Der Grenzgaenger will (wieder) nach Israel
9 January 2008 at 18:51 | In Grenzgaenge | No Commentsliebe leute,
der grenzgaenger hat wieder sehnsucht nach israel *welch wunder*
diese reise ist auch eine kleine belohnung fuer mich, ein “positives ziel” um es mit meiner aerztin zu sagen. und sie hat ja recht. bis dahin wird es wohl noch viele untersuchungen, schmerzen und traenen geben. gerade deshalb ist es wichtig sich ein ziel zu setzen.
und was soll schon mein ziel sein ?
ich habe fuer meine reise den zeitraum vom 27. april - 11. mai 2008 gewaehlt. in diese zeit fallen jom ha schoa, jom ha sikaron und yom ha atzmaut. yom ha sikaron (den gedenktag fuer die opfer von krieg und terror) will ich tief im norden in einen kibbutz verbringen, jom ha atzmaut mitten in tel aviv.
uffff, jetzt wo das datum steht geht es mir gleich besser.
liebe gruesse,
euer grenzgaenger
Die Schul und der Grenzgaenger
7 January 2008 at 16:38 | In Bilder, Grenzgaenge, Schul | 3 Commentsein langes thema. erst einmal: warum “schul” und nicht “synagoge” ?
ich mag den begriff “synagoge” nicht sonderlich, es ist ein griechischer begriff, befrachtet mit vielen unangenehmen erinnerungen.
“synagoge” geht zurueck auf das griechische wort fuer “sich versammeln”.
wer eine schul kennt weiss aber das man sich dort nicht nur versammelt. zum beispiel zum gebet. die schul ist auch ein ort zum lernen (eine zentrale bedeutung). die schul ist ein ort der diskussion, der freude, der trauer. ein ort an dem freundschaften entstehen und manchmal auch zerbrechen.
die schul ist ein ort an dem quellen gezeigt werden: quellen des judentums, des juedischen lernens.
die thora ist eine solche quelle, der unterricht nennt sich “schiur”, ein unterricht nicht (nur) fuer kinder, sondern (vor allem) fuer erwachsene.
es werden aber aber auch ganz praktische dinge des juedischen lebens behandelt wie z.b. die bedeutung der beschneidung, den ablauf einer juedischen hochzeit oder auch die bedeutung juedischer geschichte.
die schul ist ein ort an dem pluralismus erlebt werden kann. wie viele stroemungen gibt es im judentum ? wie viele braeuche ? auch die orthodoxie hat unmengen an stroemungen aufzuweisen, sie ist kein monolithischer block. das leben in einheitsgemeinden ist bunt und manchmal auch nicht frei von konflikten. so soll es sein.
eine schul ist auch ein ort der trauer und ein ort um wieder kraft zu tanken. wenn es mir schlecht geht setze ich mich in die schul, alleine. mache mir bewusst das es jemanden gibt der “hoch erhaben” ist ueber allen menschlichen freuden und noeten, ueber schlechte worte und drohungen.
ich mache mir bewusst das ich mich dazu entschieden habe ihn als “hoechste instanz” zu respektieren. ohne auf menschen herabzuschauen. beides gehoert zusammen. es ist ein vorurteil von menschen die glauben nicht kennen das religioese menschen ihre mitgeschoepfe gering achteten. weil ihre hoechste instanz g”tt ist. ganz im gegenteil: ich habe (wieder) gelernt meine mitgeschoepfe zu achten seitdem ich religioes lebe.
die schul bedeutet auch einen rabbiner zu haben dem ich mich anvertrauen kann. irgendwie scheint der rabbiner immer gleich gut gelaunt zu sein. ernst, aber herzlich. weit entfernt von allen uebertriebenen gesten. aber ein mensch der da ist, der einen annimmt wie man ist. kein grund sich zu verstellen.
in der schul erlebe ich den juedischen jahreskreis mit seinen festen der freude und trauer, des dankens und denkens.
gedenken ist eines der zentralen elemente juedischen lebens. nicht in form von schuldzuweisung, aber in der form seine geschichte anzunehmen. “gedenken” an verschiedenen ufern: gedenken an die schoa, gedenken an den schabbat. “huete und gedenke”, beides gehoert zusammen.
bald erinnern wir uns am sederabend an den auszug aus aegypten, es ist dann wieder pessach.
schul bedeutet fuer mich (wieder) einen festen kalender zu haben, mit dem schabbat im zentrum.
am schabbat gehe ich in die schul um die “braut schabbat” zu empfaengenĀ und einen anderen teil des festen kalenders zu erleben: die lesung aus der thora.
schul bedeutet fuer mich auch: die eine in deutschland, die andere(n) in israel. vor allem in har nof (jerusalem) und in tel aviv.
egal wo ich bin: es gibt ein ort an den ich gehen kann - eine schul.

