schawuot liegt hinter uns. dem juedischen volk wurde die gesetzgebung erteilt. ein freudiges ereignis. wie feiert man freudige ereignisse ? in der schul. mit der huldigung von g”ttes namen.
so war mein schawuot also in erster linie von lernen und g”ttesdienst gepraegt.
an erew schawuot (vorabend von schawuot. im juedischen kalender fangen nicht nur die tage sondern auch die feste am vorabend an) gab es einen kurzen maariw g”ttesdienst, anschliessend die lernnacht. der rav stellte seinen schiur unter den titel “umweltschutz und thora”. ein sehr spannendes thema, auch immer wieder aktuell. der rav betonte den stellenwert des umweltschutzes in der thora und machte dies an einigen textstellen und der frage von kaschrut anschaulich.
in der kaschrut auslegung ging es um die frage des fleischgenusses, der damit verbundenen vorschriften und um die frage ob fleisch zu essen ethisch zu vertreten ist. schliesslich wird fuer 1 kilo fleisch 7 kilo getreide benoetigt das anderswo sicherlich besser eingesetzt wuerde. auch geht es um den stellenwert des tieres, die heutige tierunwuerdige fleischproduktion und schliesslich auch um die gesundheit des menschen. auf der anderen seite ist es brauch (und nach mancher auslegung auch pflicht) an bestimmten schabbat tagen und festtagen fleisch zu essen. ein schwieriges thema. das problem waere sicherlich geringer wenn nur an diesen tagen fleisch gegessen wuerde. ich denke es geht nicht so sehr um das fleisch essen an sich sondern um die menge die verbraucht wird. die menge fuehrt zur massentierhaltung die ethisch nicht vertretbar ist und auch der gesundheit schadet. ein schwieriges thema das auch noch nicht beendet ist. ich persoenlich esse kein fleisch (aus ethischen aspekten aber auch weil mir schon beim anblick schlecht wird und so ist das problem des brauches an manchen schabbat und festtagen fleisch zu essen geloest. an festtagen und an schabbat soll man sich freuen, nicht krank werden.)
nach einer kurzen nacht folgte der erste tag schawuot, das schacharit und das maariv. die schul war relativ gut gefuellt.
am zweien tag schavuot folgte ein schacharit, diesmal mit dem jiskor. jiskor und proselyten ist ein thema fuer sich. abgesehen davon das meine eltern sich eines froehlichen lebens erfreuen (baruch ha schem): darf ein proselyt fuer seine verstorbenen eltern kaddisch sagen ? darf er jiskor halten ? welchen stellenwert haben die eltern nach dem uebertritt ? ich erinnere mich von einer anfrage an rav ovadia josef gelesen zu haben. es wurden in diesem zusammenhang die verschiedenen meinungen eroertet. eine davon war das die leiblichen eltern nach dem gijur nicht mehr als eltern zu betrachten sind weil die mutter jetzt sara und der vater abraham ist. bei dieser meinung ist es natuerlich unsinnig fuer die verstorbenen eltern kaddisch zu sagen oder jiskor zu halten. rav ovadia josef entschied anders. er fuehrte aus das die eltern eines prosyleten nach der halacha nicht mehr die eltern sind. aber die mutter hat eine zukuenftige seele israels geboren und erzogen und auch der vater hat an der erziehung und damit auf dem weg zut thora mitgewirkt. also darf das proselyt kaddisch fuer seine verstorbenen eltern sagen und jiskor halten. eine humanistische meinung. sicherlich haben die anderen meinungen auch ihre berechtigung. ich werde die quelle zu rav ovadia josef heraussuchen. sie steht in meinem buecherschrank.
nach dem gebet fuer die verstorbenen eltern kommt noch das gebet fuer die in der schoa ermordeten. ein schwieriger, emotionaler moment. vielen stehen die traenen in den augen. auch wenn es die nachkommen der taeter nicht verstehen wollen: die schoa ist ein teil des juedischen lebens. jiskor endet nicht.
schliesslich folgt – wir sprechen immer noch vom jiskor – das gebet “zum gedenken an die in den kriegen fuer das land und den staat israel gefallenen”.
ich mag das wort “gefallen” nicht. es ist so verharmlosend. die soldaten wurden getoetet. manche wurden verschleppt und starben in der haft der peiniger ohne das die sterblichen ueberrreste nach hause, ins land israel, gebracht werden konnten.
dieses gebet beginnt so:
G”tt gedenke der Seelen der Soldaten des israelischen Verteidigungsheeres und der Seelen der Kaempfer der Untergrundbewegungen, welche sich fuer die Heiligung des g”ettlichen Namens hergegeben haben.
(…)
ich denke an die freunde in israel. einem kleinen land das noch immer bedroht ist von seinen feinden und deren helfershelfern. auch von deutschland das mit dem feinden des landes israel geschaefte macht und gleichzeitig den verlogenen schein von solidaritaet mit dem juedischen staat und dem juedischen volk hochhaelt. auch das gehoert zum jiskor. ja, ich bin verbittert. auch in dieser stunde.
nach dem jiskor naehert sich der g”ttesdienst dem ende. noch ein mussafgebet, das alenu und schawuot liegt fuer den standort der schul hinter uns.
an schawuot wird das buch ruth gelesen. zwei mal, an jedem tag von schawuot, bei jedem schacharit. in der diaspora dauert schavuot zwei tage, in israel nur einen tag.
es gaebe noch so viel zu schreiben. aber hier endet mein bericht. speziell zum jiskor werde ich noch ausfuehrlich schreiben.
Verfasst von grenzgaenge 
