Nun wird es aber Zeit !

2. Oktober 2008

zeit fuer ein lebenszeichen :-)

ich hoffe ihr seid gut ins neue jahr gekommen. shana tova – noch einmal !

wie ihr euch sicher denken koennt habe ich viel zeit in der schul verbracht die in feierlicher neuer farbe erstrahlte: in weiss. eine farbe der erneuerung, eine farbe der reinheit. der thoraschrein ist in weiss gehuellt, die thorarollen haben einen weissen umhang erhalten und auch meine kippa ist weiss.

an rosch haschana habe ich zu meiner freude viele menschen getroffen die sonst nicht unbedingt zur schul kommen. ich mag den begriff “drei-tage-juden” nicht. ich finde das ist ein abschaetziger begriff und so etwas gehoert nicht unbedingt in die schul. ausserdem freue ich mich gerade ueber diese menschen. sie moegen nicht streng nach den geboten leben, vielleicht auch nicht immer den schabbat halten. aber es glueht noch ein feuer in ihnen. dieses feuer sagt ihnen das es gut waere an den hohen feiertagen in der schul zu sein. meinetwegen weil es sich “so gehoert” oder weil man “gesehen werden will”. aber das feuer ist vorhanden. wer weiss was aus diesem feuer wird.

morgen beginnt ein besonderer schabbat. es ist der schabbat teshuva, der schabbat der umkehr. miriam hat darueber geschrieben. warum schabbat der umkehr ? weil die zehn tage zwischen rosch haschana und yom kippur “tage der umkehr” genannt werden. an rosch haschana hat g”tt das urteil geschrieben, an yom kippur wird es verkuendet. dieser umstand ist eine gute gelegenheit ueber das eigene leben nachzudenken und umzukehren. umzukehren zu g”tt. natuerlich haben wir diese chance jeden tag, jede stunde, jede minute. nur gerade in diesen zehn tagen werden wir mit unserer fehlbarkeit konfrontiert. es geht nicht darum unfehlbar zu sein. kein mensch ist unfehlbar. dieses privileg ist g”tt vorbehalten. es geht darum nachzudenken und zu ueberlegen wie wir den weg antreten koennen. das ist schwierig genug.

ich weiss das ich noch einige e mails und kommentare beantworten sollte. bitte habt geduld mit mir. ich werde nichts vergessen.

herzliche gruesse,

euer grenzgaenger


Eine Bilanz

28. September 2008

eine bilanz zu rosch haschana. es war ein gutes jahr. natuerlich gab es auch einige tiefen. aber neben den tiefen gab es auch hoehen. die hoehen ueberwiegen.

einige freundInnen sich nicht mehr in dieser welt. sie sind in einer besseren welt. haschem hat ihre seele zurueck geholt in seine welt. einige wurden von unertraeglichen schmerzen erloest. der tod war also eine erloesung. ueberhaupt habe ich ein anderes verhaeltnis zum sterben bekommen. ich weiss das auch meine kerze abbrennt. das meine ich auch im sinne das “mein problem” nicht verschwindet. es ist in den hintergrund getreten. aber auch wunder dauern nicht endlos. um so dankbarer bis ich haschem fuer die wunderbare zeit die er mir hier geschenkt hat. eine zeit um freunde kennenzulernen. eine zeit um sein wort zu hoeren. eine zeit um zu versuchen etwas gutes (was immer das sein mag) mit meiner lebenszeit anzufangen. das hoert sich jetzt wahnsinnig traurig an. aber es ist nicht traurig gemeint. ich lebe mit freude. jeden tag neu. trotz der erwaehnten tiefen. auch die tiefen machen mir keine angst mehr. ich weiss um den schuetzenden hueter israels.

ich wage nicht zu glauben das meine persoenliche bilanz eine gute ist. wieder habe ich mich nicht intensiv genug um meine mitmenschen gekuemmert, nicht immer habe ich ein gutes wort gesagt, nicht immer habe ich die wahrheit gesprochen, nicht immer habe ich den geboten nachgejagt, zu oft war ich um meines oberflaechlichen, letztlich unwichtigen, persoenlichen vorteiles bedacht. ich habe mich aus vorgeschobenen argumenten (zeitmangel, termin, sitzung) zu wenig um menschen in not gekuemmert. wenn ich mich gekuemmert habe war es manchmal zu spaet.

auf der anderen seite habe ich versucht mich einzusetzen, menschen zu begleiten, thora zu lernen, gedanken in schiurim zu verstehen. ich habe auch versucht mit meinen kleinen mitteln zu helfen.

aber die negativen dinge ueberwiegen. oh nein, meine bilanz ist nicht ausgeglichen.

die zehn tage zwischen rosch haschana und yom kippur werden die “zehn busstage” oder auch “tage der rueckkehr” genannt. der schabbat waehrend dieser zehn busstage wird “schabbat schuwah” (schabbat der rueckkehr) genannt. ich habe gelernt diese bezeichnung ist hoesa 14,2 entnommen.

schuwa israel, kehre zurueck, israel, zum ewigen, deinem g”tte.

dieser aufruf gilt fuer das volk israel. aber eben auch fuer jeden einzelnen. kehre um. darum geht es in diesen zehn tagen. ich werde es versuchen. mit meiner unzulaenglichkeit. mit meinen kleinen mitteln.

ich habe heute bei rav lau etwas interessantes gelesen. gleich zu beginn des abschnittes ueber rosch haschana schreibt er folgendes:

Obwohl die beiden Neujahrstage Tage des Gerichts sind, sind es doch keine Trauertage. Ganz im Gegenteil: Wie betrachten sie als ein Fest, an dem wir uns freuen sollen. Das Bewusstsein, das G”tt Erbarmen mit uns hat und seine Gnade ein guenstiges Urteil bewirkt, verhuetet eine melancholische Stimmung, die eigentlich eher den hohen oder, wie sie auf hebraeisch heissen, den “furchtbaren Tagen” der Angst und des Gerichtes entsprechen wuerden.

