Ich werde alt !

13 August 2008 at 18:32 | In Wege | 2 Comments

werte leserInnen, ich glaube es ist soweit. ich merke schon das ich aelter werde und gar nicht mehr modern bin. ich bin wohl zu alt fuer einige angebote der virtuellen welt.

es war hier schon oefters von facebook die rede, ich koennte myspace, chatten, foren, hinzufuegen.

ein kleines problem ist das ich viele dinge im virtuellen raum auch als zeitverschwendung ansehe. wenn ich das reale ergebnis meiner bisherigen bloggversuche auswerte habe ich probleme ein ergebnis zu entdecken. ich habe nichts dabei gelernt und es ging eher um dinge die ich als nichtigkeiten der welt ansehen wuerde. fuer den chattroom bin ich wohl einfach zu langweilig. auch das ist in ordnung. ich muss nicht interessant sein.

mich interessiert weder das intimleben anderer menschen, noch welcher club gerade “in” ist, oder welche personen gerade angesagt sind. 

auch gedenke ich nicht eine unnuetze sprache zu erlernen. ich meine die sprache der heutigen jugendlichen. manchmal habe ich das gefuehl es faellt manchen dieser jugendlichen einen satz zu formulieren. eigentlich schade.

neee, da blogge ich doch lieber und stelle mich dem alter.

Einschulung

12 August 2008 at 19:25 | In Wege | 2 Comments

heute gehoerten sie zum stadtbild: stolze (?) eltern, kindern mit schultueten. einschulung. der erste schultag.

es ist den kindern zu wuenschen das die schulzeit eine gute erfahrung wird. mit begabten lehrern und interessanten mitschuelerInnen.

ich denke an meine schulzeit mit sehr gemischten gefuehlen zurueck. es ging zu sehr um das einseitige lernen von fakten, zahlen, therorien. soziale kompetenz erlernte ich nicht in der schule. auch die faehigkeit zu lernen (das ist etwas anderes als die faehigkeit auswendig-zu-lernen) erlernte ich nach der schulzeit. die schulzeit war fuer mich bestimmt durch lernen ohne sinn. hauptsache das abitur wird gut. so war es dann auch. aber was ist ein abitur anderes als ein blatt papier ? was nuetzt dieses blatt papier wenn keine ueberzeugung, kein inhalt, keine zufriedenheit, damit verbunden sind ?

ein blick zurueck. leider im zorn.

aber das ist mein persoenliches problem.

Politik vs. Religion ?

4 August 2008 at 17:07 | In Wege | No Comments

ich werde oft gefragt wie sich meine fruehere politische betaetigung mit der religion verbinden laesst. schliesst das eine das andere nicht aus ?

ehrlich gesagt finde ich die fragestellung schlicht am thema vorbei.

aus mehreren gruenden:

1) es gibt keine brueche im lebensweg. es gibt wohl brueche mit personen, mit positionen. um nicht zu sagen mit ideologien. aber die politische, gewerkschaftliche, taetigkeit ist ein teil des weges der mich zur religion gebracht hat.

2) ich schaeme mich nicht fuer dafuer auch politisch aktiv zu sein, politisch zu denken, mich einzubringen wo ich es fuer richtig halte. religion und politik schliessen sich nicht aus. sie bedingen einander vielmehr.

3) auch (gerade ?) als religioeser mensch lebt man in keiner anderen realitaet. man sollte es nicht. klar gibt es leute die vor lauter religion den blick fuer die politischen, gesellschaftlichen, realitaeten verlieren. das war aber nie mein ziel. es ist nicht mein ziel. ich will nichzt waehlen zwischen politik und religion. ich bestehe darauf beides zu verbinden.

4) ich werde mich auch weiterhin in aktuelle diskussionen einbringen, ich werde auch weiterhin stellung beziehen. ich werde weiterhin meinungen vertreten die in vielen faellen nicht die mehrheitsmeinung darstellen.

