Yom Kippur Bericht

10. Oktober 2008

yom kippur. was soll ich dazu schreiben ? vielleicht ein paar persoenliche eindruecke aus der schul (die aber voellig subjektiv sind).

zunaechst einmal: leider konnte man nicht sagen das die schul ueberfuellt war. ich hatte jedenfalls noch platz genug obwohl ich an erew yom kippur (dem vorabend von yom kippur) ziemlich spaet in der schul war und mich schon damit angefreundet haette den g”ttesdienst stehend zu verbringen. was mich auch nicht aus der ruhe gebracht haette. aber es war anders. platz genug. auch mein “stammplatz” war nicht besetzt.

zu anfang des g”ttesdienstes wurden die thorarollen durch die schul getragen. schon diese tatsache “belohnt” die anwesenheit. ich hatte hier schon einmal darueber geschrieben.

den hoehepunkt des langen g”ttesdienstes (ungefaehr 2,5 stunden) bildete das awinu malkenu. unser vater, unser koenig. ich habe zwei interessante videos zum thema gefunden.

im jom kippur g”ttesdienst ist viel von den eigenen (!) suenden und verfehlungen die rede, teilweise auch ueber die verfehlungen der gemeinschaft. aber ich verstehe es so das es um die eigenen suenden und verfehlungen geht. ich suche erst mal bei mir selbst bevor ich bei anderen suche. richten allerdings wird kein mensch. richten wird g”tt. deshalb heisst es ja auch das das buch an rosch haschana geschrieben und an yom kippur verkuendet wird.

an yom kippur gibt es natuerlich auch keinen kiddusch (gemeinsames essen nach dem g”ttesdienst) denn yom kippur ist ein fastentag.

ueber meine beziehung zum fasten habe ich schon hier geschrieben.

yom kippur selbst verbringt man fast vollstaendig in der schul. nach einem langen schacharit (g”ttesdienst am morgen) gibt es noch ein jiskor. eine ziemlich emotionale angelegenheit. es geht um die in der schoa ermordeten. aber auch um pogrome, es geht um verwandte und eltern die verstorben sind. wie ist das prosyleten ?

jiskor und prosyleten ist ein thema fuer sich. abgesehen davon das meine eltern sich eines froehlichen lebens erfreuen (baruch ha schem): darf ein proselyt fuer seine verstorbenen eltern kaddisch sagen ? darf er jiskor halten ? welchen stellenwert haben die eltern nach dem uebertritt ? ich erinnere mich von einer anfrage an rav ovadia josef gelesen zu haben. es wurden in diesem zusammenhang die verschiedenen meinungen eroertet. eine davon war das die leiblichen eltern nach dem gijur nicht mehr als eltern zu betrachten sind weil die mutter jetzt sara und der vater abraham ist. bei dieser meinung ist es natuerlich unsinnig fuer die verstorbenen eltern kaddisch zu sagen oder jiskor zu halten. rav ovadia josef entschied anders. er fuehrte aus das die eltern eines prosyleten nach der halacha nicht mehr die eltern sind. aber die mutter hat eine zukuenftige seele israels geboren und erzogen und auch der vater hat an der erziehung und damit auf dem weg zur thora mitgewirkt. also darf das proselyt kaddisch fuer seine verstorbenen eltern sagen und jiskor halten. eine humanistische meinung. sicherlich haben die anderen meinungen auch ihre berechtigung. ich werde die quelle zu rav ovadia josef heraussuchen. sie steht in meinem buecherschrank.

an jiskor schliesst sich der abschliessende g”ttesdienst an. yom kippur, ein tag in der schul, liegt bald hinter uns den die daemmerung bricht herein. der neue tag beginnt. es ist freitag. es ist schabbat.


Yom Kippur

7. Oktober 2008


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