(…)

Kapitel 8 des Buches Nehemia berichtet, wie sich die aus Babylonien Zurueckgekehrten am Neujahrstag in Jerusalem einfanden, wo sie den Bund mit G”tt schlossen. Das Volk weinte waehrend der Toralesung, als es erkannte, wie weit es sind vom Glauben entfernt hatte. Esra und Nehemia, die an der Spitze der Heimkehrer standen, sagten dem Volk: “Auf! Esse fette Spreisen, und trinke suesse Getraenke. Sendet auch jenen Anteile, denen nichts bereitet ist. Denn der Tag ist heilig fuer den Herrn. Seid nicht traurig! Denn die Freude des Herrn, sie ist euer Schutz!” (Nehemia 8,10). Wir sollen von Esras und Nehemias Lebensfreude und Optimismus lernen und ihnen auch heute waehrend der hohen Feiertage nacheifern.


Shavua Tov/Shana Tova !

28. September 2008

liebe leute,

da bin ich wieder ;-)

shavua tov euch allen. eine gute woche. und shana tova. ein gutes jahr. fuer alle die es feiern.

mein jahr ist also morgen zu ende. es ist rosch haschana, der “kopf des jahres”, das ende des jahres.

rosch haschana ist etwas anderes als silvester weil an diesem tag weder uebermaessig alkohol getrunken wird noch raketen durch die luft fliegen.

rosch haschana ist ein ernster tag. an diesem tag wird g”tt das buch der urteile schreiben, an yom kippur wird das buch verkuendet. unser rebbe sagte es ist kein zufall das es ein BUCH ist. schliesslich ist die sache mit dem volk des BUCHES keine leere worthuelse.

morgen abend wird wieder der ruf des schofar durch die schul dringen. es wird apfelstuecke mit honig geben. das ist ein symbol fuer den wunsch nach einem suessen (guten) neuen jahr.

rosch haschana ist auch die zeit um bilanz zu ziehen. wenn man so will ist rosch haschana auch eine zeit der umkehr. umkehren kann man natuerlich immer. auch bilanz ziehen ist immer moeglich und nicht an rosch haschana gebunden. trotzdem ist meine zeit der bilanz eben dieser eintrag im kalender. meine bilanz koennt ihr lesen. im laufe des tages. ich muss vorher noch einiges erledigen. morgen ist nicht nur rosch haschana. es ist auch schabbat.

ich werde diesmal keine rosch haschana e mails verschicken. keine virtuellen karten schreiben. alle freundInnen koennen meinen blogg lesen und alle sind hiermit in liebe gegruesst. kollektiv sozusagen. obwohl ich gar keine kollektive mag. aber in dieser sache … usw … !

heute gab es (auch das ist eine rosch haschana tradition) einen rundgang ueber die friefhoefe der schul. es sind mehrere. die schul umfasst einige staedte und viel laendliches gebiet. diese besuche sind teil einer juedischen tradition mit dem namen “zachor”. nicht vergessen. das ist ein beitrag fuer sich. ein langes thema. es geht darum menschen nicht zu vergessen. es geht auch darum geschichte nicht zu vergessen. schwierig in einem land das zu gerne schnell vergessen will. doch die juedische tradition lebt. auch das prinzip “zachor” lebt. lila hat einen eindrucksvollen beitrag darueber geschrieben wie das in israel aussieht.

herzliche gruesse, bis spaeter,

euer grenzgaenger


Vor Rosch Haschana

24. September 2008

sehr geehrte leserschaft,

vor rosch haschana ist noch maechtig was los. ich versinke in arbeit, die ich bis rosch haschana erledigt haben will, es gibt auch noch einiges berufliches zu regeln im alten jahr.

mit anderen worten: es gibt zeiten das kommt alles auf einmal. deswegen gibt es hier im moment nicht so viel zu lesen.

das ist ein gutes trainig fuer die naechsten wochen denn  natuerlich werde ich an den feiertagen den computer nicht anschalten.

es ist ja schliesslich schabbes und an den feiertagen gehoere ich in die synagoge und nicht an den computer.

ich finde solche anfragen wie “lebst du noch ?” oder “wann darf ich zu deiner beerdigung einfliegen ?” ja wirklich nett. aber macht euch keine falschen hoffnungen. es wird nur jontef (feiertag) sein und ich bin fit wie ein eingelaufener turnschuh und nach der jontef saison werde ich euch wieder mit beitraegen nerven.

in der ersten novemberhaelfte aus israel.

ihr wisst also was auf euch zukommt und wenn ihr diese seite immer noch aufruft … tja, dann kann ich euch auch nicht helfen ;-)

in diesem sinne einen schoenen abend,

euer grenzgaenger


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