Ein kleiner Mann und die Kommentare

21. Dezember 2011

Es ist schon interessant. Da habe ich einen kleinen Mann in ein Widget gepackt und das Widget ganz oben auf die rechte Leiste meines Weblogs gesetzt. Der kleine Mann trägt ein blaues T-Shirt mit der Aufschrift „haGalil“. Wenn man das Männchen anklickt, ist der direkte Weg zur Startseite von haGalil frei.

Interessiert ist, welche Reaktionen der kleine Mann ausgelöst hat. Wütende bis antisemitische Mails und Ergüsse von angeblichen Erfahrungen mit haGalil.

Nein, haGalil ist nicht perfekt. haGalil wird nämlich nicht von G“tt gemacht, sondern von Menschen. Menschen haben nun mal auch ihre Fehler und können nicht alles richtig machen. Wer schuldlos ist, der werfe den ersten Stein.

Ich kann mir so ungefähr vorstellen, welcher Müll da täglich im Postfach von haGalil landet. Ich finde es gut und irgendwie erstaunlich das die Macherinnen und Macher von haGalil nicht aufgeben. Sondern beharrlich weitermachen.

Es sind ja nicht nur die Kommentare „gut meinender“ Freunde. Bei haGalil kommt noch dazu das die staatlichen Zuschüsse ausbleiben. Soviel zu den Sonntagsreden mit dem Titel „Kampf gegen den Antisemitismus“.

Da die Macherinnen und Macher von haGalil, bedingt durch diese ganzen Belastungen, vielleicht mal unfreundlich auf den 259. antisemitischen Kommentar reagieren, ist nicht wirklich erstaunlich, oder?

Anstatt haGalil aus allen Rohren zu beschiessen, könnten die wirklich wohlmeinenden Freunde ihre Kraft auch produktiv einsetzen und haGalil unterstützen. Aber Grabenkämpfe waren ja schon immer die Spezialität der Aktivisten. Destruktivismus ist ja auch viel schöner als sachliche und zielgerichtete Zusammenarbeit.

Nun. Das Männchen sieht noch ganz munter aus. Das wird so bleiben. Punkt.


Ein paar Worte zu haGalil

28. Oktober 2010

Immer wieder werde ich gefragt, warum mir die Unterstützung von haGalil, so wichtig ist. Das ist eine sehr gute Frage.

Ich könnte kurz antworten und sagen: „Wer so viel Kritik, Häme, ja: Hass, erntet wie haGalil kann nur gut sein. Wenn ich, mehrmals täglich, auf die Website von haGalil schaue, werde ich in dieser Einschätzung nur bestätigt. Aber haGalil ist nicht „nur“ einfach gut.

haGalil steht für Pluralität und Vielfalt. Das können die meisten Gegner (um kein anderes Wort zu gebrauchen) von haGalil kaum verstehen. Diese Menschen fühlen sich von haGalil mundtot gemacht und verfolgt. Welche Diagnose man, im psychischen Spektrum, bei dieser verzerrten Wahrnehmung stellen kann – das sei jedem selbst überlassen. Ich werde hier nicht mit Diagnosen hantieren.

Was ich schade finde, ist das, von diesen Menschen, haGalil nicht einfach übersehen und nicht mehr zur Kenntnis genommen wird. Vielmehr wird, von den angeblich Geschädigten, haGalil mit Schmutz beworfen und bösen Verdächtigungen und Verurteilungen verfolgt. Eine nicht existierende Villa oder Eigentumswohnungen in Tel Aviv werden als Argumente gebraucht, um „denen von haGalil“ etwas anzuhängen. Nach dem Motto: „Da wird schon etwas hängen bleiben“. Bei dieser Taktik braucht es keine Argumente. Die Beschuldigung alleine genügt schon. Wer braucht da noch Argumente? Einen besonders bösen Beigeschmack erhält dass ganze, wenn angebliche Israelfreunde, die Urheber und Interpreten haltloser Vorwürfe sind.

Ich stimme sehr oft nicht mit den Meinungen von haGalil überein. Manche Artikel auf der Website finde ich etwas schwierig. Auf der anderen Seite stimme ich mit anderen Artikeln überein. Ich empfinde es als einen grossen Pluspunkt für haGalil das mich diese Website zu Widerspruch anregt und, ich gebe es zu, oft auch ärgert. Widerspruch und Ärger zeigen die Qualität einer Website.

Schwierig wird es, wenn Widerspruch und Ärger, ins Persönliche, in Beschimpfungen, in Drohungen, ausarten. Leider sind Beschimpfungen, persönliche Anfeindungen, Drohungen, längst kein alleiniges Merkmal von Antisemiten mehr. Gerade die ganz strammen Israelfreunde stimmen in den Chor ein. Sind sie sich bewusst, welche Bundesgenossen im Chor mitsingen? Ist das ein legaler Gesang, weil er gegen haGalil gerichtet ist?

