? und das auch noch frewillig ? ist doch eigentlich ein fall fuer den arzt - oder ?

nun, so ist es natuerlich nicht. es gibt genug gute gruende konvertieren zu wollen. familiaere gruende (heirat), die feststellung g”tt zum leben zu brauchen, aber im christentum nichts zu finden was eine verbindung zu g”tt aufweist, die verbindung mit israel (volk, land, thora).

ich will keinen dieser gruende bewerten, das steht mir nicht zu.

nach einer gewissen zeit ergeben sich kontakte zu einigen mitgliedern der gemeinde. das kann bei unsicherheiten oder fragen sehr wichtig sein, ist aber auch menschlich bereichernd.

nach einer gewissen zeit, aber nicht zu frueh, kann man den rabbiner um ein gespraech bitten und auf den wunsch nach dem uebertritt zum judentum ansprechen. ich bin der meinung das der termin beim rabbiner fruehestens nach einem jahreskreis (juedisches jahr) erfolgen soll. die rabbiner wollen im allgemeinen erst einmal sehen wie ernst das interesse ist. diese ernsthaftigkeit laesst sich unter anderem auch durch den regelmaessigen besuch in der schul ablesen.

vor dem gespraech sollte man sich nicht “verrueckt machen”, es gibt ueberhaupt keinen grund dazu.

beim gespraech sollte man versuchen sich nicht zu verstellen (es nuetzt ohnehin nichts) und das ganze einfach nur als gegenseitiges kennenlernen ansehen.

wenn der rabbiner den wunsch nach gijur ablehnt ist es kein schlechtes zeichen. es gibt die theoretische meinung das der konvertit drei mal abgelehnt werden soll bevor seinem anliegen stattgegeben wird. das ist aber theorie. es kann so sein, in vielen faellen ist es nicht so.

wenn der rabbiner dem anliegen des gijur zustimmt, d.h. den kandidaten zum uebertritt annimmt und auch beim rabbinat anmeldet beginnt die phase des lernens.

mit glueck gibt es eine konvertierungsklasse. wenn es keine solche klasse gibt hat der rabbiner vorschlaege was gelesen werden soll.

dann ist der kandidat mitten im “prozess”. das leben in der schul wird vertraut, die emotionale bindung ans judentum waechst. es kommt fast automatisch. irgendwann fuehlt der mensch wo er hingehoert, das er zu einem groesseren ganzen gehoert, zu einer religion und einer nation.

doch kein mensch lernt aus: ich lerne bei jedem schiur (unterricht beim rabbiner) dazu, mit jedem buch das ich lese.

es ist auch nichts dagegen einzuwenden andere gemeinde oder andere schiurim zu besuchen.

ich finde es immer spannend andere gemeinden zu sehen, andere rabbiner kennenzulernen, an deren unterricht teilzunehmen. es ist aber sinnvoll sich sozusagen “einen festen standort” zu suchen.

das alles sind nur mosaiksteine. judentum ist vor allem eines: pluralitaet. zunehmend auch in deutschland. auch wenn deutschland nicht mit den facetten juedischen lebens in israel oder den usa vergleichbar ist.

aber das waere stoff genug fuer einen eigenen beitrag.

Interessante Meinung

17 March 2008 at 18:20 | In Gijur, Schiur | No Comments

diesen gedanken habe ich im schiur gehoert !

bevor dem juedischen volk die thora am berg sinai uebermittelt wurde hat g”tt die thora den anderen voelkern angeboten. die mehrheit der anderen voelker hat die thora abgelehnt. die minderheit der anderen voelker gehoert deshalb dem juedischen volk an und diese zugehoerigkeit wird von generation zu generation weitergetragen. die heutigen konvertiten sind nachfolger dieser minderheit, gehoerten also schon immer zum juedischen volk.

interessanter gedanke, oder ?

warum hat die mehrheit der anderen voelker die thora abgelehnt ? wegen der 613 gebote die eine last darstellen koennen. wenn ein religioeser mensch sich entschliesst saekular zu leben sagen die rabbiner: “er wirft das joch der gebote ab”.

das juedische volk hat auf dem berg sinai entschieden das joch der gebote zu tragen, die thora anzunehmen.

und die minderheit der anderen voelker hat die gleiche entscheidung getroffen, unabhaengig vom geschehen auf dem berg sinai. gijur als familienzusammenfuehrung sozusagen. ein interessanter gedanke. der hacken der geschichte: es ergibt nur dann sinn wenn der konvertit ein religioeses leben fuehrt und die thora damit annimmt. lebt er saekular klappt das mit der familienzusammenfuehrung nicht.

