Immer wieder werde ich gefragt, warum mir die Unterstützung von haGalil, so wichtig ist. Das ist eine sehr gute Frage.
Ich könnte kurz antworten und sagen: „Wer so viel Kritik, Häme, ja: Hass, erntet wie haGalil kann nur gut sein. Wenn ich, mehrmals täglich, auf die Website von haGalil schaue, werde ich in dieser Einschätzung nur bestätigt. Aber haGalil ist nicht „nur“ einfach gut.
haGalil steht für Pluralität und Vielfalt. Das können die meisten Gegner (um kein anderes Wort zu gebrauchen) von haGalil kaum verstehen. Diese Menschen fühlen sich von haGalil mundtot gemacht und verfolgt. Welche Diagnose man, im psychischen Spektrum, bei dieser verzerrten Wahrnehmung stellen kann – das sei jedem selbst überlassen. Ich werde hier nicht mit Diagnosen hantieren.
Was ich schade finde, ist das, von diesen Menschen, haGalil nicht einfach übersehen und nicht mehr zur Kenntnis genommen wird. Vielmehr wird, von den angeblich Geschädigten, haGalil mit Schmutz beworfen und bösen Verdächtigungen und Verurteilungen verfolgt. Eine nicht existierende Villa oder Eigentumswohnungen in Tel Aviv werden als Argumente gebraucht, um „denen von haGalil“ etwas anzuhängen. Nach dem Motto: „Da wird schon etwas hängen bleiben“. Bei dieser Taktik braucht es keine Argumente. Die Beschuldigung alleine genügt schon. Wer braucht da noch Argumente? Einen besonders bösen Beigeschmack erhält dass ganze, wenn angebliche Israelfreunde, die Urheber und Interpreten haltloser Vorwürfe sind.
Ich stimme sehr oft nicht mit den Meinungen von haGalil überein. Manche Artikel auf der Website finde ich etwas schwierig. Auf der anderen Seite stimme ich mit anderen Artikeln überein. Ich empfinde es als einen grossen Pluspunkt für haGalil das mich diese Website zu Widerspruch anregt und, ich gebe es zu, oft auch ärgert. Widerspruch und Ärger zeigen die Qualität einer Website.
Schwierig wird es, wenn Widerspruch und Ärger, ins Persönliche, in Beschimpfungen, in Drohungen, ausarten. Leider sind Beschimpfungen, persönliche Anfeindungen, Drohungen, längst kein alleiniges Merkmal von Antisemiten mehr. Gerade die ganz strammen Israelfreunde stimmen in den Chor ein. Sind sie sich bewusst, welche Bundesgenossen im Chor mitsingen? Ist das ein legaler Gesang, weil er gegen haGalil gerichtet ist?
Ich selbst sehe mich eindeutig auf der Seite des Staates Israel. Ich habe das immer wieder geschrieben und gesagt. Viele Freunde kann man mit einer solchen Haltung nicht gewinnen. Das dann allerdings stramme und selbstgerechte Israel Feinde in diese Häme mit einstimmen finde ich schlimm.
Ich erlaube mir Kritik am jüdischen Staat, wo es mir richtig erscheint. In einigen Fragen, die Kritik betreffend, stimme ich mit haGalil überein. In anderen Fragen bin ich anderer Ansicht.
haGalil ist sicherlich in der politischen Landschaft der „Israel-Solidarität-Szene“ als Links einzustufen. Ich glaube zu wissen, dass der Tel Aviver Teil von haGalil sich selbst eher als Links einstufen würde. Ich selbst bin kein Linker mehr. Ich würde mich eher als Mitte bis Mitte-Rechts bezeichnen. Konservativ oder Republikanisch würde den Kern auch treffen. Das sind alles Umschreibungen einer gewissen politischen Distanz zu haGalil. Aber gerade diese Distanz macht haGalil für mich unterstützenswert. Unterstützenswert im Gegensatz zu gewissen anderen Organisationen, die sich Israel solidarisch nennen.
Solidarität lebt eben auch vom Widerspruch. Solidarität lebt auch von persönlichen Freundschaften. Dass ich den Tel Aviver Teil von haGalil persönlich kenne und schätze, ist kein Geheimnis. Ich würde Andrea, ohne Probleme, als gute Freundin bezeichnen. Ich schätze ihre Offenheit und Geradlinigkeit. Aber auch ihre Toleranz und Verlässlichkeit.
Es gibt also viele Gründe (für mich) um haGalil auch weiterhin zu unterstützen.
Allem Spott und aller Häme zum Trotz!