Kotel Live
3 July 2008 at 22:19 | In Jahreskreis, Jerusalem, Virtuelles | No Commentsein paar mal am tag klicke ich mich zur westmauer in jerusalem durch. der live blick auf die kotel ersetzt zwar nicht das erlebnis direkt vor den steinen zu beten, die steine zu beruehren. aber die kamerabilder sind ein kleiner trost und auch eine gewissheit. naechstes jahr in jerusalem. bei mir heisst das: am 2. november 2008. die tickets liegen schon im schrank. ich habe schon gebucht um das el al ticket noch vor der naechsten preiserhoehung zu bekommen. es hat geklappt. warum ist anfang november 2008 das “naechste jahr” ? nun, ich lebe nach einem anderen kalender. dem juedischen kalender. das juedische neujahr, rosch haschana, ist im september.
Nachtrag
2 July 2008 at 18:35 | In Bilder, Jerusalem | No Commentsder heutige anschlag in jerusalem geschah an der kreuzung jaffa road/sa’arei israel. ich kenne diese kreuzung gut weil sie sich in naechster nahe zum jerusalemer zentralen busbahnhof befindet.
ueberhaupt. die jaffa road. ich mag diese strasse, bin sie schon oftmals auf und ab gelaufen, habe in geschaeften gestoebert und in meinem absoluten lieblingsrestaurant in jerusalem, dem village green, leckere vegetarische und koschere koestlichkeiten geniessen duerfen.
es geht mir wie so vielen israel freaks: wenn von einem anschlag die rede ist tauchen bilder und erinnerungen in mir auf. solches geschehen ist nicht mehr weit weg. vor allem wenn der mensch alleine reist entwickelt er ganz spezielle verbindungen zu verschiedenen orten, strassen, gebaeuden und natuerlich menschen. die jaffa street ist so eine strasse bei der sich sofort bilder und erinnerungen einstellen.
Ein Anschlag mehr
2 July 2008 at 16:54 | In Jerusalem | No Commentsheute gab es wieder einen anschlag in jerusalem. im herzen von westjerusalem.
der attentaeter kam aus ost jerusalem.
diesmal war es keine “menschliche” bombe sondern ein bulldozer der im zentrum jerusalems busse und autos rammte.
drei menschen sind tot, es gibt viele verletzte.
leider konnte der terrorist nicht schnell genug unschaedlich gemacht werden.
realitaet im nahen osten.
nun, was sagen die friedensapostel, humanisten und terrorversteher zu diesem anschlag ?
jerusalem ist in der realitaet noch immer eine geteilte stadt. jeder der oefters in jerusalem war wird dies bestaetigen koennen.
es stellt sich die frage ob es wirklich sinnvoll ist den palaestinensischen buergerInnen von (ost)jerusalem das freie bewegungsrecht in der stadt und nicht nur dort, sondern de fakto in ganz israel, zu gewaehren.
auch der kommentator der jerusalem post, david horovitz, stellt diese frage
The security barrier has dramatically reduced the incidence of attacks inside Israel by West Bank Palestinians in recent years. But two months ago, in the last major terror attack in the capital, an east Jerusalem resident killed eight students in a Thursday night attack at Mercaz Harav Yeshiva. On Wednesday again, Jerusalem’s vulnerability to an attack from ‘within’ by a perpetrator with the residency rights to move freely around the city was murderously demonstrated.
diese - ach so humanitaere - praxis hat heute wieder einmal das leben israelischer buergerInnen gekostet die nur das verbrechen begangen haben mit dem eigenen auto oder dem bus unterwegs zu sein.
es stellt sich die frage was wichtiger ist: das leben der buergerInnen jerusalems oder die bewegungsfreiheit fuer potenielle terroristen.
ich weiss: verallgemeinerung, polemik, zynismus. ich kenne das schon auswendig. trotzdem werde ich nicht aufhoeren fragen zu stellen und stellung zu beziehen.
es ist nun mal fakt das die moerder der letzten beiden anschlaege aus ost jerusalem kamen.
das diese moerder das recht auf bewegungsfreiheit gnadenlos ausgenutzt haben.