Ich selbst sehe mich eindeutig auf der Seite des Staates Israel. Ich habe das immer wieder geschrieben und gesagt. Viele Freunde kann man mit einer solchen Haltung nicht gewinnen. Das dann allerdings stramme und selbstgerechte Israel Feinde in diese Häme mit einstimmen finde ich schlimm.

Ich erlaube mir Kritik am jüdischen Staat, wo es mir richtig erscheint. In einigen Fragen, die Kritik betreffend, stimme ich mit haGalil überein. In anderen Fragen bin ich anderer Ansicht.

haGalil ist sicherlich in der politischen Landschaft der „Israel-Solidarität-Szene“ als Links einzustufen. Ich glaube zu wissen, dass der Tel Aviver Teil von haGalil sich selbst eher als Links einstufen würde. Ich selbst bin kein Linker mehr. Ich würde mich eher als Mitte bis Mitte-Rechts bezeichnen. Konservativ oder Republikanisch würde den Kern auch treffen. Das sind alles Umschreibungen einer gewissen politischen Distanz zu haGalil. Aber gerade diese Distanz macht haGalil für mich unterstützenswert. Unterstützenswert im Gegensatz zu gewissen anderen Organisationen, die sich Israel solidarisch nennen.

Solidarität lebt eben auch vom Widerspruch. Solidarität lebt auch von persönlichen Freundschaften. Dass ich den Tel Aviver Teil von haGalil persönlich kenne und schätze, ist kein Geheimnis. Ich würde Andrea, ohne Probleme, als gute Freundin bezeichnen. Ich schätze ihre Offenheit und Geradlinigkeit. Aber auch ihre Toleranz und Verlässlichkeit.

Es gibt also viele Gründe (für mich) um  haGalil auch weiterhin zu unterstützen.

Allem Spott und aller Häme zum Trotz!


Hagalil und kein Ende

27. Mai 2010

haGalil. Ein endloses Thema. Ein Thema an dem sich die Meinungen spalten. Letztlich wohl auch ein Thema an dem Freundschaften zerbrechen. Oder beginnen.

Ich habe nicht viel haGalil Erfahrung. Eine zeitlang habe ich in Foren bei haGalil geschrieben. Das war nicht unbedingt ein Vergnügen. Zuviele Trolls auf zuwenig Raum. Alle Besserwisser und angeblichen Israel Kenner schienen sich auf haGalil versammelt zu haben. Irgendwann wurde – für mich – der Ton unerträglich und ich habe nicht mehr in den Foren geschrieben. Mein Verhältnis zu Internetforen ist wirklich gespalten. Im Allgemeinen habe ich aber resigniert. Das muss ich leider zugeben.

Nach einer gewissen Zeit habe ich das öffentliche Schreiben schon vermisst. Ich habe angefangen einen Blog zu starten. Ihr lest gerade darin. Im Blog kann ich nicht nur schreiben was ich für richtig halte. Ich kann auch selbst entscheiden welche Kommentare ich durchgehen lasse. Man mag mir da „Zensur“ oder „Manipulation“ vorwerfen. Ich nehme es zur Kenntnis. Letztlich ist niemand gezwungen hier mitzulesen. Es gibt auch andere Sandkästen. Wenn die Sandkästen nicht mehr ausreichen gibt es bunte Smarties vom Onkel Doktor. Wenn das keine Alternative ist.

Ich muss gestehen dass ich die MacherInnen von haGalil bewundere. Bei dem ganzen Dreck der über dem virtuellen Himmel von haGalil abgeladen wird muss die Luftverschmutzung inzwischen dramatische Ausmasse angenommen haben. Die seelische Verschmutzung in den Gehirnen mancher haGalil Kritiker lässt aber auch darauf schliessen dass eine Behandlung dringend geboten ist.

Manches an Kritik geht auch am Medium haGalil vorbei. Wenn man fachlich nichts mehr vorzubringen hat müssen eben (nur in den Hirnen der Kritiker) vorhandene Villen in München oder Reichtümer in Tel Aviv herhalten. Ehrlich gesagt würde mich nicht die Bohne interessieren wenn diese Vorwürfe stimmen würden. Meinetwegen könnten den Machern von haGalil ganz München und ganz Tel Aviv (politisch korrekt bitte ohne Jaffa) gehören. Mit krankhaftem Neid bin ich, baruch ha schem, nicht gestraft. Schlimm ist es wenn der Neid keine Tatsachen braucht.