Tel Aviv und der Grenzgaenger
6 January 2008 at 13:52 | In Grenzgaenge, Tel Aviv | 1 Commenttel aviv - diese wunderbare stadt ist fuer mich zu einem zweiten zuhause geworden.
tel aviv - abseits der schlagzeilen: eine lebensfrohe, bunte, liberale, mediterane stadt am mittelmeer.
tel aviv - (auch) hier habe ich freunde.
tel aviv - das lebenskonzept “leben und leben lassen”.
tel aviv - ein idealer ausgangspunkt fuer ausfluege im land. 3 bahnhoefe, die zentrale busstation alozorov und die neue zentrale busstation.
tel aviv - das sind fuer mich ausgedehnte spaziergaenge am meer, vor allem vor sonnenaufgang und bei sonnenuntergang.
tel aviv - sicherlich keine heilige stadt (aber welche stadt ist schon wirklich heilig, ganz diesseitig betrachtet ?)
tel aviv - das ist fuer mich die dizengoff, die sheinkin, die allenby, die herzl (strasse)
tel aviv - immer neue entdeckungen, freude und erstaunen ueber neu angelegte gruene lungen inmitten der stadt.
tel aviv - das ist ankommen (vom flughafen) und abfahren muessen (zum flughafen).
tel aviv - das ist ein gefuehl: freude, entspannung, jubel.
tel aviv - das ist mein internet cafe.
tel aviv - das ist andrea
tel aviv - das bedeutet: vieles locker zu sehen, nicht so verkrampft wie (zu oft) in jerusalem.
tel aviv - die stadt ohne geschichte, hier wird nicht mit jedem stein geschichte, politik gemacht.
tel aviv - das ist auch die stadt von theodor herzl in seinem roman “altneuland”
tel aviv - das ist mein geliebtes susanne dallal center
tel aviv - das sind fuer mich alleen. besonders die rothschild.
tel aviv - das ist eine riesige auswahl an cafes. hier sitze ich stunden und betrachte einfach nur was um mich herum passiert.
tel aviv - das sind die bauhaeuser.
tel aviv - das ist der bus 100 mit dem man eine wunderbare stadtrundfahrt unternehmen kann.
tel aviv - hierher sehne ich mich und hierher komme ich immer wieder zurueck.
Jerusalem und der Grenzgaenger
26 December 2007 at 23:32 | In Gedanken, Grenzgaenge, Jerusalem | No Commentsnein, ich will nicht ungerecht sein: jerusalem hat mich immer von seiner besten seite begruesst, hat mich mit seiner gastfreundschaft beschenkt. wie viele schoene stunden habe ich in dieser stadt verbracht ?
und doch ist mein verhaeltnis zu jerusalem ein gespaltenes. das koennte man als undankbarkeit deuten. aber es zeigt das diese stadt, das jerusalem, niemanden gleichgueltig laesst.
die stadt beruehrt, ist intensiv, fordert alle sinne.
jerusalem - eine stadt in der religion bis zur schmerzgrenze gelebt wird, eine stadt die den drei montheistischen religionen heilig ist. das spuert man an jeder ecke, selbst in der innenstadt, rund um den zion square.
jerusalem - eine stadt in der mit religion politik gemacht wird. jeder stein ist heilig. jedes bauprojekt ist gewagt weil es die proteste der (ultra)orthodoxie hervorrufen koennte. zum beispiel wenn ein juedischer friedhof gefunden wird. dieser darf nicht ueberbaut werden.
jerusalem - jede noch so kleine ausgrabung ruft einen sturm der entruestung hervor. auf dem tempelberg, aber nicht nur dort.
jerusalem - eine laute, eine anstrengende stadt mit ihren 700.000 einwohnern.
jerusalem - eine heilige stadt mit ganz irdischen problemen.
aber auch das:
jerusalem - eine bunte stadt, eine gesellige stadt, eine stadt mit vielen interessanten menschen. manchmal stehe ich einfach nur an einer ecke der jaffa street und schaue mir das treiben an.
jerusalem - die westmauer. was soll man ueber diesen ort juedischer geschichte und gegenwart schreiben ?
jerusalem - das sind fuer mich freunde. irene, eli, rachel, denise, david.
jerusalem - die von mir so geliebte jerusalem foundation mit ihrer unermuedlichen arbeit fuer koexistenz und wohlergehen aller bewohnerInnen jerusalems.
jerusalem - das ist auch yad vashem, die schoa gedenkstaette. erinnerung und mahnung.
jerusalem - das ist die offene tuere in har nof. besonders, aber nicht nur an schabbes.
jerusalem - diese stadt laesst auch mich nicht kalt.
jerusalem - ich habe ein gespaltenes verhaeltnis zu dieser stadt und das ist gut so. es zeigt mir das ich diese stadt — nein, nicht liebe — aber das diese stadt, das jerusalem, ein platz in meinem herzen hat. ich trage jerusalem in mir.
jerusalem - auch das: auf meinem schreibtisch steht ein stein, aus weissem jerusalem stein geformt, mit einer aufforderung: “betet fuer den frieden jerusalems”.
ja, das hatte ich fast vergessen: jerusalem und gebet. taeglich. drei mal. auch das ist jerusalem. auch weit weg ist jerusalem praesent fuer religioese menschen.
