Gibt es Religion ohne Politik ?

29. Dezember 2009

Ich höre oft das man Religion und Politik trennen soll. Dem stimme ich zu. Religion ist die eine Sache. Staatliche Entscheidungen, in einer Demokratie, sind eine andere Sache. Aber kann ich, für mich persönlich, Politik und Religion trennen? Ich glaube nicht. Schon das Bekenntnis zum Religiösen ist eine politische Standortbestimmung. Wenn es dann noch um die religiöse Bedeutung des Staates Israel (für das jüdische Volk) geht, ist die Grenze zwischen Religion und Politik überschritten. Als politischer Mensch äußere ich mich selbstverständlich zu politischen Sachverhalten. Rabbiner Samson Rafael Hirsch hat immer wieder betont das Judentum eine tätige Religion ist. Gelebtes Judentum reicht über die Schul hinaus. Gelebtes Judentum reicht in die Gesellschaft hinein. Ich finde diese Definition von Judentum, es ist eine unter vielen, mehr als ansprechend. Politik und Religion trennen? In meinem Falle lautet die Antwort: “NEIN!“


Lesen und Tradition

23. Dezember 2009

je mehr ich ueber das judentum lese, das gilt besonders fuer rabbiner hirsch, desto oefter wuensche ich mir in dieser tradition aufzugehen. aber ist diese tradition ungebrochen ?

(ich kann gar nicht aufhoeren zu lesen …)


Hirsch Kommenare zur Thora (Band 2)

14. Dezember 2009

von einer stunde schellte der wohlvertraute paketfahrer an und brachte mir ein paeckchen der literaturhandlung. ich ahnte schon welches buch sich dahinter versteckte. was fuer eine freude. der zweite band der thora auslegungen von rabbiner samson rafael hirsch. einfach grossartiger lesestoff.


Trueber Lesetag

10. Dezember 2009

draussen ist mal wieder ein wetter. es ist dunkel wie am abend und es regnet in unendlichen stroemen. was macht der grenzgaenger bei so einem wetter ? richtig: lesen. rabbiner samson rafael hirsch. das buch heisst chorew – versuch ueber israels pflichten.


Licht in der Dunkelheit

29. November 2009

das wetter ist zur zeit wirklich nervend. es wird absolut nicht mehr hell. es regnet in stroemen. eigentlich koennte man bei dieser dunkelheit auch im bett blieben.

lesen hilft da wirklich weiter. bei mir. ich schnappe mir die psalmen ausgabe von rabbiner hirsch. der kommentar von rabbiner hirsch ist ueber hundert jahre alt. trotzdem sind die worte wie fuer unsere zeit geschrieben. natuerlich sind die psalmen aktuelle literatur. aber auch die kommentare von rabbiner hirsch sind aktuell. ich finde das einfach unglaublich.

diese literatur hilft gegen graues wetter. so verbringe ich einige stunden des tages im bett. lesend. das bett ist mein lieblings-lese-ort.


Freiheit und Judentum

29. September 2009

also ich muss jetzt doch mal ein paar worte ueber die freiheit im judentum loswerden. ueber die freiheit des einzelnen und auch ueber die pluralitaet.

vielleicht erst mal zum letzten: judentum ist pluralitaet. pluralitaet in den richtungen. pluralitaet in der frage wie judentum gelebt wird. es gibt keine endgueltigen wahrheiten. das ist gut so.

jeder einzelne, auch ein konvertit, hat die pflicht (!) sein judentum zu definieren. es gibt auch fuer konvertiten die moeglichkeit dinge zu tun oder zu lassen. ich habe von meinem rabbiner gelernt das es eine pflicht (!) ist seinen eigenen (!) weg zu definieren und zu gehen. es ist nicht das ausschlaggebende kriterium ob dieser weg einer mehrheitsmeinung entspricht. das ist schon deshalb so weil es ja auch verschiedene richtungen im judentum gibt. das trifft zwar auf deutschland nur beschraenkt zu. in den usa wiederum ist das juedische leben um einiges bunter. ich kenne dort juedische menschen mit ganz verschiedenen konzepten ihren glauben zu leben. das reicht von reform bis orthodox und somit sind auch die praktizierten lebenswelten verschieden. ich weigere mich diese lebenswelten zu bewerten. die hauptsache ist das die menschen damit gluecklich sind.