Aber es gibt auch lustige Kommentare. Zum Beispiel das die Tel Aviver  Redaktion von haGalil den Autoren dieses Posts wechselweise mit Gehirnwäsche und Sex beeinflusst. Wenn das kein Fall für die UNO ist. Haben wir es hier nicht eindeutig mit einem lebendigen Beispiel der jüdischen Weltverschwörung zu tun ? Ach, ich hätte nie nach Tel Aviv fliegen dürfen. Vermutlich hat mich die Tel Aviver Redaktion nicht nur mit Gehirnwäsche und Sex überzogen. Im Schlaf wurde mir sicherlich auch noch ein kleines Gerät eingebaut das meine Depressionen ein- und ausschaltet. Da war doch letztens so ein dunkler Punkt im EEG !!!

Wenn es nicht so traurig wäre könnte man sich wirklich köstlich amüsieren. Aber ich frage mich schon was hinter den Angriffen auf haGalil wirklich steht.

Ich gebe zu das ich sicherlich deutlich andere politische Ansichten als die Macher von haGalil pflege. Ich bin kein Linker (mehr) und werde sicherlich kein Linker werden. Trotzdem kann ich linke Autoren lesen. Selbst solche die dem Zionismus kritisch gegenüberstehen wie Tom Segev oder Shlomo Sand. Ist es nicht eine Armutserklärung sich selbst Denkverbote zu verordnen ? Natürlich habe ich das am Anfang auch gemacht. Ich habe mich von der strahlenden Sonne Tel Avivs (oder Jerusalems) blenden lassen. Ich liebe Israel tief und innig. Ich bilde mir ein solidarisch zu diesem kleinen Land zu stehen. Aber mehr und mehr kam die Realität in mein Wunschgebilde. Auch in Israel ist eben nicht alles Sonnenschein. Mit der Realität und dem Alter und den bunten Smarties vom Onkel Doktor kam bei mir auch diese Nachricht an.  Ich bin wohl nachsichtiger geworden. Nachsichtig auch mit streitbaren Autoren wie Segev oder Sand. Selbst gegenüber Autorinnen wie Idith Zertal. Ich teile deren Meinungen nicht. Aber trotzdem werde ich mir kein Denkverbot in der Lektüre auferlegen.

Ich denke gerade diese Bandbreite der Meinungen macht auch haGalil aus. Es mag sein das Beiträge redigiert oder auch gekürzt werden. Von Manipulation rede ich da nicht. Wir sollten bedenken dass haGalil sozusagen das Hausrecht besitzt und auf der eigenen Webpage (und auch in den Foren) machen kann was es für richtig hält. Genau so wie ich im Blog schreibe was mir auf der Zunge liegt.

Traurig ist das mit manchen Beiträgen bewusst versucht wird dem Image von haGalil zu schaden. Es geht auch um Fördergelder. Die jüdische Weltverschwörung hat leider andere Prioritäten als haGalil zu unterstützen.

Also bleibt wohl nichts anderes übrig als haGalil durch das regelmässige Anklicken oder Seite und auch durch die ein- oder andere Spende zu unterstützen. Ob das allerdings genügt um haGalil am Leben zu erhalten ist fraglich. Die MacherInnen von haGalil stecken viel Frustrationstoleranz, Arbeit und Zeit in ihr Projekt. Der Dank für die Arbeit ist nicht entsprechend. Was mag sich die Münchener oder Tel Aviver Redaktion beim Lesen der neuesten Hassmails denken ? Ist es ein Trost zu sehen das haGalil, trotz allem, online ist ? Aber wie lange kann man seine Kräfte überfordern ? Wenn dann noch aus dem jüdischen Raum, neben allem antisemitischen Dreck, auf haGalil geschossen wird macht das die Sache nicht besser.

Ich wünsche haGalil jedenfalls noch (mindestens) für die nächsten 120 Jahre Kraft zum weitermachen. Der deutschsprachige, virtuelle, Raum braucht dieses Forum. Die vielfältige Kritik macht haGalil nur um so wichtiger. Die Kritik ist auch ein Beweis dafür das haGalil funktioniert. Was aber ist sachliche Kritik und was soll einfach nur dazu dienen den Machern von haGalil das Leben schwer zu machen ? Was ist konstruktive Kritik und was ist Neid ? Was ist Realität und was sind Hirngespinste ?

Eine endlose Diskussion. Ich gebe zu das ich schon ziemlich frustriert bin und eigentlich keine Lust mehr habe die gleiche Debatte immer und immer wieder zu führen. Was bringt es die immer gleichen Argumente auszutauschen und die, doch voraussehbare und damit langweilige, Diskussion immer wieder zu führen. Ein virtuelles Hamsterrad. Wer ist das Rad und wer ist der Hamster ?


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