Aufklärung auf Sauerländisch

19. August 2010

Es gab einmal eine Zeit da hatte ich Mitleid mit dem Duisburger Oberbürgermeister Sauerland. Die Morddrohungen gegen ihn, die Notwendigkeit seine Familie in Sicherheit zu bringen, teilweise auch die Ungeschicklichkeit des Duisburger OB haben mir schon einfach leidgetan.

Mein Mitleid mit Herrn Sauerland schwindet allerdings. Wenn ich sehe wie Herr Sauerland sich in Fernsehinterviews versucht aus der Mit(!)verantwortung zu reden, wenn ich sehe wie Herr Sauerland versucht den Eindruck zu erwecken er würde für rückhaltlose Aufklärung stehen, wenn ich dann sehe wie genau dieser Herr Sauerland gegen Blogger vorgeht die, für den Duisburger OB, belastende Dokumente ins Internet setzen, wird mir schlecht. Ist das die Aufklärung des Herrn Sauerland? Bedeutet es Aufklärung die Publizierung von Dokumenten zu verhindern die der Wahrheit ans Licht verhelfen? Wenn es Herrn Sauerland um Auflärung gehen würde dann hätte, ja hätte, Herr Sauerland die Publizierung der fraglichen Berichte unterstützt.

Mit seinem unerträglichen Vorgehen zeigt Herr Sauerland das es ihm nur um den Erhalt der eigenen Macht ist. So dumm und primitiv das ist. Ich würde Herrn Sauerland die Lektüre von Max Weber’s bahnbrechenden Band „Politik als Beruf“ empfehlen.

Das gute an der Sache ist eines: Die Freiheit des Wortes lässt sich im virtuellen Zeitalter nicht mehr einschränken. Der Blogbetreiber „xtranews“ hat auch Sorge vor einer hohen Geldstrafe die beanstandeten Dokumente aus dem Netz genommen. Aber zu diesem Zeitpunkt waren die Dokumente schon auf Hunderten Blogs und Websites zu lesen. Die Duisburger Stadtspitze hat ihren Kampf gegen die Freiheit des Wortes, des Netzes, aufgegeben. Das ist ein grosser Sieg für die Virtuelle Community. Die Wahrheit lässt sich nicht verbieten. Dazu gibt es zu viele unbequeme Blogger und Website Inhaber. Was die Duisburger Stadtspitze mit ihrem Versuch die Pressefreiheit auszuschalten erreicht hat ist folgendes: Das Interesse an den beschriebenen Dokumenten ist sprunghaft angestiegen. Der Schuss aus dem Duisburger Rathaus ist nach hinten losgegangen. Ich hoffe dieser Vorgang hat eine nachhaltige Wirkung. Eine nachhaltige Wirkung über Duisburg hinaus.


“Die Todesparade” – Video

1. August 2010

Ein schockierendes Video. Ein Beitrag von “hier und heute”. Das Video trägt den bezeichnenden Titel “Die Todesparade“. Der Titel sagt alles aus. Manchmal fällt es schwer das Video nicht abzuschalten. Aber vielleicht muss das so sein …


Bewegende Rede

31. Juli 2010

Ich glaube nicht nur mir standen bei dieser Rede der NRW Ministerpräsidentin, Hannelore Kraft, die Tränen in den Augen. Einfach unglaublich. Sollte ich mich in der Bewertung von Frau Kraft getäuscht haben ?


Trauerfeier ohne Angehörige !?

29. Juli 2010

Am Samstagmorgen wird es in Duisburg eine Trauerfeier für die Opfer der Love Parade Katastrophe geben. Genau eine Woche nach den schrecklichen Vorfällen. Bundeskanzlerin Merkel und Bundespräsident Wulff haben sich angesagt. Das ist gut und wichtig so. Mit Befremden stelle ich allerdings fest das die Angehörigen der Opfer nicht zu dieser Veranstaltung eingeladen sind (siehe den Kommentar von Perry). Müssten nicht die Angehörigen in der ersten Reihe sitzen anstatt Frau Merkel oder Herr Wulff? Oder will man die Angehörigen nicht bei der offiziellen Trauerfeier dabei haben weil sie vielleicht keine politischen Ämter haben? Ist die Veranstaltung zur Selbstschau gedacht? Für schöne Bilder in den Medien ? Tut mir leid. Aber solche Aktionen, wie eine offizielle Trauerfeier für die Verstorbenen, ohne deren Angehörige durchzuführen finde ich schlicht verlogen.


Drohungen sind der falsche Weg

28. Juli 2010

Bei aller Wut und Hilflosigkeit, bei aller Verachtung für einen unfähigen und unsensiblen Duisburger Oberbürgermeister, finde ich es schlimm Morddrohungen zu äussern und die Familie des Politikers zu bedrohen. Das ist keine Rechtsstaatlichkeit. Bei aller Wut und Hilflosigkeit müssen die Versäumnisse auf dem Wege der Rechtsstaatlichkeit aufgeklärt werden. Und zwar nur (!) auf diesem Wege. Jede Drohung mit Gewalt ist falsch und schäbig. Auch der Duisburger Oberbürgermeister darf von nichts und niemandem bedroht werden. Es ist einzig Aufgabe der Staatsanwaltschaft zu ermitteln. Es ist einzig die Aufgabe der Justiz über Strafen bzw. Strafmassnahmen zu entscheiden. Alles andere ist falsch und gefährlich. Es dient nicht der Sache und es nützt nicht den Toten und Verletzten.