das ist kein widerspruch zu meiner meinung das judentum nicht durch beliebigkeit die langen jahrtausende des exils ueberlebt hat. ich halte beliebigkeit noch immer fuer den falschen weg. aber liberalitaet und reformismus muessen auch nicht unbedingt etwas mit beliebigkeit zu tun haben. es handelt sich eher um lebenseinstellungen. so wie orthodoxie auch eine lebenseinstellung ist.

aber auch hier gilt: es gibt die (juedische) orthodoxie nicht. auch die orthodoxie ist in viele richtungen gespalten. ich bilde mir nicht ein auch nur einen kleinen teil der stroemungen zu kennen.

ebenso ist das mit der schul: es gibt gute gruende dafuer in die schul zu gehen. ein sehr guter grund ist das man mit anderen menschen gemeinsam beten kann. juedische religioesitaet kann aber auch abseits der synagoge leben. juden und juedinnen, die nicht in die synagoge kommen, muessen nicht weniger religioes sein.

vielmehr habe ich, nicht zuletzt bei der lektuere von rabbiner samson rafael hirsch, gelernt das judentum in erster linie eine taetige religion ist die in ihrer jeweiligen gesellschaft wirkt. es ist absolut falsch, so fuehrt rabbiner hirsch immer wieder aus, das judentum auf ein paar “heilige stunden” in der schul zu reduzieren. judentum ist auch zusammengehoerigkeit und ist auch schicksalsgemeinschaft. die synagoge ist ein wichtiges symbol und nicht zuletzt ein wichtiger ort um zu beten. um zu trauern. um zu feiern. um zu lernen. aber die synagoge muss (und sollte ?) nicht der alleinige mittelpunkt des juedischen lebens sein. soziales engagement ist ebenso juedisches wirken. ganz konkret.

also ich denke moralische entruestung ist in religioesen fragen nicht angebracht. ich weigere mich zwischen “guten” und “schlechten” menschen zu unterscheiden. ich habe zu yom kippur geschrieben das an rosch haschana drei buecher geoeffnet werden. das buch fuer die absolut gerechten (zaddikim), das buch fuer die absolut schlechten, das buch fuer die menschen in der mitte der waage. dieses buch ist am groessten. dort werde ich mich letztlich wiederfinden. trotz aller teschuwa werde ich immer wieder gezwungen (und auch gewillt) sein mein religioeses leben der gesellschaftlichen realitaet anzupassen. wie gesagt: judentum ist eine taetige religion. das ist kein plaedoyer fuer die beliebigkeit (ich schreibe immer wieder dagegen an). das ist aber, sehr wohl, ein plaedoyer fuer rationalismus. gerade in religioesen fragen.


Wochenabschnitt Ki Tawo

2. September 2009

Wir lernen an diesem Schabbat den Wochenabschnitt Ki Tawo.

Worum geht es?

Der Landwirt wird dem Herrn huldigen, indem er ein Opfer zum Tempel bringt. Dieses Opfer sind die Erstlinge seiner Ernten. Das Volk Israel wird, nach der Ankunft im Land, feierlich verpflichtet, die Gesetze und Lehren der Thora zu respektieren. Diese Verpflichtung wird in Form von Segnungen und (!) Verfluchungen ausgesprochen. Der Wochenabschnitt endet mit einem düsteren, aber realen, Bild von Unglücken, die das Volk treffen werden, wenn die Gebote und Lehren der Thora nicht beachtet werden.

Es geht in diesem Text um Disziplin. Es geht in diesem Text um die Verpflichtung auf die Thora. der Text ist fordernd. Es gibt keinen Mittelweg. ein klares “Ja” oder “nein” zur gesamten (!) Thora wird gefordert. Es gibt zwar Gebote, die wir besser verstehen als andere. Aber bei der Lektüre der Schriften von Rabbiner Samson Rafael Hirsch habe ich gelernt, das wir die Gebote ausnahmslos erfüllen müssen. Es geht darum, die Gebote besser zu verstehen. Darum lernen wir täglich Thora. Aber auch wenn wir die Gebote nicht verstehen, müssen wir diese Gebote einhalten. So wie die Thora nicht vermehrt oder vermindert werden darf, ist es auch nicht möglich, die Gebote und Verbote zu mehren oder zu mindern. Es steht alles geschrieben. Es ist an uns möglichst gut zu lernen und das Gelernte umzusetzen. Lernen ohne Umsetzung bringt absolut nichts. Ich habe von meinem Rabbiner gelernt, dass es besser ist, langsam in die Umsetzung der Gebote und Verbote hereinzuwachsen. Von Null auf Hundert zu kommen gelingt nicht. Die Thora wird immer wieder gelesen. An Simchat Thora, einem Freudenfest im jüdischen Kalender, lesen wir den letzten Abschnitt und den ersten Abschnitt der Thora. Wir sind ewig Lernende.