5) meine interessengebiete haben sich nicht grossartig verschoben. ich werde mich weiterhin mit (internationaler) umweltpolitik beschaeftigen, mit fragen der sicherheit, mit den entwicklungen im nahen osten, vor allem auch mit fragen der  energiepolitik.

ich denke gerade als religioeser mensch hat man die pflicht sich einzubringen in die diskussion darum wie das werk der schoepfung (das ja ein g”ettliches ist) geschuetzt, bewahrt, erhalten werden kann.

ich werde mich nicht in die schoengeistigkeit verabschieden, auch nicht in religioese traumwelten. das ist zwar bequem. aber nicht wuenschenswert. lieber bleibe ich - mit allem aerger, allen unzulaenglichkeiten, aller unausgeglichenheit -  wie ich bin. der grenzgaenger eben. unkraut vergeht nicht.

uebrigens leben totgesagte laenger. auch so eine erfahrung die mich freut.

Ein schwieriges Thema

27 July 2008 at 18:46 | In Wege | 3 Comments

die deutsche vergangenheit. nicht die pauschale vergangenheit. die vergangenheit der eigenen stadt, der eigenen familie. ich beginne mich fuer das zu interessieren was meine eigene familie in der ns zeit getan hat. nicht meine eltern (die lebten da noch gar nicht). sondern die grosseltern. ich lebe in einer typischen “schweigefamilie. das thema ist doch vergangen, vorbei. was interessiert das heute noch ? mich interessiert es. auch wenn es mir gar nicht gefaellt: es geht um meine eigenen wurzeln. man lebt nicht im biographischen nichts. ich will die wahrheit wissen. auch wenn sie noch schlimm ist. das bin ich mir selbst schuldig. ein bequemes wegsehen gibt es nicht. so werde ich weiter suchen, forschen, zusammentragen. berichten.

Soziale Absicherung ?

15 July 2008 at 16:54 | In Wege | 1 Comment

die soziale absicherung, der sozialstaat, die soziale marktwirtschaft. das sind punkte die von den meisten deutschen als positiv angesehen werden.

dagegen ist auch nichts einzuwenden.

jeder kann in not geraten, arbeitslos werden, verungluecken. keine frage.

allerdings kann soziale absicherung auch zu unselbststaendigkeit fuehren. es gibt eine paralelle zur entwicklungshilfe. auch entwicklungshilfe kann menschen abhaengig machen.

“hilfe zur selbsthilfe” scheint mir das beste rezept gegen abhaengigkeit von sozialen leistungen zu sein.

ich finde es schlimm das sich armut inzwischen von einer generation auf die naechste uebertraegt.

die kinder kennen nur arbeitslosigkeit und soziale vereinsamung von ihren eltern.

diesen kindern wurde nie der wert von ehrgeiz beigebracht. diesen kindern wurde nie vermittelt das arbeit auch erfuellung bringen kann. nicht jeder arbeitet ausschliesslich um geld zu verdienen. arbeit kann und soll auch zufrieden machen.

ich stelle in meiner taetigkeit fest das die uebertragene perspektivlosigkeit, die erfahrung von arbeitslosigkeit, jugendlichen saemtliche energie nimmt aus diesem teufelskreis auszubrechen.

das faengt mit der schwierigkeit an einen festen tagesplan einzuhalten, rechtzeitig aufzustehen, puenktlich und ausgeschlafen zur abeit zu erscheinen. es herrscht ein mangel an energie, an willen zum durchhalten.

wenn dieser punkt gekommen ist hat der jugendliche kaum eine chance einem vernuenftigen schulabschluss zu erlangen und eine erfolgreiche ausbildung zu absolvieren.

dabei wissen wir wie wichtig eine gute schulbildung ist. ohne abschluss ist es nicht moeglich einen arbeitsplatz zu bekommen. jugendliche die nach der schule, ohne abschluss, laengere zeit arbeitslos waren, werden spaeter bei bewerbungen kaum noch beruecksichtigt.

diese jugendlichen teilen das schicksal ihrer eltern. ihnen wurde nie etwas anderes vorgelebt. ein tragischer kreislauf aus dem nur sehr wenige entkommen.

das ist sicherlich nicht die gewollte konsequenz sozialer absicherung. aber es ist eine teilrealitaet dieser praxis.

ich wurde vielleicht nicht sehr liebevoll erzogen. aber mir wurde von kindesbeinen beigebracht welchen wert leistung und disziplin haben. ich habe unter dieser strengen erziehung nicht gelitten. es gab wenig spielzeug, keinen fernseher, wenig freizeit. dafuer wurde aber nicht an aufmerksamkeit und foerderung, an lohn und strafe, gespart. ich bin meinen eltern heute dankbar dafuer. ich liebe solche tage wie heute. tage an denen die forderung bis an die grenzen geht. tage an denen ich muede ins bett falle und sofort einschlafe.