Interessanter Beitrag zum Gijur

2 March 2008 at 11:06 | In Gijur | No Comments

Die Proselytenfrage und der Weg zum Judentum

Ueber den Sinn von Geboten

30 January 2008 at 16:54 | In Gedanken, Gijur | No Comments

wenn mensch zum judentum konvertiert muss er viel lernen. ein lehrbuch fuer den gijur heisst “juedisches leben” von rabbiner chajim halevy donin. es gibt wohl kaum ein buch aus dem ich so viel gelernt habe wie aus diesem. es geht in diesem buch um die grundlagen juedischen glaubens, den “jewish way of life”, ein kapitel behandelt die halacha und ein weiteres “die gruende fuer die gebote”.

die frage warum gebote zu beachten sind hat viele bedeutende rabbiner aus verschiedenen epochen beschaeftigt.

eine erklaerung ist das system von lohn und strafe. eine erklaerung die mehr sehr wichtig erscheint (das war am anfang des gijur nicht so) ist das gebote, regeln und auch symbole dazu beitragen koennen eine gemeinschaft zusammenzuhalten. gerade eine gemeinschaft die ueber alle kontinente verstreut ist.

das taegliche gebet, das kaddisch, die beachtung des schabbat, das feiern der juedischen feiertage und das trauern an den trauertagen. aber auch alltaegliche gebote wie die achtung vor vater uns mutter, auch das helfen aelterer menschen sind gebote die ein volk zusammenhalten koennen.

die gebetsordnung ist eben keine zufaellige, die festtage liegen nicht zufaellig im juedischen kalender verstreut sondern haben ihren hintergrund. einige feste waren erntefeste, an purium erinnert man sich an die rettung des juedischen volkes (ich werde die geschichte erzaehlen wenn es so weit ist), an pessach erinnern wir uns an den auszug aus aegypten, ein fest das die freude ueber die freiheit mit der verantwortung der freiheit vereint. freiheit ohne verantwortung gibt es nicht. beides bedingt einander. das weiss ein volks sehr gut das lange zeit in unfreiheit gelebt hat und auch heute noch bedroht ist. an tisch be aw gedenken wir der zerstoerung des zweiten tempels. es ist ein fastentag. wir sollten auch die vorgeschichte der zerstoerung bedenken. wir koennten daraus fuer unser leben in der heutigen zeit lernen. ich sehe mich bei denen welche die errichtung des dritten tempels ersehnen, nicht “nur” in der liturgie.

mein lieblingsgebot ist allerdings die nacht vor schavuoth durchzulernen. es ist gebot in dieser nacht nicht zu schlafen, sondern zu lernen. in jerusalem gehen glaeubige juden an die westmauer um zu beten, zu feiern und zu lernen. an diesem tag wurde dem juedischen volk die thora offenbart. von g”tt auf dem berg sinai. ein wunderbares bild. es troestet mich ueber manchen schmerz und einige verzweiflung hinweg.

es gibt also verschiedene gruende fuer die gebote. gebote sind manchmal ein joch, manchmal eine freude. vieles macht man mit der zeit automatisch, ohne viel nachzudenken. gerade in schlechten zeiten koennen gebote aber auch ein troestlichen, ganz konkretes zeichen fuer zugehoerigkeit sein.

ich haette das frueher auch nicht verstanden, es brauchte eine krankheit, eine tiefe angst und verzweiflung um den weg zum judentrum zu finden. wie bei so vielen war es ein wendepunkt im leben. krankheit, verzweiflung und angst haben fuer mich nicht nur negative aspekte. dies alles kann auch eine chance sein. mir haben sie den weg gewiesen. ein licht am ende des tunnels. der tunnel, das dunkel ist noch immer da und wird nicht verschwinden. das waere auch nicht wuenschenswert denn man sieht nur licht wenn man die dunkelheit kennt. man kann den sinn der gebote nur verstehen und akzeptieren wenn man sich zugehoerig fuehlt.

Gijur als Rebellion

24 November 2007 at 18:44 | In Gijur | No Comments

ein spannendes thema. gijur als rebellion gegen das elternhaus, gegen die gesellschaft ?

bei mir war es nicht so. die intensive beschaeftigung und schliesslich abwendung vom christentum hat mich in die schul gefuehrt. das wissen nicht ohne g”tt, nicht ohne religion leben zu koennen. ohne praktizierte religion. ich war jahrelang nicht praktiziernder christ, habe mich aber mit den wurzeln des christentums auseinander gesetzt. und die wurzel des christentums ist nun einmal das judentum. auch wenn viele christen das nicht mehr wahrhaben wollen. viele, nicht alle. natuerlich gibt es auch die anderen, die sich fuer israel engagieren. man darf nicht verallgemeinern. vor allem weil religion immer viel mit gefuehl zu tun hat.

es ist mein ganz eigener weg. und natuerlich akzeptirere ist auch andere wege. ich habe viele nicht juedische freunde, wunderbare menschen. es ist kein problem. jeder soll seinen weg gehen.

Gijur und Gruppe

18 November 2007 at 22:11 | In Gijur | No Comments

ein beliebtes vorurteil gegenueber konvertiten ist das sie ihr eigenes gehirn beim rabbiner vergessen haben.

das nur noch die gruppe, der rabbiner und deren meinung zaehlt.

also ich bestreite das hartnaeckig. erst mal habe ich keinen rabbiner der so etwas von mir verlangen wuerde, aber es ist auch nicht im sinne des erfinders.

gijur ist in erster linie LERNEN. um den eigenen weg zu finden. den eigenen weg finden ohne wissen zu haben duerfte aber schwierig sein. also lernt man letztendlich fuer sich ganz alleine. um den eigenen weg zu finden und zu begehen.

ich habe nie gehoert “das muss so sein”. es gibt im praktizierten judentum unendlich viele stroemungen, unendlich viele braeuche, unendlich viele praktiken. die muss man kennen, leben. erst dann kann der konvertit entscheiden was er fuer sich annimmt oder nicht.

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