Ser Wochenabschnitt spricht jeden Einzelnen an. Es geht um die Umsetzung der Verbote und Gebote durch das Volk Israel. Aber wir sind ein Teil des Volkes Israel. Jeder ist wichtig. Jede ist wichtig. Wir werden nur zusammen den Stein der Thora rollen können. Wir werden nur zusammen den Honig der Thora kosten können.

Habe ich die Verbote und Gebote der Thora immer gewissenhaft beachtet?  Meine Antwort ist ein klares “Nein”. Ich bin kein Zaddik. Auch kein gelehrter. Ich bin nur ein umwissender Schüler. Das ist keine Entschuldigung. Aber ich kenne mich selbst. Ich bin nicht stark. Ich mache Fehler. Manchmal sind auch Sünden zu verbuchen. Ich bin ganz bestimmt kein Vorbild für andere. Aber ich glaube darum es auch nicht. Es geht darum, sich die Gebote und Verbote der Thora immer wieder ins Gedächtnis zu rufen. Dieses Ziel schaffen wir, indem wir regelmäßig Thora lernen. Indem wir Auslegungen zum Wochenabschnitt lernen. Indem wir zum Schiur gehen. Das alles sind kleine Schritte. Aber die kleinen Schritte zeigen, dass wir nicht verloren sind.

Haschem hat uns nicht aufgegeben. Haschem wird uns nicht aufgeben.

Der Wochenabschnitt ist also Drohung uns Segnung zugleich.

Es liegt an uns, welche Option wir wählen.



Wochenabschnitt Ekew (Teil 4)

6. August 2009

Und so wird es denn sein, wenn ihr hoeren, immer ernster hoeren werdet auf Meine Gebote, die ich euch heute gebiete, so dass ihr G”tt, euren G”tt, liebet und Ihm dient mit eurem ganzen Herzen und mit eurer ganzen Seele …

(Dewarim 11:13)

rabbiner samson raefael nennt es lebensg”ttesdienst. wir sollen leben und unser leben nach den geboten der thora ausrichten. unser religioeses leben soll nicht getrennt sein von unserem “buergerlichen” leben. ich glaube das geht auch schlecht.

ich mache immer oefter und eindringlicher die erfahrung das judentum, wenn es denn wirklich gelebt wird, in alle entscheidungen des alltags eingreift. observant gelebtes judentum ist in der diaspora eine aufwaendige sache. das faengt bei den gebeten an. das hoert beim einkaufen nicht auf. wo gibt es wirklich koschere lebensmittel ? welche kompromisse geht man ein ? in der diaspora ist es kaum moeglich sich vollstaendig koscher zu ernaehren. wenn man, wie der grenzgaenger, vegetarier ist faellt die geschichte mit fleisch und fisch weg. es gibt aber noch genuegend andere hindernisse.

religioes zu leben, noch dazu juedisch, bedeutet sich in einer aussenseiterrolle zu befinden. judentum ist keine mehrheitstreligion in deutschland. dazu kommt noch das religioeses leben, das religion, an sich als “uncool” gilt. wer ist schon religioes ? ist es nicht bequemer sich dem mainstream anzupassen ?

dazu, auch das sollte gesagt werden, kommt noch die befangenheit. judentum ohne auschwitz ist in deutschland nicht zu denken. das merke ich immer dann wenn gruppen in der schul sind. “befangenheit” ist ein schwaches wort dafuer.

wir sollen g”tt also mit ganzem herzen und mit ganzer seele dienen. das heisst prioritaeten zu setzen. das heisst auch den alltag anders zu organisieren.