 

Ein neues Leben

15 July 2008 at 16:22 | In Wege | No Comments

ich war wieder mal bei einer beerdigung. leider habe ich das zweifelhafte privileg solchen “ereignissen” viel zu oft beiwohnen zu muessen.

eine alte freundin wurde zu grabe getragen. kennengelernt haben wir uns auf der krebsstation. vor einigen jahren.

eine lange zeit ging es bei ihr gut. dann kam der krebs wieder. die angst und die schmerzen waren wieder da. sie wusste es. auch ohne arzt.

nach kurzer ueberlegung beschloss sie sich keiner behandlung mehr zu unterziehen. nur noch die schmerzen betaeuben. aber kein versuch mehr das leben zu retten.

nun hat sie es geschafft. man muss es (leider) so sagen. geschafft. ich denke in ihrem neuen leben wird es ihr besser gehen.

wuerde ich in einer vergleichbaren situation auch so handeln ? ich glaube schon. es gab zu viele behandlungen, zu viele schmerzen, zu viel angst.

Nachtrag

14 July 2008 at 18:45 | In Videos, Wege | No Comments

ich bin selten einer (politischen) meinung mit reinhard mey. aber manchmal spricht mir dieser liedermacher, dessen texte noch inhalt haben, aus der seele. ich hoffe es wird reinhard mey und seine texte noch lange zu sehen und zu hoeren geben.

Was mir fehlt

14 July 2008 at 18:38 | In Wege | 13 Comments

deutschland.

ich habe das gefuehl diesem land fehlt es nicht an wohlstand. vielleicht gibt es sogar ein zuviel an wohlstand.

was diesem land fehlt ist eine grundidee, eine vision, etwas wonach es sich zu streben lohnt.

ich werde immer ganz neidisch wenn meine eltern von frueheren wahlkaempfen erzaehlen und von den (schwierigen) charakteren der kontrahenten.

meine eltern hatten das glueck wehner und brandt, schmidt und auch strauss noch live zu erleben.

das waren sicherlich keine einfachen menschen. es waren aber menschen die polarisieren und mobilisieren konnten. das waren menschen die fuer inhalte standen.

johannes rau war auch so ein mensch der fuer inhalte stand. ich durfte ihn auf parteitagen und in wahlkaempfen oft “live” erleben und kann nur sagen das johannes rau es schaffte die menschen in den bann zu ziehen. man konnte eine nadel fallen hoeren wenn rau redete. er konnte aber genau so gut den saal zum kochen bringen. seine reden waren meistens eine mischung aus beiden extremen. johannes rau stand fuer eine politik der sozialen gerechtigkeit, er war verwurzelt in seiner heimatstadt wuppertal. er hatte eine spannende geschichte. er war keiner von den aalglatten berufspolitikern die nichts anderes gelernt haben und deshalb in abhaengigkeit von ihrer partei zu - ich weiss es klingt hart - zu speichelleckern werden. ohne eigene meinung, ohne profil, ohne ecken und kanten. aalglatt eben.

johannes rau vertrat die aussterbende sorte von politikern die mit den menschen kommunizieren konnten, denen man zuhoerte, die bewegen konnten.

wie sehr wuensche ich mir heute politiker seines formates.ich bin mir nicht sicher ob es in deutschland eine politikverdrossenheit gibt. ich glaube eher das es eine politikerverdrossenheit gibt. ich bin selbst einer der dieser fraktion angehoert.

ich gehe immer waehlen. ich weiss das viele generationen von menschen fuer das recht zu waehlen gekaempft haben. es ist meine pflicht waehlen zu gehen. aber es faellt mir immer schwerer zu entscheiden wen ich waehlen soll. welche person, welche partei. ich sehe kaum noch unterschiede zwischen den programmen der parteien. ich spreche schon gar nicht mehr von volksparteien. den grossen parteien ist das volk schon laengst weggelaufen. gewinner  dieser tatsache sind rattenfaenger von links und rechts. naechstes jahr sind wieder wahlen. mir graust es schon jetzt davor. natuerlich werde ich wieder waehlen gehen. es ist meine pflicht als staatsbuerger. ich werde versuchen das kleinste uebel zu waehlen. auch wenn es nicht einfach sein wird.

