Seder und so so weiter

22. April 2008

hallo zusammen,

da bin ich wieder. der erste teil von pessach liegt hinter uns, vor allem die sederim (seder abende, mir faellt keine bessere uebersetzung ein). ich hatte das vergnuegen an zwei sederim teilzunehmen, einmal bei chabad, einmal in einer einheitsgemeinde. beide sederim waren wirklich ganz toll und dauerten bis frueh in den morgen. gestern gab es die seder-ausgabe “einheitsgemeinde”, drei gleichzeitig stattfindende sederabende. einer fuer das jugendzentrum, ein russischsprachiger seder, ein deutschsprachiger seder. es war wirklich klasse ab und zu mal bei “den anderen” reinzuschauen. alle drei sederim waren gut besucht.

es ist fuer mich immer wieder erstaunlich wie aktuell die hagadda, die erzaehlung des auszuges aus mizarim fuer uns noch immer ist. gewissermassen leben wir zwar in einem freien land, der auszug ist geglueckt. aber trotzdem leben wir in einem zustand der sklaverei (vor allem in der diaspora) bis der messiasch gekommen ist. wenn der messiasch kommt wird der dritte tempel erbaut, die freiheit ist vollendet, die reise an ihrem ziel. das ist der tiefere sinn des minhag (brauches) ein glas voller wein fuer den propheten eliyah auf den tisch zu stellen. eliyah ist der vorbote des messiasch. moege er bald kommen.

diese pessach tage sind fuer mich vor allem mit schlafmangel verbunden. nein, in der schul bin ich nicht eingeschlafen. aber im bus. wie praktisch das ich ohnehin an der endhaltestelle aussteigen muss.

neben den sederim gibt es zwei g”ttesdienste pro tag. eigentlich koennte man gleich in der schul uebernachten. aber es ist auch schoen sich ganz der religioesen tradition hinzugeben. ich habe so viel kraft getankt in diesen tagen, trotz der oberflaechlichen muedigkeit. gestern abend war es wieder so. ich hatte das gefuehl vor glueck und freude zu zerspringen. auch das ist religion: freude an den werken g”ttes.

gestern hatte ich beim maariv (abendgebet) eine interessante erfahrung. ich war so sehr in der amida (dem hauptteil der liturgie) vertieft das ich ueberhaupt nicht mitbekam das die gemeinde inzwischen weiter war. macht aber nichts. gerade bei der amida lasse ich mir so viel zeit wie ich brauche. der rebbe weiss das und macht halt einfach weiter (mit der wiederholung der amida). es kommt immer darauf an wie ich gerade in form bin. in dieser geschwindigkeit lese ich auch. man kennt ja seine mitbeter inzwischen und einigen geht es auch so das ihr tempo wechselt. es geht aber nicht um geschwindigkeit, sondern daraum zu verinnerlichen was man betet.

den pc habe ich nicht wirklich vermisst. es gibt ein leben ausserhalb der virtuellen welt. bloggen ist fuer mich ein hobby, auch ein mittel um mich mitzuteilen, klar. aber meine online zeit wird kuerzer, gerade an tagen wie diesen. es kommt ja auch nicht auf die menge der beitraege. ich weiss meine leserInnen zu schaetzen. ich glaube meine leserInnen haben sich im “gegenzug” an meine absurde lebenswirklichkeit gewoehnt.

herzliche gruesse,
euer grenzgaenger


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