Fehlende Worte

31. März 2011

Ein Problem meiner Depression ist die Sprachlosigkeit. Sprachlosigkeit im Sinne von fehlenden Worten. Immer öfter kommt es vor das mir in Gesprächen die Worte fehlen. Ich kann mich einfach nicht mehr an die Worte erinnern. Sie fehlen in meinem Wortschatz. Oft erinnere ich mich auch an Gesichter und Namen nicht mehr. “Unzusammenhängendes Denken” nennt sich sowas. Das alles sind Folgen von Antidepressiva und Schmerzmitteln. Eine blöde, aber leider notwendige, Kombination. Neben der Leukämie gibt es bei mir auch noch eine Depression, die sich somatisch äussert. Das heisst: Die Depression löst massive körperliche Beschwerden aus. Das grösste Problem, die grösste Auswirkung, sind starke Schmerzen. Ohne starke Schmerzmittel ist das nicht auszuhalten. Manchmal würde ich mir wünschen tot zu sein. Damit es ein Ende hat. Mein Zeitfenster ist schon ziemlich begrenzt. Aber jeder Tag ist eine einzige Strapaze. Ohne Glauben, ohne Gebet, hätte ich mich schon längst aufgegeben. Menschen, die m ich mögen und kennen, haben sich an die fehlenden Worte, die fehlenden Zusammenhänge, gewöhnt. Das sind Freunde, die in jeder Situation zu mir stehen. Das beruht auf Gegenseitigkeit. Nein, ich will kein Mitleid. Das wäre falsch. Ich kann nicht tiefer fallen als in Gottes Hand. Trotzdem ist das Fehlen von Worten ein Problem. Vermutlich wird sich diese Symptomatik eher verstärken. Aber die ständige Belastung durch starke Schmerzen wäre das grössere Problem.


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