“naechstes jahr in jerusalem”. ganz bestimmt werde ich wieder aufsteigen in diese stadt. wenn auch in einem bequemen egged linienbus. ich freue mich schon darauf.
Schabbat und der Grenzgaenger
23 December 2007 at 14:26 | In Gedanken, Grenzgaenge, Schabbat | 1 Comment“nicht ich huete den schabbat, der schabbat huetet mich”. in diesen knappen worten fasste eine bekannte zusammen was der schabbat fuer sie bedeutet.
es soll heissen: sechs tage hektik, verpflichtungen, termine, sorgen. dann ein tag frei von den “sorgen des raumes” um es mit dem juedischen gelehrten abraham j. heschel (*) auszudruecken. schabbat bedeutet heilige zeit, abwesenheit des raumes, des “normalen” das uns viel zu oft die liebe, ja die existenz g”ttes vergessen laesst.
schabbat bedeutet nicht sich von der welt abzuwenden, sondern sich der gegenwart g”ttes, seines bundes mit dem volk israel, zuzuwenden. nicht zuletzt, um es “irdisch” auszudruecken: kraft zu sammeln fuer die verpflichtungen des raumes der naechsten woche.
es gelingt nicht immer sich freizumachen von den verpflichtungen des raumes, der profanen zeit. auch mir gelingt das nicht immer. manchmal kann ich nicht “loslassen” und mich ganz dem schabbat, der ruhe, der freude widmen. manchmal bin ich am schabbat traurig, muede, unkonzentriert. ich denke das ist ziemlich normal. wir sind alle nur menschen mit staerken und schwaechen.
und trotzdem staerkt mich die gewissheit das es den schabbat gibt, die moeglichkeit loszulassen, kraft zu sammeln. jede woche neu, jede woche eine neue aufforderung, eine neue moeglichkeit, eine neue chance.
schabbat bedeutet in manchen zeiten auch sich der gewissheit zu versichern das g”tt ist. in zeiten der krankheit, der verzweiflung wird gerade am schabbat das helle licht der existenz und liebe g”ttes fuer mich sichtbar.
der schabbat beginnt bei mir schon am freitag morgen. ich versuche mich die 25 stunden “heilige zeit” vorzubereiten.
der pc bleibt aus, die telefone werden abgeschaltet.
ich hole die thora aus dem buecherregal und lese die parascha (den wochenabschnitt) und einige auslegungen.
ich dusche, schneide die fuss- und fingernaegel. man soll die “braut schabbat” wie es in der liturgie heisst empfaengen.
schliesslich mache ich mich rechtzeitig auf den weg zur schul, am schabbat soll man nichts in eile machen (so lernt ich es bei “meinem” rabbiner).
in der schul angekommen die freundliche begruessung der (schon vertrauten) anwesenden und es rabbiners. freude ueber neu dazugekommene, aber auch bedauerndes vermissen bekannter gesichter.
schliesslich das “kabbalat schabbat”, die begruessung des schabbat, eine vertraute und doch immer neue liturgie. wenn es gut laeuft koennte ich platzen vor freude. meistens laeuft es gut, manchmal eben auch nicht.
in meiner schul ist es minhag (brauch) nach den g”ttesdiensten kiddusch zu halten, das heisst zusammen zu essen.
eine prozedur die ich besonders mag ist das haendewaschen nach dem genuss des weines und die ruhe bis nach dem genuss des brotes.
nach dem dankgebet ueber das essen geht die gemeinde auseinander- um sich ein paar stunden spaeter wieder zu treffen, zum schacharit (morgengebet), meistens in etwas kleinerer runde.
der hoehepunkt des morgengebetes ist die lesung aus der thora - vor und nach der lesung wird die thorarolle vom rabbiner durch die schul getragen. welch eine freude. der rabbiner sagt ein paar worte zur parascha (dem wochenabschnitt), das ist fuer mich immer sehr spannend. gerade an diesem punkt lerne ich eine ganze menge.
auch nach dem schacharit trifft sich die gemeinde zum kiddusch (dem gemeinsamen essen).
nach dem essen gehen schliesslich alle auseinander um sich am naechsten freitag wieder zu treffen. das heisst nicht “aus den augen, aus dem sinn”. ich bin immer wieder ueberrascht ueber die netzwerke innerhalb der gemeinde - virtuell oder telefonisch.
was ich hier geschildert habe ist ein typischer schabbat in meiner schul. von der liturgie abgesehen gibt es unterschiede von stadt zu stadt, von rabbiner zu rabbiner, auch in der praxis in deutschland und israel.
gerade die pluralitaet des judentums habe ich zu schaetzen gelernt. es ist so - und doch ganz anders. ich freue mich darueber diese pluralitaet lernen zu duerfen, die richtungen (er)leben zu duerfen. wobei juedisches leben in den usa und/oder in israel noch um einiges bunter und vielfaeltiger ist als in deutschland. aber das ist ein anderes thema.
(*) abraham j. heschel: “der schabbat - seine bedeutung fuer den heutigen menschen”
Blog at WordPress.com. | Theme: Pool by Borja Fernandez.
Entries and comments feeds.