damit ist mein problem aber nicht geloest. es wird niemand kommen der visionen anbietet, es wird niemand kommen der ein programm anbietet fuer das ich kaempfen wollte. fuer mich selbst brauche ich nicht zu kaempfen. ich will nichts werden in diesem land. ich will kein mandat (mehr). ich will mich nicht verbiegen. ich brauche es auch nicht. materiell bin ich abgesichert fuer den rest meines lebens. materie alleine genuegt aber nicht. wohlstand und kaufkraft machen mich nicht gluecklich. was fehlt ist der inhalt. ich lebe heute mit und fuer andere inhalte. aber das gehoert nicht hierher.

da ist noch etwas: viele meiner freundInnen sind ausgeswandert in den letzten jahren. die wenigsten haben es bereut. die usa stehen ganz oben auf der liste der auswanderungslaender. die freundInnen dort finden es gut gefordert zu werden, manchmal bis an die grenze, sie finden es gut in einem team zu arbeiten das sich eine aufgabe stellt und daran ohne ruecksicht auf arbeitszeiten und feiertage arbeitet. ohne dazu aufgefordert zu werden. es ist eine ziemliche auswanderungswelle aus deutschland im gange, gerade die sehr gut gebildeten (jungen) menschen verlassen ein land ohne visionen, ohne ziele. ich weiss das ich in nicht sehr langer zeit einer von ihnen sein werde.

Linker Antisemitismus

22 April 2008 at 6:05 | In Wege | No Comments

die (falschen) freunde israels erkennen den antisemitismus in den eigenen reihen. erst gregor gysi, jetzt die juso bundesvorsitzende franziska drohsel. mal sehen wer als naechster kommt.

man koennte glauben das die tatsache antisemitismus in den eigenen reihen als solchen zu erkennen eine positive entwicklung darstellt. tatsache ist aber auch das der linke antisemitismus weiter bestehen bleibt - weil er zum linken weltbild gehoert. kritik an israel bedeutet immer auch kritik an den usa (und umgekehrt). beides taucht sozusagen geschwisterlich auf. ohne kritik an israel und den usa fehlt dem weltbild der linken gutmenschen eine wichtige komponente. eine komponente die nicht nur folklore darstellt, sondern teil des weltbildes eines guten linken ist.

in meiner fruehen politischen zeit habe ich mich von diesem antisemitismus anstecken lassen. ich muss es leider mit innerer scham zugeben. wenn ich bedenke das ich 1991 auf einem ostermarsch gegen den golfkrieg demonstriert habe in dem letztendlich das ueberleben israels auf dem spiel stand (in dem es um gas aus deutschland ging !!)

irgendwann kam dann die besinnung. ich habe unter der kategorie “wege” schon mal darueber geschrieben.

von der viel beschworenen toleranz der linken habe ich nichts gespuert. es war in der ersten zeit eher ein rausekeln, heute wird man schlicht uebersehen. es verletzt mich nicht mehr. im gegenteil: es ist gut das mir die illusionen so schnell und gewaltig abhanden kamen. diese tatsache hat die chance eroeffnet neue weg zu suchen, sich neu zu orientieren. alles hat seinen sinn.

heute muss ich feststellen das die wirklichen freunde israels in der konserativen ecke und unter religioesen zu suchen sind. diese leute sind regelmaessig vor ort und immer aktiv wenn darum geht solidaritaet mit israel zu zeigen. das finde ich gut.

heute verlaeuft mein leben abseits der bahnen des linken antisemitismus. natuerlich ist kein “linker” antisemit. er ist antizionst. man hat ja nichts gegen israel und die juden - aber … spaetestens an dieser stelle hoere ich dann nicht mehr zu. ich weiss im schlafen was kommt. daran werden weder herr gysi noch frau drohsel etwas aendern. selbst wenn sie den festen willen dazu haetten.

wenn der baustein des antisemitismus/antizionismus fehlt ist der sandkasten eines guten linken nicht mehr vollstaendig, dem weltbild fehlt ein kontinent. wer will das schon ?