ein recht das ihnen von israel aus humanitaeren gruenden zugebilligt wurde. wie die vorstellung der buerger ost jerusalems von humanismus aussieht hat sich heute wieder einmal eindrucksvoll gezeigt.
ein anschlag von innen also. ausgefuehrt von einem araber mit israelischen pass.
das recht auf bewegungsfreiheit in jerusalem und ganz israel scheint so selbstverstaendlich zu sein das selbst polizeikontrollen medienwirksam als “rassismus” dargestellt werden. die palaestinenser wissen eben wie man medien beeinflusst.
ich denke an rachel, irene, miriam, noah, alexander und deren familien in dieser stunde.
alle haben vor der eskalation gewarnt. das thermometer der gewalt hat sich langsam (langsam ?) nach oben bewegt. es gibt immer wieder ausbrueche von gewalt.
ich denke an das massaker an der mercaz ha rav jeshiva, an die unzaehligen anschlaege der letzten jahre.
nach dem bau des sicherheitszaunes hat sich die zahl der anschlaege in israel stetig nach unten bewegt. dieses mittel hilft also. beschoenigungen, friedenspolitik und scheinvertraege wie oslo haben keine wirkung erzielt. was lernen wir daraus ?
fuer mich stellt sich die frage ob es aus sicherheitserwaegungen sinnvoll ist sich von den palaestinensischen buergerInnen in ost(!)jerusalem genau so einseitig zu trennen wie von den uebrigen palaestinensern.
meine antwort auf diese frage lautet:
“ja, es ist sinnvoll. es ist ein gebot der stunde. der heutige anschlag muss der letzte sein”.
“Das erste Terroropfer”
1 July 2008 at 19:27 | In Fremde Federn, Jerusalem | No Commentsdiesen artikel habe ich im jewish blog gefunden.
danke an dieser stelle fuer die interessante lektuere.
es handelt sich um einen uebersetzen artikel aus der haaretz vom 5. mai 2008.
Von Nadav Shragai
Es ist fraglich, ob der Name des Rabbiners Avraham Shlomo Zalman Tzoref (RASHAZ), der 1851 in Jerusalem getötet wurde, den meisten Israelis vertraut ist. Tzoref war jedoch das erste vom Staat Israel anerkannte Terroropfer. Am Gedenktag für die gefallenen Soldaten Israels und die Opfer des Terrors, der dieses Jahr am 7. Mai begangen wird, wird deshalb zum Gedenken Tzorefs Name gemeinsam mit den Namen von mehr als 3000 anderen Opfern feindlicher Übergriffe verlesen.
(…)
14 Jahre später wurde die Churbah-Synagoge eingeweiht. Abraham Lunz, ein Autor der damaligen Zeit, schrieb: „Der Tag, an dem die Kuppel fertig gestellt wurde, war ein Fest für die ashkenasische Gemeinde.“ Er erzählte auch, dass abgesehen von den regulären Arbeitern alle Ashkenazim, die stark genug waren, um Tünche und Steine zu tragen, an den Bauarbeiten teilnahmen.
Etwa 80 Jahre lang war die Synagoge das Zentrum des religiösen Gemeindelebens der Jerusalemer Juden. Im Jahr 1948 sprengten die Jordanier das Gebäude und weitere Synagogen in der Jerusalemer Altstadt in die Luft.Vor einigen Jahren wurde der Bogen, der an die alte Synagoge erinnert, entfernt, und der Wiederaufbau der Churbah-Synagoge begann. Inzwischen ist sie beinahe fertig gestellt. Die Feier anlässlich der Grundsteinlegung fand vor einigen Wochen statt.
ich erinnere mich noch sehr genau an den schoenen bogen der eine traurige geschichte hat. im november 2007 sah ich die baustelle der neuen churbah synagoge. ich freue mich auf den besuch der fertiggestellten synagoge. die neue churbah synagoge ist auch ein symbol des widerstandswillen gegen den terror.
ich denke auch an die synagoge in gush katif die nach der “evakuierung” der siedler von palaestinensischen terroristen zerstoert worden ist. genauer gesagt: in brand gesteckt. die bilder erinnern an die ereignisse am 9. november 1938 in deutschland. moege haschem geben das auch die synagoge in gush katif wieder erbaut werde.