aber: mit jedem schritt hin zu den geboten, mit jedem erfuellten gebot, erlebt der mensch eine ungeheure freude. diese freude, die freude daran sich auf den weg hin zu g”tt,begeben zu haben, ist kaum zu beschreiben. fuer menschen, welche nicht religioes sind, ist das schwer zu verstehen. man muss es erlebt haben.

wenn man sich ernsthaft auf den weg begeben hat, wenn man sich einer juedischen gemeinde angeschlossen hat, wird man die erfahrung machen das fragen hilft. bringt eure probleme und sorgen zum rabbiner. in den meisten faellen wird sich eine loesung finden.

es geht darum wirklich mit ganzem herzen und ganzer seele sein judentum zu leben. es geht darum, auch nach aussen hin, judentum zu leben. nicht im sinne von missionieren. judentum missioniert nicht. das ist gut so und unterscheidet das judentum von vielen anderen  religinen.

judentum zu leben heisst, fuer mich, anderen menschen froehlich zu begegnen. menschen, die mich gut kennen, ist der wandel aufgefallen. meistens bin ich gut gelaunt und versuche das auch zu vermitteln. frueher war ich meistens griesgraemig und hatte immer etwas auszusetzen. das hat sich geaendert.

seitdem ich den weg zum judentum fuer mich beschritten habe ist ein neues lebensgefuehl bei mir eingezogen. das leben ist bunter, schoener, aufregender, geworden. durch den weg zum judentum sehe ich viele dinge gelassener als frueher. durch den weg zum judentum bin ich viel eher in der lage zu helfen als frueher.

das verstehe ich unter gelebtem judentum. das bedeuten fuer mich die worte:

Und so wird es denn sein, wenn ihr hoeren, immer ernster hoeren werdet auf Meine Gebote, die ich euch heute gebiete, so dass ihr G”tt, euren G”tt, liebet und Ihm dient mit eurem ganzen Herzen und mit eurer ganzen Seele …


Gedanken zum Olam Haba Konzept

5. August 2009

Ganz Israel hat Anteil an der kuenftigen Welt, denn es ist gesagt: Dein Volk allesamt gerecht, werden fuer die Ewigkeit die Erde erben, Bluete Meiner wiederholten Pflanzungen, Wer Meiner Haende, Mich zu verherrlichen.

das steht in den spruechen der vaeter (kapitel 1).

was bedeutet dieser satz ? in seinem einfachen wortsinn bedeutet dieser satz einfach das volk israel, das gesamte volk israel, ohne ausnahme, wird anteil an der kuenftigen welt (olam haba) haben.

bei rabbiner samson rafael hirsch lernen wir das der ausdruck, das konzept, olam haba zwei verschiedene formen der zukunft erfasst: die jenseitige zukunft und die diesseitige zukunft.

rabbiner samson rafael hirsch hat ausgefuehrt wie er die beiden formen der zukunft versteht.

1) die jenseitige zukunft (oder seligkeit): sofort nach dem tod wird die seele (!) des menschen aus der diesseitigen welt ausscheiden und den weg in die jenseitige welt, den weg zu haschem, antreten.

2) die diesseitige zukunft soll ein reich der gluecksseligkeit, der vollkommenheit und des friedens auf erden (!) sein. dies ist das ziel “aller irdischen menschenentwicklung” die von haschem herbeigefuehrt wird.

weiter schreibt rabbiner samson rafael hirsch:

Jeder, der des Namens Jisrael wuerdig bleibt und der hohen sittlichen Bestimmung und Aufgabe nicht ganz entfremdet, hat seinen Anteil an beidem, an der zukuenftigen und der diesseitigen Zukunft.

Wie verschieden … der Grad … der dieser Bestimmung und Aufgabe bewahrten Treue … sich gestalten moege … ganz verloren geht ihm … dieser Anteil nicht, solange er Jisrael bleibt.

soweit rabbiner samson rafael hirsch.

ich mag es die auslegungen von rabbiner hirsch zu lesen. sie geben mir wichtige und interessante anregungen. so kann ich auch zu hause lernen. einen schiur und/oder eine jeshiva ersetzt dieses lernen natuerlich nicht.