Das Bedürfnis zu trauern

28. Juli 2010

Das Bedürfnis zu trauern ist noch immer riesig. Heute war ich am Ort der Katastrophe in Duisburg. Hunderte Menschen waren dort. Sie haben geschwiegen. Sie haben getrauert. Einige haben geweint. In die tiefe Trauer mischt sich auch Wut. Wut über die Verantwortlichen in der Stadt Duisburg. Wut auf den Veranstalter. Wut darauf dass niemand bereit ist Verantwortung zu übernehmen. Wut darüber dass niemand bereit ist Fragen zu beantworten. Wut auf die Verantwortlichen in der Stadt Duisburg die sich regelrecht im Rathaus einmauern. In der Wut schwingt auch Hilflosigkeit mit. Hilflosigkeit über das Geschehene und die eigene Ohnmacht. Hilflosigkeit angesichts der Unfähigkeit die Tränen zu trocknen. Diese Wut, gewachsen aus Hilflosigkeit, wird so lange andauern bis die Verantwortlichen in der Duisburger Stadtverwaltung und beim Veranstalter endlich die Fragen beantworten. Ich hoffe die Antworten kommen bald. Bevor es zu spät ist.


21 Tote

28. Juli 2010

Die Zahl der Toten bei der Love Parade Katastrophe hat sich auf 21 erhöht. Eine 25 jährige Frau ist ihren Verletzungen erlegen.


Beschädigtes Image

27. Juli 2010

Die Love Parade in Duisburg sollte sicherlich auch dem Image der Stadt dienen. Duisburg ist mit vielen Problemen belastet. Die Transfusion der Stadt von Kohle und Stahl in Richtung Zukunft ist nur teilweise gelungen. Es gibt Stadtteile in Duisburg denen man die Armut ansieht.

Vielleicht war es dieses Bemühen um ein besseres, neues, Image das den Oberbürgermeister der Stadt Duisburg dazu bewogen hat alle Vorsicht zu vergessen und alle Mahnungen zu überhören.

20 Menschen mussten diesen falschen Ehrgeiz mit ihrem Leben bezahlen. Der Oberbürgermeister von Duisburg sollte wenigstens so fair sein und zurücktreten. Er hat die Love Parade letztlich genehmigt. Er ist der Verwaltungschef. Beim Oberbürgermeister liegt die Verantwortung für die Tragödie. Es ist eine schwere Verantwortung.

Wenn ich höre dass Warnungen konsequent überhört worden sind und dass Druck auf Mitarbeiter der Duisburger Stadtverwaltung ausgeübt worden ist, die vor den Risiken der Love Parade und des Geländes gewarnt haben, wird mir schlecht. Da mischt sich Trauer mit Wut.

Ich lebe nicht im Ruhrpott. Aber ich mag die Menschen. Oft bin ich auch in Duisburg zu Gast. Ich mag die Stadt. Umso trauriger und wütender bin ich über das was geschehen ist.

Duisburg hat ein neues Image. Das Image von Grössenwahn, Inkompetenz, persönlichen Eitelkeiten, Geldgier. Das hat der Duisburger Oberbürgermeister geschafft. Gibt es eine Bilanz einer Amtszeit die vernichtender sein könnte?

Mir tun die „einfachen Leute“ in Duisburg einfach leid. Was geschehen ist haben die Menschen nicht verdient, hat die Stadt nicht verdient.

Ich bin einfach nur traurig und wütend.


Eine Kerze und ein Gebet

27. Juli 2010

Morgen werde ich zum Ort der Katastrophe von Duisburg fahren. Ich habe das dringende Bedürfnis wenigstens eine Kerze aufzustellen und ein Gebet zu sprechen. Hilflosigkeit. Aber vielleicht besser als nichts ?


Wie zynisch kann man sein ?

27. Juli 2010

Ich habe gestern auf den Blog von Julia hingewiesen. Julia ist eine Besucherin der Love Parade gewesen. Sie stand im Tunnel als die Panik losbrach. Julia hat ihre Erlebnisse in dichter, klarer, Sprache geschildert. Nun gibt es Leute die nichts anderes zu tun haben als sich über Werbung aufzuregen die im Blog eingeblendet wird. Julia wird vorgeworfen mit ihrem Blog Profit machen zu wollen. Wie krank kann ein Hirn eigentlich sein um solche Vorwürfe zu erheben? Da hat eine 22 jährige die Hölle durchlebt. Diese Frau quält sich mit Schuldgefühlen und immer wieder kreisenden Gedanken. Aus den Zeilen ihres Blogs ist klar zu ersehen in welchem Zustand sich Julia befindet. Und da haben einzelne User von Julia’s Blog nichts Besseres zu tun als ihr Vorwürfe zu machen? Wie wenig Empathie können Menschen eigentlich besitzen? Zumal das Problem sehr einfach zu lösen ist. Ich habe Julia’s Blog in den letzten Tagen oft besucht und NIE Werbung gesehen. Vielleicht sollte man einfach den Werbeblocker im Browser aktivieren? Ich sehe mit dem ABP Werbeblocker von Firefox jedenfalls keine Werbung. Aber vielleicht geht es auch gar nicht um die Frage der Werbung. Vielleicht geht es auch darum eine Bloggerin zum Schweigen zu bringen.


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