Chag Sameach
8 June 2008 at 11:41 | In Jerusalem | No Commentshallo leute,
nun bin ich doch mal schnell zum pc gerannt um zu sehen was es neues gibt.
aber gleich hat das teil wieder schabbes
es ist ja schavuot und wir haben das mit dem lernen schon mal um eine nacht bereichert. die worte der thora duerfen ja zwar nicht vermindert oder vermehrt werden, das lernen hat aber “kein mass” wie es in der liturgie heisst. so haben wir das mit dem “kein mass” gleich erntsgenommen.
wir haben uns pessach zum vorbild genommen wo in der diaspora der erste abend ja auch in der familie (oder mit freunden) verbracht wird und der zweite in der gemeinde.
so haben wir also freunde zum lernen eingeladen und werden heute in der schul weiterlernen.
von pessach zu schavuot - auch eine wichtige verbindung im juedischen kalender.
wie es geschrieben steht
nicht das lernen ist das wichtigste, sondern das tun. (awot 1,17)
auch koennen wir lesen
das wichtigste am torastudium ist jenes, das zu taten fuehrt. (babylonischer talmud, bawa kama 17a)
so sind wir also zu taten geschritten und haben gelernt. bis zum fruehen morgen. die zweite lernnacht heute wird dadurch aber nicht gemindert. ich freue mich schon auf die kehille. ich hoffe es bleiben viele menschen zum lernen dort.
chag sameach euch allen, schabbat schalom,
der grenzgaenger
p.s. arutz sheva sendet zur zeit gedanken zu schavuot und, wie immer, religioese musik. eine schoene mischung.
Jeruschalaim Lieder
2 June 2008 at 16:51 | In Jahreskreis, Jerusalem | No Commentshallo zusammen,
gerade schalte ich mein internetradio an und was bringt arutz sheva ? wunderbare jeruschalaim lieder. eins nach dem anderen. einfach klasse, wirklich
da werde ich so richtig melancholisch
heute morgen gab es ein schacharit zum yom jeruschalaim. es war sehr schoen und beim kiddusch wurden viele lieder zur ehre von jeruschalaim gesungen. den abschluss bildete die hatikva. auch diese melodie, die nationalhymne des staates israel hat viel mit jeruschalaim zu tun.
also ein sehr gelungener yom jeruschalaim, verbunden mit der gewissheit das sich der wunsch “naechstes jahr in jeruschalaim” bewahrheiten wird.
Miriam zu Yom Jeruschalaim
1 June 2008 at 17:33 | In Jahreskreis, Jerusalem | No Commentsmiriam hat einen tollen bericht zu yom jeruschalaim geschrieben. schaut rein !
Alles Gute, Jerusalem
1 June 2008 at 17:27 | In Jahreskreis, Jerusalem | No Commentsheute abend, nach einbruch der dunkelheit, beginnt der yom jeruschalaim. an diesem tag feiert jerusalem sich selbst. das ist ja auch eine gute idee
fuer mich bedeutet jom jeruschalaim frueh in der schul zu sein um beim schacharit (morgengebet) dabei zu sein.
ach, jerusalem. sicherlich kein einfaches pflaster. eine schoene stadt, eine anstrengende stadt, eine fordernde stadt. eine stadt die mich beschaeftigt, eine stadt in die es mich immer wieder zieht. auch eine stadt der fanatismus und wahn nicht fremd sind. das jerusalem phaenomen ist nur eines dieser syntome. das hadassah hospital hat eine eigene station fuer diese faelle und die station ist immer gut gefuellt. es gibt wohl keine stadt der welt in der ich so viele leute gesehen habe die sich fuer jesus, koenig david, mohammed oder eine mischung aus allem halten. verwirrte menschen, angezogen von der theoretischen heiligkeit einer stadt die mit ganz praktischen, irdischen, problemen konfrontiert ist. die probleme heissen terror, fanatismus und sehr geringes steueraufkommen. jedes irdische gemeinwesen lebt nun mal von den steuern seiner mitglieder. in diesem falle: seiner einwohner. viele von ihnen zahlen keine steuern, stellen aber forderungen an die stadtverwaltung. ein konflikt. auch in einer heiligen stadt.