doch zurueck zur sache:

der wert, die einmaligkeit, der seele wird hervorgehoben. die seele macht unsere einzigartigkeit aus. nicht die materie (der koerper). die seele macht uns zu den menschen, die wir sind. natuerlich koennen und sollen wir unsere seelische entwicklung vorantreiben. wir koennen und sollen lernen mit unserer seele in einklang zu leben. denn ohne seelisches gleichgewicht gibt es kein koerperliches gleichgewicht. ist die seele krank, so ist der koerper krank. es geht um ein gleichgewicht zwischen koerper und seele.

die bedeutung der seele wird auch im taeglichen schacharit (dem morgengebet) ausdruck verliehen. wir beten unter anderem:

Mein G”tt, die Seele, die Du in mich gegeben hast, sie ist rein, Du hast sie erschaffen, Du hast sie geformt, Du hast sie mir eingehaucht, Du behuetest sie in mir, Du wirst sie einst von mir nehmen und sie mir in der Zukunft wieder geben. So lange die Seele in mir ist, danke ich Dir, Ewiger, mein G”tt und G”tt meiner Vaeter, Meister aller Seelen. Gelobt seist Du, Ewiger, der Seelen den Toten wieder gibt.

das zitat stammt aus dem siddur schma kolenu.

die seele ist g”ettlich. wenn wir dies (an)erkennen koennen, (an)erkennen wollen, begeben wir uns in g”ttes schuetzende hand. wir wissen dann welchen weg die seele in unseren koerper gefunden hat. wir wissen dann ueber welchen weg die seele unseren koerper wieder verlassen wird.

Wie verschieden … der Grad … der dieser Bestimmung und Aufgabe bewahrte Treue … sich gestalten moege … ganz verloren geht ihm … dieser Anteil nicht, solange er Jisrael bleibt.

das war wieder rabbiner samson rafael hirsch. der rabbiner kennt die menschen sehr gut. der rabbiner hirsch weiss das menschen “nur” menschen sind. menschen mit staerken und schwaechen. mit diesem zitat zeigt rabbiner hirsch eine tiefe menschlichkeit. rabbiner hirsch erkennt an das es voellig verschiedene formen der religiositaet gibt. rabbiner hirsch erkannt an das menschen mehr oder weniger starke religioese kraefte haben. rabbiner hirsch erkennt an das es menschen gibt die einen starken willen. ebenso aber gibt es auch menschen die einen nicht ganz so stark ausgepraegten willen haben.

sind menschen, die ihr religioeses leben weniger streng befolgen, schlechtere menschen ? sind diese menschen nicht mehr dem volk israel zugehoerig ? nein und nein.

Wie verschieden … der Grad … der dieser Bestimmung und Aufgabe bewahrte Treue … sich gestalten moege … ganz verloren geht ihm … dieser Anteil nicht, solange er Jisrael bleibt.

der anteil an der kuenftigen welt geht nicht verloren, solange der mensch sich bewusst ist, dem volk israel anzugehoeren. alle fehler koennen verziehen werden. solange der mensch sich zur schicksalsgemeinschaft des juedischen volkes bekennt.

ich sehe das in meiner schul. da gibt es menschen die nicht sehr religioes sind. ich treffe diese menschen nicht so oft in der schul. dafuer engagieren sich diese menschen im jugendzentrum. oder im frauenverein. oder diese menschen besuchen kranke mitglieder der gemeinde. oder diese mitgleider organsieren ausfluege.

sind das schlechte menschen weil sie nicht (regelmaessig) in der schul erscheinen ? gehoeren diese menschen deshalb nicht mehr zum volk israel ? haben diese menschen keinen anteil an der zukuenftigen welt ?

meine antwort lautet dreimal NEIN !!

diese menschen, die sich ausserhalb der schul organisieren, leisten  grossartige arbeit fuer die gemeinde. fuer die gemeinschaft. diese menschen leisten einen wichtigen beitrag fuer ein gefuehl der zusammengehoerigkeit. natuerlich sind diese menschen lebendige bestandteile des gemeindelebens.

judentum ist eine taetige religion. wichtig ist das menschen sich engagieren. selbstverstaendlich haben menschen ganz verschiedene interessen und faehigkeiten. wichtig ist das jeder seine interessen und faehigkeit einbringt. dann lebt eine gemeinschaft. kein engagement, keine faehigkeit, ist schlechter als eine andere. was letztlich zaehlt ist geschlossenheit. was letztllich zaehlt ist das wissen einer gemeinschaft anzugehoeren.

die rebbezin sagt immer: “wir sind eine grosse familie”.

besser kann man nicht auf den punkt bringen worum es geht.


