
Seit einiger Zeit konnte ich nicht mehr in die Synagoge gehen. Die starke Antriebslosigkeit, verbunden mit anderen gesundheitlichen Schwierigkeiten, standen dem Besuch im Weg. Nun aber wird sich das ändern. Ich habe schon richtige Entzugserscheinungen.
Es ist wirklich schön zu wissen das die Solidarität des Rabbiners und der Gemeinde, im weitesten Sinne die Solidarität der Synagoge, keine Bedingungen kommt. Ich weiss das ich immer wieder willkommen bin. Egal wie lange ich die Freundschaft der Synagoge verschmäht habe. Ich werde nicht fallen gelassen. Rabbiner und Rebbezin geben mir immer wieder neu das Gefühl und die Gewissheit willkommen zu sein. Die Liturgie gibt mir die Gewissheit, ein Stück weit, ein Zuhause gefunden zu haben. Ich weiss das ich nicht alleine bin.
Ich lebe, in der Gewissheit des Versuches, die Gebote zu beachten. Ich lebe aber auch in der Gewissheit das Teschuwa immer gilt. Umkehr. Auch dann, wenn ich die Gebote verschmäht habe. Ich glaube übrigens nicht das es (in Deutschland) möglich ist, alle Gebote zu halten. Rein technisch geht das nicht weil einige Gebote mit dem Tempel (Möge der Messias noch in unseren Tagen kommen !) und dem Land Israel verbunden sind. Das sind rein technische Probleme. Am Tage, wenn der Messias durch die verschlossenen Gnadentore Jerusalems schreitet, wird das alles nicht mehr wichtig sein.
Es wird keine Tränen mehr geben und es wird keine Schwere mehr geben. Es wird keine Krankheit mehr geben und es wird keinen Tod mehr geben. All das ist dann Geschichte. Ich glaube fest daran. Die Hoffnung wird nie in mir sterben. Das Vertrauen auf G“tt wird nie in mir sterben. Aber auch das Vertrauen auf unsere Zeit, auf die Solidarität der Synagoge, wird nicht schwinden. Sonst wäre ich nicht mehr in der Lage zu leben. Die Hoffnung stirbt nicht zuletzt. Die Hoffnung lebt – jeden Augenblick neu. Auch im tiefsten Schwarz der Seelennacht.