auf der anderen seite das goldene jerusalem. der blick von der haas promenade ist atemberaubend.
fuer mich bedeutet jerusalem die geliebte jaffa road, das village green mit gastfreundschaft und einer tollen speisekarte, besonders frequentiert von religioesen amerikanischen juden, der laden namens moriah oberhalb der westmauer. der herzl berg, yad vashem, der bus 99. die westmauer, das grab von koenig david, die david stadt, der archeologische park unterhalb der westmauer, das zionstor.
jerusalem. das ist har nof, das ist die jerusalem foundation.
jerusalem. das sind fuer mich irene, eli, rachel, denise, david, naomi, miriam, alexander.
jerusalem. das sind gebete, psalmen, flehen.
jerusalem. die hoffnung auf den dritten tempel, auf den messias der durch die gnadentore schreiten wird.
jerusalem. die hauptstadt israels. unteilbar so g”tt will.
jerusalem. wieder gefaehrdet von einer teilung als preis fuer den verlogenen friedensprozess der in jerusalem mehr blut gekostet hat als jeder krieg. ich erinnere mich daran wenn ich an der ampel gegenueber der ehemailigen pizzeria sabbaro stehe. mitten auf der jaffa road. ich denke an die freundin die mit ihren kindern in einem moment in der pizzeria war als sich ein selbstmordattentaeter in die luft jagte. die freundin und die kinder haben ueberlebt. verarbeitet ist noch nichts, auch nicht jahre danach.
nicht zuletzt denke ich an das massaker in der mercaz ha rav jeshiva. es waren kinder die dort starben. ueber die heiligen schriften gebeugt. das ist der frieden von oslo.
wenn ich an jerusalem denke verfalle ich also nicht in lobeshymnen und gesaenge. das waere dieser stadt unangemesen. jerusalem ist so aehnlich wie die geschichte des juedischen volkes. viel licht, viel schatten. viel freude, viel trauer.
welche zeit wird gekommen sein ?
ich trage ein stueck der stadt jerusalem in meinem herzen. ich denke an meine freundinnen und freunde in dieser stadt, an die gastfreundschaft, an die vielen stunden. ich weiss das ich nach jerusalem zurueckkehren werde. im november.
dann werde ich wieder durch die strassen wandern, freunde und orte besuchen. wie jedes jahr.
jerusalem. wenn man die stadt ernst nimmt verfaellt man nicht in jubel. jerusalem ist eine stadt die fordert, immer wieder neu. deshalb mag ich diese stadt. ein stueck von mir ist dort geblieben.
Literatur II
25 May 2008 at 11:41 | In Jerusalem, Literatur | No Comments
ein weiteres buch in meiner post ist das neue werk von gil yaron. es traegt den titel “jerusalem”.
das buch hat den anspruch “ein historisch-politischer stadtfuehrer” zu sein.
angesichts der unendlichen literatur ueber diese stadt fragt man sich ob es noch irgend etwas neues zu publizieren gibt oder ob nicht auch dieses buch eine weitere sammlung von laengst bekannten tatsachen enthaelt. ich werde nach der lektuere schlauer sein. meine leserInnen auch
wenn ich an die bundeszentrale fuer politische bildung denke faellt mir zuerst “ludwig watzal” ein und dann das diese institution nicht gerade als neutral oder gar israel freundlich zu betrachten ist. um so erstaunlicher finde ich das die bzp auch einen band von yaacov lozowick und das buch die israelis von donna rosenthal publiziert. beide buecher sind nach meiner bescheidenen meinung sehr zur lektuere zu empfehlen. natuerlich darf auch das gegengewicht in form von tom segev und seinem werk “1967 - israels zweite geburt” nicht fehlen. auch wenn ich den thesen von tom segev nicht zustimme ist dieses buch lesenswert.
was die bundezentrale fuer politische bildung angeht kann ich nur meine verwunderung ueber die auf einmal zu tage tretenden bemuehungen zum ausdruck bringen das thema “israel” von moeglichst vielen winkeln zu beleuchten und deshalb verschiedene meinungen zu publizieren. ich hoffe dieses bemuehen bleibt kein einzelfall.
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