Gijur und Rabbiner (Teil 1)

28. Juli 2009

ein interessantes thema. schliesslich spielt der rabbiner eine entscheidende rolle im prozess des uebertrittes zum judentum. ohne einen guten rabbiner, der den gijur kandidaten ein stueck weit “coacht”, oder begleitet, ist der gijur kaum moeglich.

es gibt da zweiten arten von rabbinern. den ganz realen. den gemeinderabbiner. das ist die ansprechperson. er kann, muss aber nicht, den kandidaten beim gijur unterstuetzen. der gemeinderrabiner kann, muss aber nicht, den gijur kandidaten fuer die pruefung beim beth din vorbereiten.

ein zweiter rabbiner kann ein schon laengst verstorbender rabbiner sein. ein geistiger anker sozusagen. in meinem falle ist das rabbiner samson rafael hirsch. er ist schon lange tot. rabbiner hirsch war der vater dessen was sich im juedischen geschichtsnarrativ “neo orthodoxie” nennt. wir schreiben die zeit vor der schoa.

man muss das rad nicht neu erfinden. es gibt auch im internet genuegend quellen, in denen nachzulesen ist, wer samson rafael hirsch war und was er bewirkt hat. das hier ist eine, sehr gute, quelle.

Rabbiner Samson (ben) Raphael Hirsch (20. Juni 1808 – 31. Dezember 1888 / 25. Siwan 5568 – 27. Tewet 5649) war der intellektuelle Gründer der Haschkafa (Philosophie) „Torah im Derech Erez” (Torah mit weltlicher Beschäftigung verbunden) des Orthodoxen Judentums, manchmal Neo-Orthodoxie (moderne Orthodoxie) genannt. Seine Philosophie, zusammen mit derer von Rabbiner Esriel Hildesheimer, hatte einen grossen Einfluss auf die Entwicklung des Orthodoxen Judentums in Deutschland im 19. Jahrhundert.

(…)

hirsch

so eine geistige quelle, ein geistiger ankrer, scheint mir sehr wichtig zu sein. nicht als ersatz fuer den gemeinderabbiner. aber als ergaenzung. samson rafael hirsch hat ein grosses erbe an literatur hinterlassen. es ist also kein problem auch bei ihm zu lernen. mit buechern.

in meinem unterricht ergaenzt sich beides. das lernen beim gemeinderabbiner und das lernen der literatur hat einen ziemlich gleichberechtigten stellenwert.

das lernen aus buechern ersetzt aber keinen gemeinderabbiner. das lernen aus buechern ersetzt erst recht keine lebendige juedische gemeinde. bevor man den gemeinderabbiner zu einem gespraech aufsucht sollte man schon einige zeit die g”ttesdienste besucht haben und mindestens einen jahreskreis in der schul, mit anderen beterInnen, erlebt haben. das ist meine erfahrung. in anderen gemeinden mag das anders sein.

das gespraech beim rabbiner, die formulierung des wunsches zum gijur, wird einfacher sein wenn man den rabbiner (und seine familie) schon etwas kennengelernt hat.

das gespraech selbst verlaeuft in der regel freundlich. der rabbiner wird gewissenhaft untersuchen welche gruende den gijur kandidaten bewegen zum judentum uebertreten zu wollen. der rabbiner hat die pflicht (!) den gijur kandidaten auf die schwierigkeiten des uebertrittes und des juedischen lebens, speziell in der diaspora, hinzuweisen. beim ersten gespraech gibt es nicht unbedingt eine abfrage des wissens. ich halte es fuer unnoetig vor dem ersten gespraech zu lernen. dieses erste gespraech ist kein test. man sollte keine grossen vorbereitungen treffen. es ist wichtig sich einfach so zu geben wie man nun mal ist. es geht nicht darum zu imponieren und sich in moeglichst positivem lichte darzustellen. mein gemeinderabbiner legt durchaus auch wert auf widerspruch und diskussion. ich denke man sollte nicht zu befangen sein beim ersten gespraech. auch der rabbiner ist nur ein mensch.

— fortsetzung folgt —


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