 

Warum ich kein Pazifist (mehr) bin

8 October 2007 at 17:00 | In Wege | 5 Comments

die erkenntnis das ich kein pazifist (mehr) bin wird euch sicherlich voellig ueberraschen. vor allem die stammleserInnen dieses tagebuches.

ich moechte mich schon jetzt entschuldigen: dafuer das der text etwas laenger werden duerfte, fuer polemik die ich nicht vermeiden will und vor allem dafuer das ich es nicht schaffen werde diesen text ohne persoenliche bemerkungen zu schreiben.

warum bin ich kein pazifist (mehr) ? weil ich gelernt habe aus der deutschen geschichte zwei lehren zu ziehen:

1) nie wieder krieg

2) nie wieder auschwitz/nie wieder voelkermord.

zunaechst: auschwitz wird fuer die argumentation viel zu oft missbraucht. der von deutschen begangene massenmord in auschwitz in einmalig, nicht zu vergleichen und erst recht kein fall fuer verjaehrungsdebatten. punkt.

auschwitz hat aber auch gezeigt was passiert wenn moerderischem handeln tatenlos zugesehen wird. eine tatsache die sich auch nach auschwitz nicht aendern sollte (screbenica, ruanda, darfur. die liste wuerde seiten fuellen).

gerade die angebliche deutsche linke, die falschen friedensapostel, weisen bei jeder (un)passenden gelegenheit auf auschwitz hin um gegen militaereinsaetze jeder art zu wettern, auch dann wenn dadurch terroristische machthaber daran gehindert werden sollen weiteres morden zu begehen.

das beispiel “ehemaliges jugoslawien” ist ein paradebeispiel dafuer. milosevic wurde von der friedensbewegung fast zum friedensnobelpreis vorgeschlagen, die “boesen” waren natuerlich die von den usa angefuehrte (militaer)allianz der auch deutschland angehoerte, kurz nach der regierungsbildung. joschka fischer hat es in seinen erinnerungen mit schlichten worten auf den punkt gebracht. die ereignisse beim gruenen parteitag in bielefeld (bei dem fischer von einem farbbeutel verletzt wurde) sprachen baende - und die kontinuitaet reicht bis heute. siehe gruener parteitag zum afghanistan einsatz. ehe man einem miliaereinsatz zustimmt treibt man afghanistan doch lieber sehenden auges in die haende der islamisten. hauptsache zur wurzel zurueckfinden. herzlichen glueckwunsch. weiter so !! (nur gut das diese farbe nicht mehr mit regiert !!)

mein ganz persoenliches erwachen aus dem pazifistischen traum kam im jahre 1991, es war der 2. golfkrieg. ein gewisser saddam hussein liess raketen auf israel abfeuern, einige haben ihr ziel getroffen. die menschen in israel hatten angst vor den irakischen raketen - und vor deutschem gas. wieder einmal. auch diese kontinuitaet der geschichte ist traurig genug. ich war damals noch bei den jusos, in der friedensbewegung aktiv und die stand eindeutig auf der seite des irak. wenn ich die texte heute lese wird mir schlecht. an diesem punkt fing bei mir das nachdenken an. schlimm genug das es die drohung mit gas aus deutschland brauchte um mich aufwachen zu lassen.

die zeit nach dem golkrieg 1991 war nicht nett, ich entfernte mich langsam, aber sicher von meinem politischen standort, die ideologie begann zu zerbrechen. nichts war mehr wie es vorher war. aber es war wichtig diesen weg zu gehen, seinen eigenen kopf zu finden. aus dieser zeit stammt die fuer mich so sprichwoertliche weigerung zu heucheln. natuerlich waere es einfacher gewesen den mund zu halten, mitzumachen, weiterzumachen. es haette einige pflaster auf meiner seele erspart. aber ich war und bin nicht (mehr) bereit zu heucheln. auch wenn es noch so weh tut. wichtig ist in den spiegel schauen zu koennen. sagen zu koennen “das bin ich - mit allen schwaechen und fehlern. aber das bin ich”.

einige zeit nach den ereignissen von 1991 gab ich mich noch der illusion hin in der linken szene etwas bewirken zu koennen. letztendlich dauerte der kampf bis zum irak krieg des jahres 2003. der im wahlkampf befindliche kanzler gerhard schroeder hatte sich entschlossen einen wahlkampf zu gestalten der fast ausschliesslich auf der formel “kein krieg im irak” aufbaute. die boesewichte waren natuerlich die amerikaner mit praesident georg bush an der spitze. die menschen im irak waren gerhard schroeder wohl nicht sehr wichtig, hauptsache seine billige polemik brachte waehlerstimmen. kein wort zum system der politischen unterdrueckung im irak, kein wort ueber die drohungen gegen israel, kein wort ueber die kaltbluetig vergasten kurden (wer erinnert sich noch daran ?). auch in meinem ortsverein wurde es noch ungemuetlicher fuer mich weil ich immer wieder und bei jeder gelegenheit fuer den irak krieg eingetreten bin. weil ich der meinung war das die gefahr saddam hussein gebannt werden musste. das irakische volk und vor allem die region des nahen ostens muessten um ihrer sicherheit willen von diesem tyrannen befreit werden. das war schon 2003 meine meinung, es ist bis heute meine meinung. letzlich wurde saddam hussein gefasst und hingerichtet.

endlich einmal hatte die internationale staatengemeinschaft beschlossen dem morden eines tyrannen nicht zuzusehen, endlich einzuschreiten.

meine gedanken gingen zurueck nach screbenica wo die serbischen terroristen ein fuerchterliches massaker angerichtet haben, unter den augen von un blauhelmen die nicht eingeschritten sind. ich war wenige wochen nach ende des krieges in screbenica, auch in sarajevo. die bilder sind kaum zu beschreiben, jedes einzelne hat sich in meinem gedaechtnis eingebrannt. hat jemand einen aufschrei der pazifistischen gutmenschen gehoert nachdem die ereignisse in screbenica bekannt geworden sind ? habe ich etwas verpasst ?

was ist das fuer eine doppeldeutigkeit - die menschenrechte auf den lippen zu fuehren, aber jeden versuch die menschenrechte gegen diktatoren und moerder zu verteidigen zu verdammen !? kann mir diesen widerspruch jemand erklaeren ? ich kann es mir nur so erklaeren: man will sein ideologisches nest nicht verlassen, sein weltbild nicht ueberdenken. aus angst dann die letzte sicherheit zu verlieren ? ich finde das ist ein ziemliches armutszeugnis fuer erwachsene menschen.

im jahre 2003 kam es also nach einer fraktionssitzung zum grossen knall. wieder einmal war der irak krieg das grosse thema: aktionen dagegen, die boesen amerikaner. meiner gegenposition wurde zwar mehr oder weniger hoeflich zugehoert, aber sie wurde nicht mehr zur kenntnis genommen wie die folgende diskussion zeigte. man hatte beschlossen sich aus wahltaktischen gruenden (oder war es doch ideologie ?) auf die seite des herrn hussein zu stellen der auf einmal das opfer einer boesen westlichen verschwoerung wurde.

kein wort ueber die vergasten kurden, ueber die drohungen gegen israel, ueber saddam husseins terror gegen das eigene volk.

an diesem punkt war fuer mich klar das es keinen sinn mehr hatte weiterzumachen. meine einflussmoeglichkeiten sind unter null gesunken und ich konnte und wollte nicht heucheln.

mit einem kurzen brief trat ich aus der spd aus, viele waren bestimmt erfreut darueber. ich goenne ihnen den spass.

trotzdem ist aus mir kein unpolitischer mensch geworden, nur die formen der aktivitaet haben sich veraendert.

die aktuelle bedrohung durch die iranische atombombe, der voelkermord in darfur und anderswo. moeglichkeiten genug mich einzubringen, meine minderheitenmeinung zu vertreten die in deutschland immer eine minderheitenmeinung bleiben wird.

michael wolffsohn hat auf einer verantstaltung meiner schul eindrucksvoll ausgefuehrt das deutsche und juden aus dem holocaust verschiedene folgerungen gezogen haben. die deutschen sagen in ihrer mehrheit “nie wieder taeter”, die juden zogen in ihrer grossen mehrheit die schlussfolgerung “nie wieder opfer sein”.

soweit stimme ich herrn wolffsohn zu. meine frage lautet aber :”wird man nicht im moralischen sinne zum taeter wenn man voelkermorden zusieht ohne den versuch zu unternehmen diese wirksam (!) zu beenden ?”

die antwort mag sich jede/r selbst geben. meine antwort auf diese frage duerfte klar sein.

- fortsetzung folgt -

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